Herr Köttner, als Portfoliomanager eines globalen Aktienfonds waren Sie in den vergangenen zwölf Monaten zwar vier Prozentpunkte besser als der MSCI World Index. Trotzdem können Sie sich kaum darüber freuen, mit dem UniGlobal 31 Prozent in zwölf Monaten zu verlieren. Wie geht es mit den Märkten weiter?
Vieles hängt an der Frage, wie dem Bankensystem geholfen wird. Das kann noch keiner beantworten. Es werden also auf jeden Fall unsichere Zeiten bleiben, in denen sich Angst und Gier abwechseln. Mit ziemlich viel Zickzack bei den Kursen.
Wäre es nicht besser, die Cashquote im Fonds auf 20 oder 30 Prozent hochzufahren - so wie manche Ihrer Konkurrenten?
Wer sich für den UniGlobal entscheidet, kauft einen Aktienfonds, der immer zu fast 100 Prozent investiert ist - und wenn die Märkte schwanken, schwankt auch der Anteilspreis. Wer das nicht will, braucht eine Vermögensverwaltung. Doch das ist ein ganz anderes Produkt.
Muss man in der Krise als aktiver Fondsmanager nicht verzweifeln?
In den vergangenen Monaten sind alle Branchen gefallen, als wäre man mit dem Rasenmäher drübergefahren. Das bietet andererseits enorme Chancen. Dass Versorger ähnlich bewertet sind wie Pharmaaktien, ist falsch, und das wird nicht so bleiben. Es gibt auch heute Geschäftsmodelle, die ganz klar höhere Bewertungen verdienen als der Gesamtmarkt.
Microsoft ist die größte Einzelposition im Fonds. Warum?
Das Unternehmen hat derzeit immerhin rund 15 Prozent der Marktkapitalisierung in Nettocash, ist wesentlich stabiler und solider als die meisten anderen Unternehmen und hat in manchen Bereichen eine fast schon monopolartige Stellung.
Insgesamt sind die USA in dem Fonds das größte Land mit einem Anteil von 37 Prozent. Was mögen Sie dort besonders?
In den USA finden sich immer interessante Werte, denn es gibt eine Riesenauswahl und eben auch richtig gute Titel. Natürlich suche ich dort keine Autoaktien, da schaue ich eher in Japan. Aber nehmen Sie beispielsweise Technologie, Biotech oder Medien - da bin ich in den USA gut aufgehoben.
Sie suchen gezielt Einzeltitel mit Kostenvorteilen gegenüber Mitbewerbern, überzeugendem Management und attraktivem Produktangebot. Für einen Stockpicker ergibt sich die regionale Zusammensetzung aus den Einzeltiteln. Trotzdem die Frage: Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Entwicklung der USA?
Aus meiner Sicht sind die Probleme in den USA sogar größer als im Rest der Welt - auch wenn der Konsensus sagt, die US-Amerikaner kämen früher aus der Krise raus als andere. Aber es gibt einfach vieles, was sehr negativ ist. Zum Beispiel sind die Amerikaner stärker verschuldet, und die Gesundheitskosten steigen rasant an. Andererseits haben die USA den großen Vorteil, dass sie ein Einwanderungsland sind. Daher dürften die zu vielen Häuser am Markt irgendwann auch wieder gebraucht werden.
Viele aktive Manager von Investmentfonds setzen ihre klare Meinung zu den Papieren in einem konzentrierten Portfolio von zum Beispiel 30 bis 40 Titeln um. Warum haben Sie mehr als 200 Werte im Fonds?
Es ist ein Pluspunkt, sehr breit diversifiziert zu sein. Wir haben damit ganz viele Länder bis hin zu Thailand und Brasilien im Portfolio, und das gilt auch für Branchen. Für den Anleger bedeutet das aus unserer Sicht Risikoschutz, wenn ein globaler Fonds sehr viel abdeckt. Dadurch wird die Volatilität reduziert.
Dann kann er sich aber auch einen Indexfonds auf den MSCI World kaufen, der noch breiter diversifiziert ist. Ein ETF kostet etwa 0,50 Prozent pro Jahr, während die Verwaltungsvergütung beim UniGlobal bei 1,20 Prozent liegt. Spricht das nicht für ein passives Investment?
Dann bekommt er die Benchmark minus Kosten, also ein bisschen weniger als den MSCI World. Der UniGlobal hingegen konnte in den vergangenen fünf Jahren outperformen. Das kann ich für die Zukunft zwar nicht garantieren, aber mit einem großen, spezialisierten Team im Rücken ist es möglich, dies auch in Zukunft zu erreichen.
Sie haben den Fonds im Juni 2007 übernommen und sind damit der vierte Fondsmanager innerhalb von zehn Jahren. Kann man da von Kontinuität sprechen?
Für einen Investor mag es hilfreich sein, wenn ein Aktienfonds gut ist und dann auch noch der Fondsmanager seit vielen Jahren nicht gewechselt hat. Doch eine lange Historie ist keine Qualitätsgarantie. Und die Realität im Portfoliomanagement sieht ebenfalls anders aus. Eine Person allein kann doch ohnehin nicht Entscheidungen über die Aktien der ganzen Welt treffen. Daher haben wir 40 Aktienexperten, die jeweils für einen Sektor zuständig sind. Und mit deren Know-how sollte es gelingen, mehr zu wissen als der Durchschnitt der Marktteilnehmer. Nur so lässt sich eine kontinuierliche Outperformance erzielen.
Das Interview führte Wolf Brandes
© 2009 capital.de





