Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) droht dem von Skandalen gebeutelten Versicherungskonzern Ergo mit einer Sonderprüfung. Die Behörde stehe wegen der "aktuellen Themen der Medienberichterstattung in engem und regelmäßigen Kontakt" mit der Münchener-Rück-Tochter, sagte eine Sprecherin der Behörde. "Die Bafin prüft die Dinge gegebenenfalls auch vor Ort, sofern dies notwendig sein sollte." Bei einer "anlassbezogenen Sonderprüfung" sichten die Aufseher Unterlagen des betroffenen Unternehmens vor Ort.
Ergo war durch eine Sexparty mit Prostituierten als Belohnung für Versicherungsvertreter in die Schlagzeilen geraten. Außerdem musste der Versicherungskonzern einräumen, dass er Riester-Verträge mit falschen Kostenberechnungen verkauft hatte. Zudem soll Ergo Kunden für diese ungeeignete Versicherungspolicen verkauft haben. Der Konzern hatte dafür Entschädigungen angekündigt und sich in großen Zeitungsanzeigen entschuldigt.
Überschaubare Zahl an Kündigungen
Ergo-Chef Torsten Oletzky räumte einen Imageschaden für die Versicherungsgruppe ein. Es sei klar, dass durch die Skandale ein Reputationsschaden entstanden sei, sagte er nach einem Bericht des "Handelsblatts" bei einer Veranstaltung der amerikanischen Handelskammer in Deutschland. Dass jetzt dieses Thema an der Marke Ergo klebe, sei dem Management vollkommen bewusst.
Die Sexparty in Budapest 2007 sei peinlich gewesen, aber habe am Ende wenig mit dem Geschäft zu tun gehabt. Wesentlich bedeutsamer für das langfristige Markenimage seien die Fehler in den Riester-Policen. "Die falschen Riester-Verträge schaden nachhaltig, weil sie unser Geschäft betreffen", sagte der Ergo-Chef laut Zeitung. Es habe schon im Herbst 2005 Hinweise auf Fehler gegeben, die nicht systematisch weiterverfolgt worden seien. Das sei ein schwerer Fehler gewesen. Der Zeitung zufolge will Ergo dem Wunsch der Bafin nach Aufklärung Folge leisten. "Das weitere Vorgehen liegt im Ermessen der Bafin", sagte eine Ergo-Sprecherin dem Blatt.
Im Tagesgeschäft halten sich die Auswirkungen der Skandale nach Darstellung von Ergo-Personalvorstand Ulf Mainzer bislang in Grenzen: "Wir haben rund 500 Kündigungswünsche erhalten, die auf die Vorgänge in Budapest zurückzuführen sind. Bei 20 Millionen Kunden, die wir betreuen, ist das eine überschaubare Zahl", sagte er der "Berliner Zeitung". Auch beim Neugeschäft habe man wenige Einbußen festgestellt. Die Themen seien aber noch zu frisch: "Wir können nicht ausschließen, dass sich potenzielle Kunden im Moment schwerer damit tun, ein Ergo-Produkt zu kaufen, als noch vor einigen Wochen."
Quelle: ftd.de
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