Helmut Kohl regiert als Kanzler, Miguel Indurain siegt bei der Tour de France, Steffi Graf triumphiert in Wimbledon, Oskar Lafontaine gewinnt die Kampfabstimmung um den SPD-Vorsitz gegen Rudolf Scharping. Ereignisse, die scheinbar ewig zurückliegen und zeigen, wie lang es her ist, dass am deutschen Derivatemarkt Discountzertifikate eingeführt wurden. Vor 15 Jahren wagte sich HSBC Trinkaus mit dem Produkt vor und überlegte gar, den Begriff rechtlich schützen zu lassen. Damals eine abwegige Idee, die schnell verworfen wurde. Heute wäre das ein Volltreffer. Denn inzwischen gehören Discounter für Zertifikatekäufer einfach in ein gut strukturiertes Depot.
Begonnen hat die Geschichte des Produkts, mit dem Anleger das Risiko in einem Basiswert reduzieren können, also 1995. "Discounter waren das erste Investmentprodukt, das eine professionelle Strategie für Privatanleger einfach zugänglich gemacht hat", sagt Dirk Heß vom Emittenten Citigroup. Doch wann eignen sich die Teilschutzpapiere? Im Prinzip funktionieren sie sehr gut, wenn Märkte stagnieren, leicht fallen oder leicht aufwärts tendieren. Die verschiedenen Ausstattungsmerkmale erlauben aber, das Chance-Risiko-Verhältnis selbst zu steuern.
"Nach wie vor sehr beliebt sind sogenannte Deep-Discounter, deren Höchstbetrag weit unterhalb des aktuellen Basiswertkurses liegt", sagt Mathias Schölzel von der Deutschen Bank: "Die Wahrscheinlichkeit der Auszahlung des Maximalbetrags ist stark erhöht, da der Basiswert sogar noch bis zum Höchstbetrag sinken kann, und Anleger dennoch die Chance auf Auszahlung des Maximalbetrags wahren." Ein Beispiel: Beim Dax-Stand von 6000 Punkten entscheidet sich ein Anleger für ein Discountzertifikat auf den Dax mit Laufzeit bis Juni 2012 und einer Obergrenze, dem Cap, bei 4500 Zählern. Um die maximale Rendite von 10,9 Prozent zu erzielen, darf der Dax am Laufzeitende nicht unter 4500 Punkten notieren. Da das Papier 40,57 Euro kostet und Anleger so einen Discount zum Dax-Stand von 35 Prozent erhalten, darf der Index sogar um jene 35 Prozent fallen, ehe das Investment mit einem Minus abschließt.
Da es sich beim Discounter um ein strukturiertes Produkt handelt, spielt neben der Bewegung des Basiswerts noch eine weitere Komponente eine Rolle bei der Preisfindung, die Volatilität. Discounter bestehen aus einem Call-Optionsschein mit dem Basiswert Null sowie aus einer Call-Option mit Basispreis in Höhe des Caps, die jedoch verkauft wird. Der Anleger ist diese Option also short, wie es heißt. Aus dem Verkauf der Call-Option ergibt sich somit eine Prämie, nach der sich der Preisabschlag des Zertifikats richtet. Steigt die Volatilität im Basiswert deutlich an, wird die Option mehr wert. Das ermöglicht einen höheren Abschlag beim Discounter und bessere Konditionen für Anleger. Ähnliche Einflüsse sind bei Capped-Bonuspapieren zu beobachten, was die Produktarten in Zeiten hoher Volatilität in eine Art Wettbewerb um die besten Konditionen stellt.









