08.06.2010
Am 15. September 2008 ging die US-Bank Lehman Brothers Pleite.
Am 15. September 2008 ging die US-Bank Lehman Brothers Pleite.
Foto: AP
Investor-Artikel

US-Pleitebank

Deutscher Privatanleger verklagt S&P wegen Lehman-Bonitätsnote

Notfalls will er durch alle Instanzen klagen: Der Totalverlust seiner Lehman-Zertifikate ärgert nicht nur einen deutschen Anleger. Er und andere wollen sich das verlorene Geld zumindest teilweise von den Ratingagenturen zurückholen.

Ein Privatanleger führt das bundesweit erste Gerichtsverfahren gegen die Ratingagentur Standard & Poor's wegen deren Bonitätsbewertung für die spätere Pleitebank Lehman Brothers. Der Kläger verlangt nach Verlusten mit Zertifikaten Schadensersatz.

Der Anleger hatte 2008 kurz vor dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman-Zertifikate im Wert von 30.000 Euro gekauft und sich dabei auf das "A+"-Rating von S&P verlassen, wie sein Anwalt Jens-Peter Gieschen am Montag sagte. "Auch private Anleger vertrauen bei ihren Entscheidungen auf die werbewirksamen Anpreisungen, wenn Emittenten oder Produkte mit guten Ratings versehen sind." Daher fordere er nun Schadensersatz von S&P.

Lehman ging im September 2008 pleite, wodurch die im August erworbenen Zertifikate des Klägers wertlos wurden. Der Zusammenbruch verschärfte die Krise an den Finanzmärkten. Da die Ratingagenturen aus Sicht vieler Politiker durch laxe Bonitätsbewertungen Mitschuld an der Finanzkrise tragen, arbeiten EU und die USA derzeit daran, sie stärker zu regulieren. Zudem haben europäische Politiker die Schaffung einer europäischen Konkurrenzagentur zu S&P, Moody's und Fitch ins Gespräch gebracht.

Auch gegen Moody's und Fitch soll geklagt werden

Zwischen Ratingagenturen und Privatanlegern besteht zwar in der Regel keine direkte Geschäftsverbindung. Die Agenturen seien dennoch zu belangen, da sie davon ausgehen mussten, dass sich Dritte auf ihr Urteil verlassen, so Gieschen. Er schätzt die Erfolgsaussichten der Klage zwar auf "deutlich unter 90 Prozent" ein, verweist aber darauf, dass die Rechtsschutzversicherung seines Mandanten die Kosten des Verfahrens trägt und es damit wohl nicht als substanzlos einschätzt. S&P lehnte eine Stellungnahme ab.

Die Klage wurde beim Landgericht Frankfurt eingereicht, da S&P in der Stadt eine Filiale hat. Der Kläger ist nach eigenen Angaben bereit, das Verfahren durch alle Instanzen und gegebenenfalls bis zum Europäischen Gerichtshof zu treiben. Sollte er Recht erhalten, dürften 400 weitere von Gieschen vertretene Anleger - die mit Lehman-Zertifikaten rund 8 Millionen Euro verloren haben - ebenfalls Schadensersatz anstreben. Zudem seien Klagen gegen Moody's und Fitch in Vorbereitung, so Gieschen.


Quelle: ftd.de
© 2010 capital.de

Was die Leser sagen

Bangster-Union
11.06.2010 | 20:44
S&P-Klage hat weniger als 50% Erfolgsaussichten!

Müßte man nicht eher den Hund zum Jagen treiben? Also der Zertifikat-vermittelnden Bank konkret die (auch gutgläubige) Nutzung eines falschen Ratings nachweisen.Die Bank könnte ja
dann gegen die Ratingagentur auf Schadenersatz klagen.
Eine direkte Klage wegen eines indirekt erlittenen Schadens
dürfte dagegen wenig Erfolgschancen haben, aber vor Gericht und hoher See...

(Kommentare 1-1 von 1)

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Quelle: FMH-Finanzberatung