Wie sich ein Rohstoffinvestment entwickelt, hängt an Chinas Konjunktur, der Entdeckung neuer Ölfelder oder der zerstörerischen Kraft von Wirbelstürmen. Mag sein. Den entscheidenden Ausschlag gab in der Vergangenheit aber eine ganz andere Größe: die Rendite kurzlaufender amerikanischer Staatsanleihen. Privatanleger sind darum gut beraten, ihre Erwartung an Rohstoffinvestments nicht an der Wertentwicklung der vergangenen Jahrzehnte festzumachen.
Die Milliarden, die Anleger an den Rohstoffmarkt pumpen, fließen in aller Regel in Terminkontrakte, schließlich wollen die wenigsten Investoren Schweinebäuche oder Ölfässer lagern. Beim Kauf eines Futures muss nur ein kleiner Teil des Geldes tatsächlich als Sicherheit hinterlegt werden. Der Rest kann Zinsen erwirtschaften - und hat das in der Vergangenheit auch getan. Das bekannteste Rohstoffbarometer, der S&P Goldman Sachs Commodity Index (GSCI), hat seit 1970 jährlich 9,9 Prozent zugelegt. Davon stammen 6,2 Prozent, also fast zwei Drittel des Gesamtertrages, aus Zinserträgen.
"In der Wirtschaftsgeschichte gab es lange Perioden, in denen der Zinsertrag einen großen Teil der Gesamtrenditen ausmachte", schreibt Eliane Tanner, Rohstoffanalystin von Credit Suisse, in ihrer jüngsten Studie. Dass diese Komponente mitunter über Erfolg und Misserfolg entscheidet, zeigt eine Auswertung verschiedener GSCI-Varianten über die vergangenen vier Jahrzehnte. Die einfachste Methode, den GSCI zu berechnen, ist der Spot-Index. Er gibt an, wie sich die Preise der nächsten fälligen Terminkontrakte entwickeln. Eins zu eins abbilden können Investoren den Spot-Index allerdings nicht, denn sie müssen regelmäßig fällige Futures verkaufen und mit dem Erlös Kontrakte längerer Laufzeit erwerben. Dieses "Rollen" sorgt für Gewinne, wenn der länger laufende Kontrakt günstiger ist als der fällige. In den vergangenen Jahren waren dagegen meistens Rollverluste angesagt, weil die später fälligen Futures teurer waren als die aktuellen. Diese Effekte fließen in die Berechnung des GSCI Excess Return ein. Der GSCI Total Return berücksichtigt daneben auch die Zinsen der hinterlegten Papiere - beim GSCI sind das dreimonatige Schatzwechsel der US-Regierung.
Rollgewinne als künftiger Ertragsbringer
In den 90er-Jahren verbuchte der Spot-Index ein Minus von 0,6 Prozent im Jahr. Dazu kamen kleine Rollverluste, der Excess-Return-Index verlor darum 1,2 Prozent. Trotzdem warfen Rohstoffinvestments gemessen am GSCI Total Return jährlich ein Plus von 3,9 Prozent im Jahr ab - dank der hohen Zinsen kurzlaufender US-Staatsanleihen. In den 80er-Jahren hoben die Kupons des amerikanischen Fiskus die Rohstoffrendite sogar von 1,0 auf 10,7 Prozent. Diese hohen Zinsen gehören freilich längst der Vergangenheit an: Derzeit werfen dreimonatige US-Papiere gerade mal 0,2 Prozent ab. An den hohen Erträgen aus der Vergangenheit sollten sich Anleger daher nicht orientieren.
"Historische Vergleiche sind ohnehin immer schwierig", sagt Sven Streitmayer, der als Rohstoffanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg arbeitet. "Außerdem bedeuten die niedrigen Zinsen nicht, dass Rohstoffinvestments unattraktiv geworden sind. Wir rechnen zum Beispiel damit, dass Anleger in den kommenden Jahren wieder Rollgewinne verbuchen können. Das dürfte ein wichtiger Ertragsbringer werden."
Eine Rolle spielt die Zinskomponente auch bei vielen Rohstoffzertifikaten. Garantie-, Discount- oder Bonuspapiere beziehen sich in den meisten Fällen auf den Excess-Return-Index. Der Zinsertrag bleibt beim Anbieter und hilft ihm, die Garantie oder den Sicherheitspuffer zu finanzieren. In Zeiten mickriger Zinsen keine leichte Aufgabe. "Glücklicherweise sind derzeit die Optionen, die zur Konstruktion der Zertifikate nötig sind, relativ günstig", sagt Jochen Fischer, Leiter Investmentstrategie Derivate bei Goldman Sachs in Frankfurt. "Darum können wir Garantiepapiere anbieten, mit denen Anleger bis zu einer Obergrenze eins zu eins an Gewinnen teilhaben - trotz der niedrigen Zinsen."
Quelle: ftd
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