30.07.2010
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Zockerpapiere für Spießer: Anleger sollten den Bezeichnungen der Anbieter nicht blind vertrauen
Zockerpapiere für Spießer: Anleger sollten den Bezeichnungen der Anbieter nicht blind vertrauen
Foto: FTD/Christina Bretschneider
Investor-Artikel

Etikettenschwindel

Emittenten nennen Zertifikate nun Anleihen

von Gian Hessami

Begriffe wie Anleihe, Kupon oder Protect suggerieren Sicherheit. Je nachdem, wie die Märkte laufen, kann es jedoch auch bei solchen Zertifikaten zu hohen Verlusten kommen.

Deutschlands Privatanleger lieben Sicherheit. Zwei Drittel der in Zertifikaten angelegten Gelder haben sie in kapitalgeschützte Produkte gesteckt - rund 67 Milliarden Euro. Mit klassischen Kapitalschutzpapieren wie Garantiezertifikaten können die Emittenten derzeit allerdings kaum Renditen bieten, die Anleger als attraktiv wahrnehmen würden. Doch die erfindungsreiche Branche hat einen Ausweg gefunden: Die Anbieter offerieren Papiere, die hohe jährliche Kuponzahlungen versprechen. Der Haken: Ob die Papiere tatsächlich Rendite bringen, hängt letztlich von der Entwicklung des unterlegten Basiswerts ab. Und: Das Kapital ist nur teilweise geschützt.

Den Zertifikatehäusern macht der niedrige Kapitalmarktzins zu schaffen. Bei klassischen Garantiezertifikaten fließt das meiste Geld in eine Nullkupon-Anleihe, die dem Anleger zum Laufzeitende die Rückzahlung seines investierten Kapitals absichert. Mit dem Rest kann der Emittent Optionen erwerben, die für eine Partizipation an steigenden Aktien- oder Rohstoffkursen sorgen. Weil die Nullkupon-Anleihe derzeit aber nur eine magere Rendite abwirft, bleibt kaum Geld für die Wette auf eine Rally an der Börse übrig. Dementsprechend sehen Kapitalschutzprodukte dieser Bauart, so sie überhaupt noch an den Markt kommen, entsprechend unattraktiv aus.

Als Alternative rücken Produkte in den Blick, die zwar hohe Zinsen versprechen, dafür aber keinen Kapitalschutz bieten. Ein Beispiel: Die HypoVereinsbank (HVB) legte kürzlich die Indexanleihe Protect auf den Euro Stoxx 50 auf, die einen jährlichen Kupon von fünf Prozent zahlt. Den Nennwert erhalten Anleger aber erst dann zurück, wenn der Index zum Laufzeitende am 15. Juli 2013 auf oder über 50 Prozent seines Startwerts von 2645,6 Punkten notiert. Sollte der Index bis dahin mehr als die Hälfte verloren haben, also unter 1322,8 Zähler rutschen, nehmen Anleger entsprechend der Indexentwicklung eins zu eins an Verlusten teil. Das Papier entspricht in seiner Konstruktion einer Aktienanleihe, nur dass es sich auf einen Index und nicht eine Aktie bezieht und einen vergleichsweise großen Sicherheitspuffer aufweist.

Das HVB-Papier kommt nur für Anleger infrage, die davon überzeugt sind, dass der Euro Stoxx 50 in den kommenden drei Jahren nicht zu stark abrutscht. 50 Prozent Puffer klingen komfortabel, reichen aber keineswegs immer aus: Von Juli 2007 bis März 2009 verlor der Index gut 60 Prozent seines Wertes.

"Fünf Prozent pro Jahr sind beim derzeitigen Zinsniveau keine schlechte Renditeaussicht. Wichtig ist aber auch, dass Anleger die Funktionsweise des Papiers begreifen und eine Marktmeinung haben", sagt Sasa Perovic, Leiter der Zertifikateanalyse bei der Berliner Ratingagentur Scope Analysis.


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Quelle: FMH-Finanzberatung