Lang hat die Versicherungsbranche so getan, als ob sie die Finanzkrise nichts anginge. Anders als die Banken habe man die Krise gut bewältigt, tönten ihre Chefs selbstbewusst. "Die Probleme des Bankensektors sind nicht auf uns ausgestrahlt", sagt Rolf-Peter Hoenen, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, noch Ende 2010.
Heute bieten die Versicherer das Kontrastprogramm. So hilflos habe er sich noch nie in seiner Karriere gefühlt, gesteht der gestandene Vorstandsvorsitzende eines mittelgroßen Versicherers. Die Kapriolen der Finanzkrise bringen die Assekuranz in sehr schwierige Situationen. Doch das Management hat kaum eine Möglichkeit, ihr Schicksal aktiv zu beeinflussen. Umschichtungen von Wertpapieren in großem Stil, Verkäufe, die Absicherung von Asset-Klassen - im heutigen Marktumfeld ist das ohne gigantische Verluste kaum möglich, wenn überhaupt ein Markt besteht.
Der Wertverfall von Staatsanleihen ist eines der Probleme. Die Finanzaufsicht BaFin hat die zehn größten Versicherer zu Staatsanleihen Portugals, Irlands, Italiens, Griechenlands und Spaniens befragt. Das Ergebnis: Zusammen sind es elf Prozent ihrer weltweiten Kapitalanlagen. Damit stehen Milliarden im Feuer.
Noch schwerer aber wiegt die Abhängigkeit von den Banken. Die zehn Befragten haben bis zu 55 Prozent ihrer Kapitalanlagen in Bankanleihen investiert. Gehen Institute pleite, bringt das auch Versicherer in Not. Im vertraulichen Gespräch will kein Manager ausschließen, dass es zu Schieflagen von Versicherern kommen kann.
Ein Ende ist nicht in Sicht. "Weiterhin erhebliche Marktschwankungen" für 2012 erwartet Nikolaus Von Bomhard, Chef des weltgrößten Rückversicherers
Munich Re.
Neben möglichen Existenznöten einzelner Versicherer hat die Krise Langzeitfolgen. Das sind vor allem die niedrigen Zinsen - die sich auf die Lebens- und Krankenversicherer äußerst negativ auswirken. "Wir glauben, dass ein Szenario anhaltender niedriger Zinsen die größte Bedrohung für die Finanzstärke deutscher Versicherer ist", sagt Christian Badorff, Analyst bei der Ratingagentur Standard & Poor's.
Ohnehin haben die Konzernvorstände zunehmend weniger Freude an ihren Lebens- und Krankenversicherungstöchtern. In der Krise zeigt sich, dass sie für die Muttergesellschaften teuer werden können, weil sie Zinsgarantien gegeben haben.






















