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08.02.2012
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Foto: reuters
Investor-Artikel

Rohstoffe

Kanada verramscht sein Öl

von Frank Bremser

Das schwarze Gold ist teuer, die Referenzsorte Brent notiert deutlich über 100 Dollar pro Barrel. Kanadisches Öl gibt es dagegen schon für gut 60 Dollar. Denn die Förderer leiden unter den Besonderheiten des nordamerikanischen Ölmarkts. Eine Posse mit technischen und politischen Implikationen.

Während an den internationalen Ölmärkten die Angst vor einer Eskalation der Konflikte in Nigeria und dem Iran umgeht und die Notierung nach oben treibt, haben die Ölförderer in Kanada ganz andere Sorgen. Ihre Produktion steigt und steigt, aber vom hohen Ölpreis profitieren sie nicht. Ganz im Gegenteil: Derzeit kostet ein Barrel (159 Liter) Western Canada Select gut 62 US-Dollar. Die Nordsee-Sorte Brent wird hingegen derzeit zu 116 Dollar gehandelt, die US-Sorte WTI wird für knapp 96 Dollar gehandelt. Dies ist der höchste Preisabstand zwischen kanadischem und amerikanischem Öl seit gut vier Jahren.

Die kanadische "National Post" zitiert einen Bericht des Ölmarktnachrichtendiensts Platts mit den Worten: "Ein Barrel kanadisches Rohöl ist eines der günstigsten der Welt, weil der kanadische Markt mit steigender Produktion, fehlender Pipelinekapazität und zu wenig Raffinieren zu kämpfen hat." Goldman-Sachs-Analyst David Greely fasst das ganze Dilemma in wenigen Worten zusammen: "Es ist schlichtweg eine Frage des Orts. Wenn du dein Rohöl nicht über eine Pipeline zu den Raffinerien bringen kannst, fällt der Preis."

Denn die Ölexporte Kanadas gehen traditionell vor allem in die Region der großen Seen und das Gebiet der Great Plains. Dort konkurriert es aber nicht mit den Weltmarktpreisen, sondern mit anderem Öl aus Kanada und den USA. Die größten Probleme sind dabei derzeit Transport, Lagerung und Verarbeitung. Die Wege sind aber verstopft, die Lager voll, gleichzeitig die Raffinerien voll ausgelastet. Zuletzt schloss auch noch BP die Whiting-Raffinerie in Indiana, eine der größten Raffinerien in den USA, für Wartungsarbeiten.

Zudem steigt die kanadische Ölproduktion, weil große Konzerne wie Suncor Energy und Syncrude Canada in den vergangenen Monaten wieder neue Kapazitäten ans Netz gebracht haben, die zuvor aus verschiedenen Gründen - geplant oder ungeplant - brachgelegen hatten. Insgesamt schätzt die Ölindustrie, dass die Produktion in Kanada und im amerikanischen North Dakota bis 2015 um 1 Mio. Barrel auf 3,5 Mio. Barrel pro Tag ansteigen dürfte. Dies entspricht auch den Projektionen etwa der kanadischen Regierung. Angesichts der Preissituation rechten Analysten damit, dass das Produktionswachstum in Kanada sich zumindest auf kurze Sicht verlangsamen dürfte.

Und dies ist auch eines der größten Probleme: Das Öl muss raus aus Kanada - über Pipelines, die bereits vollkommen überbucht sind, wie die von Kinder Morgan betriebene Trans Mountain zum Hafen Vancouver oder verschiedene Enbridge gehörende Röhren in den Mittleren Westen. Besserung der Pipeline-Situation ist kaum in Sicht. So schwelt schon seit längerem ein Streit um die sogenannte Keystone XL-Pipeline, die das Problem deutlich entschärfen könnte. Sie könnte pro Tag 800.000 Barrel Öl von Alberta nach Texas schaffen.


Was die Leser sagen

Gary Maier
12.02.2012 | 00:18
get your facts straight

There are different grades of oil; all selling at different values..better research is in order before you post articles......

(Kommentare 1-1 von 1)

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Quelle: FMH-Finanzberatung