03.03.2010
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Abghängt: Zertifikateanleger waren beim letzten Kursanstieg nicht dabei.
Abghängt: Zertifikateanleger waren beim letzten Kursanstieg nicht dabei.
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Investor-Artikel

Discountzertifikate

Anleger verpassen die Rally

von Bernd Mikosch

Sicherheit statt Rendite: Viele Zertifikate mit Risikopuffer schnitten in der letzten Hausse schlechter ab als ihr Basiswert. Doch in Seitwärtsmärkten können sich Discountzertifikate und Aktienanleihen als lohnend erweisen.

Zertifikate haben im zweiten Halbjahr 2009 deutlich schlechter abgeschnitten als ihre Basiswerte. Im Schnitt hinkten die Papiere den Indizes oder Aktien, auf die sie sich beziehen, um 10,1 Prozent hinterher, hat das Berliner Analysehaus Scope berechnet.

Die schon Anfang Februar veröffentlichte Scope-Studie machte kaum Schlagzeilen, auch in den Derivateabteilungen der deutschen Banken sorgte sie allenfalls für kurze Diskussionen. Das ist einerseits verständlich, schließlich kommt die Aussage für Experten alles andere als überraschend. Andererseits verdeutlicht sie Privatanlegern ein Risiko, das ihnen oft nicht mit aller Konsequenz bewusst ist: Steigen am Aktienmarkt die Kurse, entgehen Anlegern mit vielen Zertifikaten satte Gewinne.

Die meisten Zertifikate sind mit einem Risikopuffer ausgestattet, nehmen dafür aber nicht in vollem Umfang an Gewinnen teil. Dass die Papiere dem Markt in der Hausse hinterherhinken, ist darum eine Selbstverständlichkeit. So gewann der Dax im zweiten Halbjahr 23,9 Prozent an Wert, Discountzertifikate auf den deutschen Leitindex dagegen nur durchschnittlich 12,5 Prozent. Wie der Risikopuffer funktioniert, zeigte sich im ersten Quartal 2009: Der Dax verlor gut 15 Prozent, die von Scope untersuchten Dax-Discounter bloß rund zehn Prozent.

Asymmetrische Investments

Typisches Beispiel für Zertifikate, bei denen Anleger einen Risikopuffer mit einem Verzicht auf mögliche Gewinne bezahlen, sind die immer beliebteren Aktienanleihen. In den Papieren waren Ende 2009 immerhin 2,3 Milliarden Euro investiert, viermal so viel wie ein Jahr zuvor. Bei Aktienanleihen bezahlt der Emittent regelmäßig einen Kupon. Am Laufzeitende erhalten Anleger ihren Einsatz zurück oder, wenn der Kurs des zugrunde liegenden Titels gefallen ist, den Gegenwert dieser Aktie. Zu einem Verlust kommt es, wenn das Kursminus die Kupons überschreitet. Discountzertifikate sind wirtschaftlich betrachtet gleich konstruiert, nur das Auszahlungsprofil ist anders: Anleger erwerben die Aktie quasi mit Abschlag, dafür nehmen sie nur bis zu einer bestimmten Schwelle an Kurssteigerungen teil.

In beiden Fällen verzichten Anleger in aller Regel auf die Dividenden, was an sich schon eine mutige Entscheidung ist. So machen die Ausschüttungen seit Einführung des Dax vor 22 Jahren etwa 40 Prozent der Aktienerträge aus - mehr, als viele denken. Die eigentliche Krux der Papiere liegt jedoch woanders: Nach unten sind Anleger - bei einem großen Minus am Aktienmarkt - fast eins zu eins dabei, nach oben dagegen nicht.

Die 1796 gegründete Genfer Privatbank Lombard Odier hat jüngst in einem kleinen Buch ihre Anlagegrundsätze dargelegt. Einer der Ratschläge passt gut auf diese Zertifikate, auch wenn er nicht explizit darauf gemünzt ist: Anleger sollten nach "asymmetrischen Investments" Ausschau halten. Danach richten sich zum Beispiel Value-Investoren, die nach stark unterbewerteten Aktien suchen. Die Investments sollten ein überschaubares Risiko bergen und viel Gewinnpotenzial bieten - so simpel ist ihr Rezept. Bei Discountzertifikaten und Aktienanleihen verhält es sich freilich genau umgekehrt.

Mit einem stark vereinfachten Beispiel verdeutlicht Lombard Odier, warum der Anlagegrundsatz so wichtig ist: Kein Portfoliomanager liegt immer richtig. Als gut gilt er schon, wenn sich 60 Prozent seiner Anlageentscheidungen auszahlen. Vorausgesetzt, eine schlechte Entscheidung bringt zehn Prozent Verlust im Jahr und eine gute zehn Prozent Gewinn, würde dieser Geldprofi nur eine Rendite von zwei Prozent schaffen - keine überzeugende Performance. Wenn die richtigen Entscheidungen allerdings 25 Prozent Gewinn bedeuten, erwirtschaftet das Portfolio plötzlich eine Rendite von soliden elf Prozent.


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Quelle: FMH-Finanzberatung