05.02.2010
Mit zwei Geschädigten hat sich die Haspa bereits geeinigt.
Mit zwei Geschädigten hat sich die Haspa bereits geeinigt.
Foto: dpa-PA
Investor-Artikel

Schlechte Anlageberatung

100 Euro investiert - 2,62 Euro ausgezahlt

von Antonie Klotz und Markus Hinterberger

Die Verbraucherzentrale Hamburg erhebt schwere Vorwürfe gegen die Hamburger Sparkasse. Die Bank soll ihren Kunden ein riskantes Zertifikat als sichere Anlage verkauft haben. Parallelen zu Lehman-Papieren drängen sich auf.

Noch immer schwelen einige Lehman-Prozesse, da droht der Hamburger Sparkasse (Haspa) ein weiteres Scharmützel. Mehrere Anleger haben sich an die Verbraucherzentrale Hamburg gewendet. Der Grund: Eine als sicher angepriesene Anlage war quasi wertlos geworden. Erste Entschädigungen haben bereits stattgefunden, die Verbraucherschützer pochen auf eine Regelung, die für alle Betroffenen gilt.

Parallelen zur Situation bei den Lehman-Zertifikaten gibt es einige. Wieder soll die Bank mit dem Argument der Sicherheit geworben haben und wieder sollen Risiken unter den Tisch gekehrt worden sein. Bei dem Papier handelt es sich um ein Express-Zertifikat mit zehn verschiedenen Basiswerten aus dem Dax. Das "Stars Express Zertifikat auf einen Deutschen Dividendenbasket" (ISIN CH0029405294) emittierte die UBS am 19. März 2007 zu 100 Euro (zuzüglich ein Prozent Ausgabeaufschlag), als Laufzeitende war der 13.05.2011 festgelegt. Basiswerte waren die zum Emissionszeitpunkt als dividendenstark eingestuften Blue Chips BASF, DaimlerChysler, Deutsche Bank, Deutsche Post, Deutsche Telekom, E.ON, Hypo Real Estate, Münchener Rück, RWE und ThyssenKrupp.

Wie bei Expresszertifikaten üblich wird einmal jährlich die Wertentwicklung der Aktien überprüft. Liegt der Kurs aller Basiswerte über ihrem Startniveau, wird das Papier vorzeitig zurückgezahlt. Ist dies nicht der Fall, verlängert sich die Laufzeit automatisch um ein weiteres Jahr. Maximal hätten Anleger am Ende 164 Euro ausgezahlt bekommen.

Fallen die Kurse dagegen, wird am Laufzeitende die Wertentwicklung des schlechtesten Titels zurückgezahlt. Größter Verlierer unter den Basiswerten war Hypo Real Estate. Zwar war die Laufzeit beim Star Express Zertifikat noch nicht beendet, doch mit der kompletten Übernahme der Hypo Real Estate durch den Bund stand der Rückzahlungswert bereits fest. Daher beschloss die UBS den Anlegern den Restwert sofort auszuzahlen und nicht bis 2011 zu warten. "Die Kündigung der Zertifikate erfolgte in Übereinstimmung mit den Zertifikatsbedingungen", erklärt Marcel Langer, Derivateexperte der UBS. Ende Oktober überwies die Emittentin den Anlegern den Restwert von 2,62 Euro.

"Kein Wort der Erklärung oder des Bedauerns über diesen völlig unerwarteten und dramatischen Verlust. Erst auf Nachfragen wurde ein Stapel Papier zur Verfügung gestellt, der die Emissionsbedingungen enthielt" sagt Gabriele Schmitz von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die UBS kann sich wahrscheinlich schadlos halten: Die Regeln sind schwarz auf weiß dokumentiert und sowohl die Bedingungen in Kurzform als auch der Verkaufsprospekt sind auf Internetseite der UBS zu finden. Auch die vorzeitige Rückzahlung ist nicht zu beanstanden. Die UBS hätte gemäß den Emissionsbedingungen auch noch bis 2011 damit warten können. Dann hätten die Kunden allerdings auch nicht mehr Geld bekommen.

