Beim Stopp an der Tankstelle bekommt manch einer eine Vorstellung davon, wie volatil, sprich schwankungsanfällig, Rohstoffmärkte sein können. In letzter Zeit fällt auf, dass die Preise für Diesel oder Super-Kraftstoff innerhalb von 24 Stunden teilweise um 10 Cent schwanken. Eine Veränderung von immerhin satten sieben Prozent.
Ähnlich geht es bei den beiden wichtigsten Sorten am Ölmarkt, Brent und WTI, zu. Waren vor einigen Jahren schon Differenzen von 2 oder 3 Dollar im Monat eine Meldung wert, sind heute Veränderungen von 10 Dollar in die eine oder anderen Richtung binnen einer Woche keine Seltenheit mehr.
Für Anleger, die mit Volatilität umgehen können und eine klare Preiserwartung haben, bietet die Société Générale neue Stay-High- und Stay-Low-Optionsscheine an. Mit diesen Papieren können sie darauf setzen, dass der Ölpreis bestimmte Schwellen nicht über- oder unterschreitet.
Die Funktionsweise dieser sogenannten digitalen Optionsscheine ist relativ einfach. Ein Beispiel: Ein Stay-High-Optionsschein auf den Basiswert Brent mit einer Knock-out-Schwelle bei 60 Dollar und einer Laufzeit bis Oktober 2010 kostet aktuell 9,11 Euro. Bleibt Brent während der gesamten Laufzeit immer oberhalb der Marke von 60 Dollar, erhalten Anleger am Laufzeitende exakt 10 Euro. Dabei ist es unerheblich, wie weit der Ölpreis oberhalb der kritischen Schwelle liegt. Wird die Marke jedoch nur einmal während der Laufzeit berührt oder gar unterschritten, steht der Totalverlust ins Haus. Die Rückzahlung beträgt dann nur noch steuerlich relevante 0,001 Euro.

Stay-Low-Scheine auf Brent funktionieren genau spiegelverkehrt. Hier darf die vorher festgelegte Schwelle niemals überschritten werden. Bleibt der Basiswert jedoch immer über dem kritischen Niveau, so gibt es auch hier 10 Euro zurück.
Wichtig für den Kaufzeitpunkt ist bei diesen Scheinen neben der Restlaufzeit und der Entfernung von der Knock-out-Schwelle vor allem die Volatilität. Diese war bei Brent Oil etwas eingeschlafen, als der Rohstoff zwischen Mitte Mai und Mitte Juni in einer engen Spanne von rund 70 und 74 Dollar pendelte. Nun ist der Ausbruch Richtung 80 Dollar gelungen.
Kommt es zu einem Rücksetzer - etwa bei schlechten Wirtschaftsdaten - dürfte dies die Volatilität wieder anschieben und Optionsscheinkäufern in die Karten spielen. Denn je höher die Volatilität, desto günstiger der Schein. Das unterscheidet diese Papiere von klassischen Optionsscheinen, für die gilt: je höher die Volatilität, desto teurer Call oder Put. Als Faustformel gilt daher: Zeigt sich ein Basiswert ausgesprochen schwankungsfreudig, kann der Kauf eines Stay-High- oder Stay-Low-Optionsscheins lohnen. Denn damit spekulieren Anleger auf eine Marktberuhigung.
Quelle: ftd
© 2010 capital.de






