Sechs turbulente Handelswochen ist das Börsenjahr mittlerweile alt. Eine Erwartung an 2010 ist bislang nicht aufgegangen: Hatten Analysten bei den Aktienmärkten keine großen Sprünge erwartet, waren sie für den Rohstoffsektor reihum optimistisch gewesen. Öl sah so mancher Experte über 100 Dollar je Barrel (159 Liter) klettern, bei Industriemetallen sollten Gewinne von 20 Prozent und mehr möglich sein, und auch Gold, Silber und Platin trauten die Experten satte Wertsteigerungen zu.
Doch es kam anders: Alle Rohstoffsektoren verzeichneten in den ersten Wochen des Jahres Verluste. "Obwohl sich die spezifischen Fundamentaldaten über viele Märkte hinweg verbessern, scheinen sich Rohstoffe kurzfristig nicht von den allgemeinen Befürchtungen abkoppeln zu können", hat Sudakshina Unnikrishnan beobachtet, Analystin bei Barclays Capital. Wie stark die Naturwaren an der Entwicklung anderer Märkte hängen, zeigt der Ölpreis: 2009 hatte sich der Energieträger im Gleichklang mit den Aktienmärkten deutlich erholt. Doch wie beim Dax stockt der Aufwärtstrend inzwischen.
Dreh- und Angelpunkt ist China. Die Volksrepublik fürchtet eine Überhitzung und zügelt die Kreditvergabe. Am Kapitalmarkt wächst die Sorge, Chinas immenser Rohstoffhunger könnte nachlassen. Auf den Kursen lastet außerdem die Angst, die Haushalte der südlichen Euro-Staaten wie Griechenland könnten außer Kontrolle geraten.
Morgan Stanley hält die Sorgen für übertrieben und sieht im schwachen Jahresauftakt eine Kaufgelegenheit. "Buy the Sell-off", lautet der Titel einer aktuellen Rohstoffanalyse der US-Großbank. Die Experten verweisen auf den Lehman-Kollaps im Herbst 2008. In der Woche nach der Pleite der US-Investmentbank sei der Rohstoffindex GSCI um zwölf Prozent gestiegen. "Heute ist die Weltwirtschaft in einer viel besseren Verfassung", ergänzen die Analysten.
Dazu kommt ein weiteres Argument, das für längerfristige Engagements spricht: Die Vorräte gehen zur Neige, während immer mehr Menschen aus den Schwellenländern am globalen Wirtschaftstreiben teilhaben. Das gilt mehr oder weniger für alle Rohstoffe. Mit Zertifikaten auf breite Indizes wie den Rici Enhanced oder den UBS Bloomberg CMCI holen sich Anleger das ganze Spektrum ins Depot.
Besonders gut abzulesen sind die sich ändernden Kräfteverhältnisse am Öl. Laut Zahlen von
Goldman Sachs lieferte Saudi-Arabien im Januar täglich fast 1,2 Millionen Barrel an China - doppelt so viel wie noch vor drei Jahren. Damit löste die Volksrepublik die USA als wichtigster Kunde der Saudis ab.







