Die Freude der Börsianer über die vermeintliche Rettung Griechenlands währte nur kurz. Der Insolvenzantrag des amerikanischen Finanzinvestors MF Global und die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung der Griechen über das
Euro-Rettungspaket sorgten zu Wochenbeginn für einen erneuten Stimmungswechsel. Für Derivateanleger, die auf eine bestimmte Zinsentwicklung spekulieren, keine leichte Situation.
Während es an den Aktienmärkten und beim Euro zu deutlichen Kursrückgängen kam, konnte der Bund-Future als Kursbarometer zehnjähriger deutscher Staatsanleihen wieder zulegen. Die schneller als erwartet zurückgekehrten Sorgen der Anleger führten zu einer Flucht in den vermeintlich sicheren Anleihehafen. Ein Trend, der so schon einige Jahre zu beobachten ist. Seit Mitte 2008 ist der Bund-Future von knapp 100 Punkten auf aktuell gut 137 Punkte gestiegen. Die sich immer gegenläufig entwickelnden Zehn-Jahres-Renditen deutscher Staatsanleihen sind dadurch auf weniger als zwei Prozent gefallen.
Ganz anders sieht es bei den Anleihen der meisten anderen Euro-Staaten aus. Dort sorgen die Ängste vor einem Staatsbankrott in Griechenland und einem Übergreifen der Krise auf weitere Länder für steigende Renditen und fallende Kurse der Anleihe-Indizes. Zwar wollen die obligatorischen Dauernörgler an den Börsen diese Entwicklung wieder Spekulanten in die Schuhe schieben, es handelt sich dabei aber um eine völlig logische Reaktion der Marktteilnehmer.
Die Anleihen der Krisenstaaten werden aufgrund der zunehmenden Unsicherheit verkauft, was zu fallenden Kursen und damit steigenden Renditen führt. Das erhöhte Risiko solcher Papiere spiegelt sich damit in ebenfalls höheren Renditechancen. So liegen die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Papieren schon wieder nahe ihres Jahreshochs. Wer den Italienern sein Geld für maximal zehn Jahre anvertraut, erhält aktuell eine jährliche Verzinsung von mehr als sechs Prozent - dreimal so viel wie für deutsche Staatspapiere.
Dass die Europäische Zentralbank zum offiziellen Amtsantritt ihres neuen (italienischen) Chefs Mario Draghi Gerüchten zufolge zum wiederholten Male Italien-Bonds erworben hat, dürfte wohl kaum an der Begeisterung für die hohen Zinsen liegen. Stattdessen versucht die Notenbank, die Renditen durch ihre Stützungskäufe wieder zu drücken, um eine weitere Zuspitzung der Krise zu vermeiden.









