Bonuszertifikate werden gelegentlich als die Alleskönner unter den Zertifikaten bezeichnet. Vor fallenden Kursen schützt ein Sicherheitspuffer, in Seitwärtsmärkten winkt eine Bonusrendite, und an steigenden Kursen des Basiswerts nehmen sie - sofern es keine Obergrenze (Cap) gibt - eins zu eins teil. Und sollte die Kursschwelle doch verletzt werden, dann - so ein weiteres Argument - sei das Risiko nicht höher als bei einer Direktinvestition, da das Zertifikat ja am Laufzeitende zum Kurs des Basiswerts zurückgezahlt werde.
Letzte Behauptung ist allerdings nur unter Vorbehalt richtig. Denn häufig gehen Käufer von Bonuszertifikaten sehr wohl ein überproportionales Verlustrisiko ein. Nämlich dann, wenn das Papier mit einem Aufgeld notiert. Das Aufgeld ist der Betrag, um den das Zertifikat über dem Basiswertkurs gehandelt wird. Ein Beispiel: Ein von der Deutschen Bank im Mai emittiertes Bonuszertifikat verfügt über einen Sicherheitspuffer von 30,4 Prozent sowie eine annualisierte Bonusrendite von 17,9 Prozent (ISIN DE000DB4WGJ7). Das hört sich sehr ordentlich an. Allerdings beinhaltet das noch bis zum Juni 2010 laufende Produkt ein Aufgeld von rund 21,5 Prozent. Um diesen Wert liegt der Briefkurs des Bonuszertifikats (11,35 Euro) über dem aktuellen Kurs der T-Aktie (9,34 Euro) .
Zunächst ist dies kein Nachteil. Sollte es jedoch zu einem Barrierebruch kommen, können überproportionale Verluste die Folge sein. Angenommen, die T-Aktie stürzt in den kommenden Monaten unter die Kursschwelle bei 6,50 Euro und notiert am Bewertungstag zum Laufzeitende im Juni nächsten Jahres lediglich bei 6 Euro. Zu diesem Kurs wird abgerechnet. Während die Aktie um 35,8 Prozent unter das aktuelle Niveau gefallen ist, hätte der Käufer des Zertifikats einen deutlich höheren Verlust von rund 47 Prozent zu beklagen. Denn er ist ja nicht zu 9,34 Euro, sondern zu 11,35 Euro eingestiegen. Selbst, wenn sich die Aktie der Deutschen Telekom nach dem Schwellenbruch bis zum Laufzeitende wieder auf das ursprüngliche Kursniveau bei 9,34 Euro erholen sollte, säße der Zertifikateanleger im Gegensatz zum Käufer der Aktie noch auf einem Verlust von minus 17,7 Prozent.
Ein Aufgeld kann sich im Zeitverlauf aufbauen, etwa wenn bei einem stagnierenden Basispreis die Wahrscheinlichkeit auf die Bonuszahlung zunimmt und sich dies in einem steigenden Zertifikatepreis niederschlägt. Björn Döhrer, Zertifikateexperte und Partner bei der European Derivatives Group (EDG), nennt noch einen weiteren Punkt: "Ob ein Bonusprodukt ein Aufgeld beinhaltet oder nicht, hängt stark von dessen Ausstattungsmerkmalen ab." Neben der Laufzeit, der Höhe der Barriere und des Bonuslevels spiele hierbei auch die erwartete Dividende des Basiswerts eine große Rolle. Die Dividenden werden bekanntlich zur Finanzierung des Bonusmechanismus verwendet. "Gerade in Zeiten geringer Ausschüttungen", so Döhrer, "können tiefe Barrieren, die eine vernünftige Absicherung gegen Kursverluste des Basiswerts ermöglichen, nur über Aufgelder abgebildet werden."









