Von wegen Schall und Rauch: Vor kurzem ging der Handelskonzern Arcandor in Insolvenz, und die Töchter Karstadt und Quelle gerieten in hässliche Schlagzeilen. Zwar sind die Karstadt-Quelle Versicherungen (KQV) nicht in die Pleite involviert, weil sie schon seit Jahren dem Versicherungskonzern Ergo gehört. Allerdings musste die KQV ganzseitige Anzeigen in Tageszeitungen schalten, um Kunden zu beruhigen. Will der - nach Kundenzahlen - größte deutsche Direktversicherer seinen Namen ändern, um negative Assoziationen auszuschließen? Ein Gespräch mit KQV-Vorstandschef Peter M. Endres.
Kennen Sie die tägliche "Streiflicht"-Glosse in der Süddeutschen Zeitung?
Ich lese andere Tageszeitungen, aber die Rubrik ist mir ein Begriff. Warum fragen Sie?
Ihr Unternehmen hat den Weg in diese berühmte Kolumne gefunden. Dort heißt es zum Thema Umbenennung der KarstadtQuelle Versicherungen: Das gemeine Volk gehe nicht zum Handelsregister, um festzustellen, dass das Unternehmen nicht zu Karstadt und Quelle gehört. Sehen Sie das ähnlich?
Es ist nachvollziehbar, dass wir nach wie vor den Handelsfirmen Karstadt und Quelle zugeordnet werden. Deshalb haben wir unsere bestehende Kundschaft schon vor längerer Zeit darüber informiert, dass wir schon lange nicht mehr dazugehören. Eine Herausforderung sind die potenziellen Kunden. Für sie hatten wir vor einigen Wochen Anzeigen in diversen Tageszeitungen geschaltet und klar unsere Zugehörigkeit zur Ergo, eine der größten europäischen Versicherungsgruppen, herausgestellt.
Wie teuer waren diese Anzeigen?
Das sind interne Zahlen, die wir nicht veröffentlichen wollen.
Planen Sie, das Unternehmen umzubenennen?
Warum sollten wir jetzt panisch werden? Im Moment leben wir gut mit dem Namen KarstadtQuelle Versicherungen. Solch einen Markenwert wischt man nicht einfach weg. Selbst wenn Karstadt und Quelle als Handelsfirmen untergehen würden, hätte der Name immer noch einen Wert.
Ist eine Umbenennung gar kein Thema für Sie?
Wir beobachten ohnehin intensiv, wie sich Bekanntheits- und Sympathiewerte unserer Marke entwickeln und wie sich das im Geschäft niederschlägt. Wenn wir wesentlich bessere Chancen mit einem neuen Namen sähen, würden wir uns dem nicht verschließen. Aber im Moment steht das nicht an.
Umbenennungen sind in der Finanzbranche derzeit nichts Ungewöhnliches. Die Citibank beispielsweise hat sich schon drei mögliche Namen ausgesucht. Haben auch Sie so etwas in der Schublade?
Von solchen Schubladen-Lösungen halte ich wenig.
Auch die HypoVereinsbank denkt über eine Umbenennung nach - unter anderem mit der Begründung, der Begriff "Hypo" habe seit dem Debakel der Hypo Real Estate einen schlechten Klang. Dabei sind beide Firmen voneinander unabhängig - so wie Ihr Haus und Karstadt beziehungsweise Quelle. Könnte das eine Parallele zu Ihnen werden?
Möglicherweise müssen andere ihren Namen ändern. Bei uns gibt es keinen solchen Zwang.
Sogar die Schrift des Logos "KarstadtQuelle" ist gleich wie bei den Pleite-Konzernen. Ändert sich wenigstens hier etwas?
Sicherlich nicht jetzt. Irgendwann wird es hier eine Evolution geben, aber im Moment sehen wir auch hier keine Notwendigkeit für Veränderungen.
Haben die Schwierigkeiten bei Ihren Namensgebern die Geschäfte der KarstadtQuelle Versicherungen beeinflusst?
Die zu beobachtenden praktischen Auswirkungen sind derzeit äußerst gering. Das Neugeschäft ist auf Vorjahresniveau, was in unserer Branche nicht jeder schafft. Und was die eingezahlten Beiträge betrifft, werden wir bis Jahresende mit einem zweistelligen Prozentsatz wachsen. Immerhin sind wir der größte deutsche Direktversicherer, der immer wieder mit innovativen Angeboten punkten kann. Übrigens sehe ich auch eine angenehme Seite der Turbulenzen - etwa die Tatsache, dass dieses Interview stattfindet. Wenn wir Pfefferminzia hießen, hätten Sie wohl nicht angerufen. Wir haben jetzt das Potenzial, unseren Bekanntheitsgrad zu steigern.
Wir mögen nicht recht glauben, dass die Insolvenz von Arcandor gänzlich ohne Spuren an Ihnen vorübergeht.
Wir beobachten die Marke monatlich. Bei der Frage an potenzielle Kunden: 'Sind wir bei Ihnen in der engeren Wahl?', mussten wir im Mai einen leichten Rückgang der positiven Antworten feststellen. Aber es war bei uns jahrelang nur nach oben gegangen, da ist ein kleiner Rücksetzer nicht entscheidend. Es gab auch einige Anrufer, die sinngemäß fragten: 'Können die Insolvenzverwalter Euch jetzt in die Tasche greifen?' Das machte aber nur ein Prozent aller Kundenanfragen aus.
Was tun Sie hier, abgesehen von der Anzeigenkampagne vor einigen Wochen?
Wir steuern auch aktuell gegen, beispielsweise bei unserer Werbung vor der ARD-Tagesschau und bald in der ARD-Sportschau. Da weisen wir verstärkt darauf hin, dass wir zur Ergo Versicherungsgruppe gehören. Wir planen auch den Hinweis auf unsere Obergesellschaft Münchener Rückversicherung, die einer der weltweit führenden Risikoträger ist. Außerdem muss man sehen: Wir haben von unseren ehemaligen Eltern auch einiges Positive mitbekommen.
Wie bitte?
Karstadt und Quelle waren Händler, und wir denken deshalb stärker von der Ware her. Ein Händler verkauft eine Waschmaschine nicht für 1023 Euro, sondern für 999 Euro, weil diese sogenannten Eckpreise aus Marketingsicht erfolgversprechender sind. Herkömmliche Versicherer stellen eher die Frage, was ein bestimmter Schutz kosten muss. Wir bei den KarstadtQuelle Versicherungen designen unsere Produkte so, dass für sie sogenannte Ankerpreise wie 9,90 Euro möglich werden, wie zum Beispiel bei unserer Zahnzusatzversicherung. Ein anderes Beispiel ist unsere Sofortrente, die wir neuerdings als Flatrate von 300 Euro beim Vertragsabschluss und 60 Euro Jahresgebühren anbieten. Prozentuale Provisionen gibt es nicht (Anm. d. R.: Unabhängig vom eingezahlten Beitrag bleiben die Abschluskosten konstant).
Das Interview führte Martin Reim.
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