Wir werden schon in wenigen Wochen in einer eskalierenden Situation über eine neue Rolle der EZB reden, die Geld druckt und Schulden kauft. Aber: Geld zu drucken ist letztendlich eine Kapitalerhöhung des Euros. Es schwächt den Wert der Währung und enteignet Vermögen. Wenn die EZB Geld drucken würde und dieses gemäß der Anteile (1/3 Deutschland) gerecht an alle Euroländer weitergeben würde, könnte man damit leben, denn Deutschland könnte damit z.B. Staatsschulden tilgen und Binnenkonjunktur anregen. Ein alleiniges Verteilen des Geldes an Krisenstaaten wirft dagegen die Frage auf: Wollen wir uns diese EU noch leisten? Was um alles in der Welt haben wir von einer Veranstaltung, die unser Vermögen und unsere Zukunft verfrühstückt?
Suite 404 eines Frankfurter Edelhotels. Herbstsonne im Fenster, am großen Holztisch Jim Rogers. Um ihn herum Getränkeflaschen und Kaffeebecher. Im Gespräch wischt er sich matt über die Augen. Rogers ist auf Werbetour – für Rohstoffzertifikate.
Herr Rogers, nach der Finanzkrise rutscht die Welt in eine Staatsschuldenkrise. Sind Sie überrascht?
Nein, überhaupt nicht. In den USA haben wir mit Ben Bernanke den schlechtesten Notenbanker überhaupt. Wir gaben ihm die Notenpresse in die Hand, und nun druckt er Geld. Wir bezahlen bereits einen hohen Preis, und wir werden einen noch höheren zahlen müssen.
Was ist der Preis?
Inflation, scheiternde Regierungen, Staatspleiten. Wir verschieben die Probleme in die Zukunft. Die Bilanz der US-Notenbank Fed ist aufgebläht – mit Müll. Das löst nicht unsere Probleme.
Und wie steht es um Europa?
Europa ist noch etwas besser dran. Was mich überrascht: Der Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank hätte früher niemals die Zustimmung Deutschlands gefunden. Die gesamte Nation wäre in den Grundfesten erschüttert gewesen. Aber was machen Europas Regierungen heute? Sie sagen zu guten Deutschen, Finnen oder Holländern: Zahlt für die Banken. Zahlt für ein paar Leute, die am Strand liegen und Ouzo trinken.
Was raten Sie in dieser Lage den Anlegern?
Ich selbst stehe lieber auf der Seite der Gläubiger wie China anstatt auf der Seite der Schuldner wie den USA – auch wenn China sicher ebenfalls Probleme hat. Zudem halte ich gern reale Werte in der Hand: Rohstoffe. Die Ressourcen sind knapp. Der Bedarf wächst, besonders bei Agrargütern.
Aber beim Börsencrash 2008 und auch beim jüngsten Kurseinbruch rauschten die Rohstoffnotierungen im Einklang mit den Aktienkursen in den Keller.
Sicher litten auch die Grundgüterpreise zusammen mit den Aktien. Aber das waren nur fünf Monate im Krisenjahr 2008. Seit dem Frühjahr 1999 stecken Rohstoffe in einem langfristigen Bullenmarkt. Der US-Aktienindex S&P 500 erzielte seither keine Gewinne. Grundgüter notieren dagegen mit 450 Prozent im Plus, gemessen an dem von mir entwickelten RICI-Index.
Bevorzugen Sie bestimmte Rohstoffe?
Ich besitze sie alle. Sollte aber unsere Wirtschaftsordnung zusammenbrechen, ist es sicher kein Fehler, ein paar Gold- und Silbermünzen in der Tasche zu haben. Außerdem feuert das Wachstum in den Schwellenländern wie China den Bedarf nach Industriemetallen an. Der Ausbau der Produktionskapazitäten kommt da nicht mit. Minenchefs in Australien klagen etwa, dass sie nicht genug Ingenieure finden. Schließlich spiegeln die Preise von Agrarrohstoffen lange noch nicht die wachsende Differenz zwischen Angebot und Nachfrage wider. Ich habe etwa auch Farmland gekauft.
Immer mehr Stimmen sehen Investments in Agrargüter aber kritisch. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy fordert gar ein Verbot der Spekulation mit Nahrungsmitteln.
Die Preise von Agrarrohstoffen steigen, weil dringend Investitionen in die Produktion notwendig sind. Daher ist es doch nur gut, wenn Geld in diesen Bereich fließt. Alle wollen billige Nahrung, aber wo soll die herkommen? Herr Sarkozy sollte mal einen Tag lang mit seinen eigenen Händen auf dem Feld arbeiten – zwölf Stunden am Tag in der prallen Sonne, damit wir alle billige Lebensmittel bekommen. Australische und US-Farmer sind im Schnitt 58 Jahre alt, japanische Bauern 66 Jahre. Wer soll da künftig die Felder bestellen? Am besten werden Sie selbst Landwirt.
Jim Rogers gründete 1970 mit George Soros den Hedge-Fonds Quantum Funds. Ende der 90er-Jahre sagte er eine Rally am Rohstoffmarkt voraus und lancierte den Rogers International Commodity Index (RICI). Der US-Amerikaner lebt heute in Singapur. |
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Quelle: boerseonline
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