Erst Banken-, dann Schulden- und Euro-Krise: Die Verunsicherung der Anleger ist mit den Händen zu greifen. Die einsetzende Flucht in amerikanische und deutsche Staatsanleihen hat die Zinsen in den Keller gedrückt. Die Banken bieten im Zinsbereich seit Monaten nur noch Magerkost. Die Vorliebe für Geldmarktprodukte, auf die hiesige Investoren in Krisenzeiten besonders gern zurückgreifen, ist jedoch durchaus kritisch zu hinterfragen.
Insbesondere Exchange-Traded Funds (ETFs) werden gekauft. Diese wie Investmentfonds durch Sondervermögen besicherten Produkte sind seit dem Jahr 2007 auch für den Geldmarkt verfügbar. Der Eonia-ETF von DB X-Trackers entwickelte sich zum Kassenschlager, nachdem im Herbst 2008 im Zuge der grassierenden Finanzkrise auch herkömmliche Geldmarktfonds - einst als Hort der Stabilität geschätzt - in Schieflage gerieten und die Notenbanken stützend eingreifen mussten.
Gemessen an Mittelzuflüssen sei der Eonia-ETF der erfolgreichste ETF in Europa, sagt Thorsten Michalik von DB X-Trackers. Eonia steht für Euro Overnight Index Average und bezeichnet den gewichteten Durchschnitt der Zinssätze, zu dem sich Banken im Euro- Währungsgebiet über Nacht Geld ausleihen. Er wird von der Europäischen Zentralbank festgestellt und ist neben dem Dreimonatssatz Euribor einer der wichtigsten Geldmarktzinsen. Seit einem Jahr verharrt der Wert auf einem extrem niedrigen Niveau, zumeist zwischen 0,3 und 0,4 Prozent. Ausschläge Richtung 0,6 Prozent gab es nur an besonderen Tagen der Unsicherheit, zuletzt Mitte Mai.
Beim Eonia-ETF wird der tägliche Durchschnittszinssatz durch 360 geteilt und addiert. Daraus ergibt sich seine Performance, bereinigt um die jährliche Managementgebühr von 0,15 Prozent. Hinzu kommt der Unterschied zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs (Spread) von 0,01 Prozent. Nach Angaben der Deutschen Bank gelingt es durch den Kauf von Anleihen, den Eonia-Index nach Abzug der Kosten genau nachzubilden. Anders als bei herkömmlichen Geldmarktfonds ist aufgrund der Indexberechnung ein Kapitalverlust nahezu ausgeschlossen. Verluste würden nur entstehen, wenn es gleichzeitig zu einem Ausfall der zugrunde liegenden Investmentgrade-Anleihen-Fonds und einer Insolvenz der Deutschen Bank kommt. Wegen der hohen Nachfrage haben inzwischen alle großen Anbieter Geldmarkt-ETFs im Programm, so auch die Commerzbank mit Comstage. Sie positionierten sich damit gegen die Tagesgeldkonten der Direktbanken - wie die Performance zeigt allerdings mit wenig Erfolg.
Bei wieder anziehenden Inflationsraten sähen sich die Inhaber von Geldmarkt-ETFs mit realen Verlusten konfrontiert. Selbst der IWF hat inzwischen bereits ein Inflationsziel von vier Prozent vorgeschlagen. Kein Wunder, dass in diesem Umfeld etliche Experten Befürchtungen für die Preisstabilität hegen. Folker Hellmeyer etwa, Chefstratege der Bremer Landesbank, erwartet für das kommende Jahr in der Euro-Zone eine Inflationsrate von drei Prozent. Die Notenbanker aber werden sich hüten, die Zinsen zu stark nach oben zu schleusen. Angesichts dessen ist es fraglich, ob Eonia-ETFs der Weisheit letzter Schluss sind.







