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05.08.2011
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Notfallversicherer helfen nur kleinen Gesellschaften
Notfallversicherer helfen nur kleinen Gesellschaften
Foto: dpa
Investor-Artikel

Lebensversicherungen

Im Ernstfall wankt die Assekuranz

von Herbert Fromme

Anleger können mit Lebensversicherungen ruhig schlafen, behaupten die Anbieter. Solange die Banken durchhalten, stimmt das auch. Ein Blick in der Vergangenheit zeigt allerdings: Zusammenbrüche sind keine Seltenheit.

Cashlife jubelt. Der Pullacher Aufkäufer von Lebensversicherungen war in den vergangenen Jahren nicht gerade vom Erfolg verwöhnt worden. Doch jetzt werde die Firma von Verkaufsanfragen überhäuft, teilt Vorstand Ingo Weber mit. Allein im Juli hat er Anfragen im Wert von 100 Mio. Euro gezählt. Natürlich sind Anfragen noch keine echten Verkäufe. Doch Weber sieht einen Trend: "Eine steigende Zahl von Kunden möchte sich von einer bestehenden Lebensversicherung trennen, um das Geld besser und sicherer anzulegen." Die Versicherer kontern: "Sicherer als eine Lebensversicherung bei der Allianz geht es nicht", sagt Maximilian Zimmerer, Chef der Allianz Leben.

Angesichts der Finanzkrise wird die Frage, ob die Gesellschaften sicher sind, im Vertrieb immer wichtiger. Müssen Anleger Szenarien wie in Japan fürchten, wo in den 90er-Jahren sieben Lebensversicherer wegen der langen Niedrigzinsphase aufgeben mussten?

Auf den ersten Blick ist alles in Ordnung. Die deutsche Assekuranz ist in Griechenland, dem schwersten Fall unter den EU-Patienten, nur mit 3 Mrd. Euro engagiert - bei Kapitalanlagen von insgesamt fast 1300 Mrd. Euro von Versicherern und Rückversicherern. Selbst erhebliche Probleme in Italien könnte die Branche verkraften - wenn es nur um ihre direkten Kapitalanlagen ginge. Die Bedrohung kommt aus einer ganz anderen Richtung: Von den 1300 Mrd. Euro Kapitalanlagen liegt fast die Hälfte bei Banken. Zwar ist ein Drittel davon als Pfandbriefe besonders abgesichert. Aber der Rest stünde bei einer Bankenpleite im Feuer. Deutsche Banken gehören zu den Hauptgeldgebern südeuropäischer Regierungen.

Im Ernstfall existiert eine Reihe von Notfallmechanismen

Für die Versicherer spricht, dass sie hohe Eigenmittel halten. Sie können externe Schocks eine ganze Zeit aushalten, haben der jüngste Stresstest der EU-Versicherungsaufsicht Eiopa und andere Tests ergeben. Doch wenn Banken ins Trudeln geraten oder die Zinsen lange so niedrig bleiben, wird das erhebliche Auswirkungen auf die Branche haben. Kommt es hart auf hart, gibt es eine ganze Reihe von Notfallmechanismen. Die BaFin kann zum Beispiel die Garantieverzinsung aussetzen, die Versicherer ihren Kunden versprochen haben.

2001 bis 2003, nach dem Platzen der New-Economy-Blase, kam die Mannheimer Lebensversicherung unter die Räder ihrer zu expansiven Investitionspolitik in Aktien. Um den Bestand der Gesellschaft aufzufangen, gründete die Branche den Notfallversicherer Protektor. Er ist inzwischen auch vom Staat mit der Aufgabe betraut, Bestände notleidender Lebensversicherer zu übernehmen. Bislang ist es bei der Mannheimer geblieben. Protektor funktioniert gut und wird von der Branche nach Marktanteil finanziert. Aber alle Versicherer wissen: Eine kleine Gesellschaft wie die Mannheimer konnte Protektor gut auffangen. Bei einem oder mehreren mittelgroßen Anbietern wäre es schon sehr schwierig, bei einem der top fünf fast unmöglich. Dann müsste, wie bei den Banken, der Staat einspringen - oder einer der Marktführer ein Hilfspaket schnüren.


Was die Leser sagen

Benedikt-Gruppe
06.08.2011 | 18:54
Sind Kapitallebensversicherung wirklich sicher?

Vor einiger Zeit stand ein Bericht der Allianz in einer Fach-
zeitschrift. Hier äußerte sich der Finanzvorstand, wie breit
gestreut die Allianz die Kundengelder anlegt. Sicherlich kann
es die Kunden beruhigen, wenn die Allianz in erneuerbare Ener-
gien investiert. Auch Investments in Firmenanleihen kommen
momentan gut an. Ob die Bürger ihr Geld besser anlegen können,
als eine große Gesellschaft ist fraglich. Jedoch in einer
wirklichen Krise fährt auch die Allianz Verluste ein.
Sicher wird der Trend zu anderen Anlageformen gehen, die
von den Lebensversicheren vertrieben werden. Die alte
Lebensversicherung wird durch neue Anlagen auf Dauer ersetzt?

(Kommentare 1-1 von 1)

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Quelle: FMH-Finanzberatung
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