In einem offenen Brief an den Insolvenzverwalter der niederländischen Tochter Lehman Brothers Treasury (LBT) fordert sie ihn auf, dafür zu sorgen, dass deutsche Gläubiger bestmöglich bedient werden.
Nach dem Willen des US-Insolvenzverwalters sollen Gläubiger der LBT auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten. Dies würde auch die Inhaber von Lehman-Zertifikaten treffen, da sie meist von der LBT ausgegeben wurden. "Rund 50.000 Zertifikate-Inhaber in Deutschland haben mit Lehman-Papieren fast einen Totalverlust erlitten. Es ist nicht hinnehmbar, dass sie nun im Insolvenzverfahren ein zweites Mal über den Tisch gezogen werden", sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker.
Die Investmentbank Lehman Brothers war im September 2008 zusammengebrochen, nachdem sie sich mit verbrieften US-Hypothekenkrediten verspekuliert hatte. Durch die Pleite verfielen auch die von Lehman ausgegebenen Zertifikate fast wertlos. Bei den Produkten handelt es sich um Inhaberschuldverschreibungen, die im Falle einer Insolvenz nicht geschützt sind. Schätzungen zufolge habe allein deutsche Privatanleger bis zu 1 Milliarden Euro eingebüßt. Ihnen bleibt nur die Hoffnung, einen Teil der Summe aus der Insolvenzmasse zurückzubekommen.
Ein Forderungsverzicht ist für die DSW daher nicht akzeptabel. "Die Kürzung ist weder rechtlich noch moralisch haltbar und rein willkürlich festgesetzt", so Hocker. Sollte der Plan umgesetzt werden, werde die DSW weitere Schritte prüfen, um die Kürzung zu stoppen, so Hocker. Auch in den Niederlanden gibt es Widerstand. Eine Gruppe von 100 Investoren, die LBT-Anleihen im Wert von 1 Milliarden Euro gekauft hatten, verlangt ebenfalls eine Rücknahme der Kürzungspläne.
Doch selbst bei einem Erfolg dürfte ihre Entschädigung nicht hoch ausfallen. Weltweit haben Gläubiger Ansprüche von rund 1000 Milliarden Dollar angemeldet. Nach Schätzungen des Insolvenzverwalters könnten in den nächsten fünf Jahren Vermögenswerte von 40 bis 50 Milliarden Dollar gesichert werden.
Quelle: ftd
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