Die Verbraucherzentrale kritisiert, dass die Berater nicht auf die Risiken der Anlage hingewiesen hätten. Die Betroffenen sollen in der Regel erfahrener sein, als die klassischen Lehman-Anleger, bei denen es sich meist um Rentner handelte, die bislang nur in Festgelder investiert hatten. Für Edda Castelló von der Verbraucherzentrale ist dies aber nicht der springende Punkt, da den Anlegern eine Sicherheit versprochen wurde, die es gar nicht gegeben habe.

Zwar mussten in der Finanzkrise auch Aktienanleger hohe Verluste einstecken, doch Zertifikate, bei denen die Höhe der Rückzahlung von der Wertentwicklung des schlechtesten Titels in einem Aktienkorb abhängt, sind riskanter als Papiere auf einen einzelnen Basiswert. Hier bleibt zu klären ob die Berater der Haspa Fehler gemacht haben. Laut Verbraucherzentrale hat sich Bank bereits mit zwei Geschädigten geeinigt. Die Anleger bekommen 50 Prozent ihres Schadens ersetzt. Die Verbraucherzentrale fordert von der Haspa eine Entschädigung für alle Kunden.


Quelle: boerseonline
© 2010 capital.de

Was die Leser sagen

bigmike
05.02.2010 | 13:24
Anlageberatung

Ich glaube, dass das Thema "Anlegerschutz" von Politik und Rechtsprechung von der falschen Seite angegangen wird, weil unterstellt wird, jeder Anlageberater würde auf Teufel komm raus jedem Kunden alles vermitteln, nur um Provison zu kassieren. Dies ist nicht der Alltag. Warum fängt man nicht bei den Emissionshäusern an und unterstellt sie der Finanzaufsicht? Wozu leisten wir uns eine BaFin, die wie ein "zahnloser Tiger" agiert und mit dazu beiträgt, dass eine Scheinsicherheit suggeriert wird, weil die Prospekte ja "BaFin-geprüft" sind? Warum muss sich der Vermittler um Plausibilitätsprüfungen kümmern müssen - was er bei rund 9000 Produkten im geschlossenen Fondsbereich - gar nicht leisten kann und was selbst anerkannten Experten wie Wirtschaftsprüfern schwer fällt. Selbst ein IDW S4-Gutachten, das auch Geld kostet, bietet keine Sicherheit für den Anleger und auch nicht für den Berater. Der Berater muss trotzdem die Plausibilitätsprüfung vornehmen. Wozu dann das Gutachten? Ich finde, man sollte hier ansetzen und die Verantwortung dort hinschieben, wo mit dem Geld gearbeitet wird und wo es im ungünstigsten Fall auch "verbrannt" wird und nicht den Vermittler für Dinge haftbar machen, die er gar nicht zu verantworten hat und deutliche Risikohinweise in den Prospekten vorschreiben, die niemand "überlesen" kann - wie auf Zigarettenpackungen z.B. Der Anleger muss wissen, das alles, was er mit seinem Geld ausserhalb seines "Sparbuchs" macht eben nichts mit einem Sparbuch zu tun hat und damit deutlich höheren Risiken unterliegt. Wer dennoch Geld ausserhalb seines "Sparbuchs" anlegt, muss dafür selbst haften und nicht versuchen, andere dafür haftbar zu machen. Bei Bankprodukten ist es sicher hilfreich, die Haftung der bankeigenen "Berater" zu erhöhen, da hier ein besonderer Vertrauensbonus der Bank in Anspruch genommen, weil normale Kunden glauben, das das, was von der Bank kommt oder von ihr empfohlen wird, schon nichts Schlectes sein kann.

(Kommentare 1-1 von 1)

Ihre Meinung

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird nicht veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar



 
Capital - Suche
 
Alle Zinsen auf einen Blick
Wo Sie günstig finanzieren können und welche Anbieter Sparern die höchsten Renditen bieten.
ProduktMittel-
wert
Spanne
Baugeld (10 Jahre fest)2,79%2,53-4,90%
Tagesgeld (5.000 Euro)1,44%0,19-3,00%
Festgeld (12 Monate)1,51%0,50-3,00%
Sparbriefe (4 Jahre)1,65%0,45-3,25%
Girokonto (Dispo)11,03%5,50-13,81%
Ratenkredite (36 Monate)6,82%4,33-11,99%
Quelle: FMH-Finanzberatung