Die große Preisdifferenz der vergangenen Monate zwischen der US-Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) und der Nordseesorte
Brent dürfte bald Geschichte sein. Der Grund: Ein Teil des WTI-Öls wird ab 2012 nicht mehr zum größten Umschlagplatz im Landesinneren der USA, sondern in umgekehrte Richtung zum Golf von Mexiko transportiert werden - und damit näher zu den Abnehmern. Die Fließrichtung einer Pipeline wird gedreht.
Die Aussicht auf eine verbesserte Liefersituation des US-Öls ließ die Differenz zwischen den beiden Sorten am Donnerstag auf weniger als 8 Dollar je Fass (159 Liter) schrumpfen. Im Oktober hatte sie mit 28 Dollar einen Rekord erreicht. Jahrelang üblich waren 1 bis 2 Dollar.
Seit die Preise der beiden Sorten auseinanderlaufen, gehören Spekulationen auf eine baldige Verengung der Preisdifferenzen zu den heißesten und populärsten Wetten im Rohstoffmarkt. Der Hauptgrund für den großen Unterschied ist, dass der Preis von WTI stark durch die Situation im wichtigen Umschlagplatz Cushing bestimmt, einem 8000-Einwohner-Dorf im US-Bundesstaat Oklahoma.
Dort enden viele Pipelines, in den dortigen Öltanks lagert ein großer Teil der amerikanischen Ölvorräte. Die Lager sind aber übervoll, was den Preis stark gedrückt hat. Gebraucht wird das Öl aber am Meer, wo es in die Boomregion Asien verschifft werden kann. Entgegen der meisten Prognosen änderte sich jedoch weder an den ungleichen Ölverteilung noch an der Preisdifferenz viel.
Am Mittwoch hatte die kanadische Firma Enbridge angekündigt, die Fließrichtung einer Pipeline zu drehen: Sie soll nun Öl von Cushing Richtung Golf von Mexiko pumpen. In der Folge sank der Preisabschlag von WTI zu Brent erstmals seit März - und zwar um 4 Dollar binnen nur zehn Minuten.








