Empfehlen Als E-Mail verschicken Facebook Twitter XING Drucken
21.06.2011
Paul Achleitner - Finanzvorstand der Allianz
Paul Achleitner - Finanzvorstand der Allianz

Interview mit Paul Achtleitner

Allianz-Finanzvorstand warnt vor Schuldenschnitt für Griechenland

"Nicht alle Finanzinstitute sind auf den Haircut vorbereitet", sagt Achtleitner im Capital-Interview. Es könne eine Kettenreaktion geben, die Europa noch tiefer in die Krise reißt. Er stellt aber auch eine veränderte Anlagestrategie der Allianz in Aussicht - bestimmte Eckpunkte vorausgesetzt.

Der Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner warnt vor einem Schuldenschnitt für Griechenland. "Ich halte das für eine grundfalsche Lösung", kritisierte Achleitner im Interview mit Capital (ab dem 22. Juni am Kiosk). "Nicht alle Finanzinstitute sind auf einen Haircut vorbereitet. Ich fürchte eine Kettenreaktion, die Europa weiter in die Krise treibt." Viele glaubten, ein Haircut treffe vor allem Banken - mehr als 50 Prozent der griechischen Anleihen lägen im europäischen Bankensystem, einschließlich der der Zentralbanken, nur zehn Prozent bei Versicherern. "Aber die wiederum sind stark in Banken investiert. Am Ende gerät das ganze System ins Wanken, und der Staat, sprich Steuerzahler, muss wieder herhalten." Der Allianz-Finanzvorstand sagte, der Stabilitätspakt müsste einen Teil des Geldes nicht für Kredite, sondern für eine Absicherung des Ausfallrisikos nutzen. "Bei so einem Szenario wären wir bereit, wieder in griechische Anleihen zu investieren."

Achleitner beklagt, dass im Zusammenhang mit der Schuldenkrise in Europa bislang zu wenig getan wurde. "Wir haben nach der Finanzkrise nur die Schulden von den Kreditnehmern zu den Banken, von den Banken auf die Regierungen und von den Regierungen auf die Notenbanken verschoben. Jetzt müssen wir die Schulden abbauen - das bedeutet, es wird weniger Kapital zur Verfügung stehen, die Zinsen werden steigen." Optimistischer blickt er auf die Staatsverschuldung in den USA. Gegenüber Europa hätten die Vereinigten Staaten einen großen Vorteil: "Sie können ihre Probleme mithilfe von Steuererhöhungen lösen. Da gibt es viel Luft. Diese Option haben wir nicht."

Mit Capital sprach Achleitner auch über die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise sowie der Schuldenkrise auf die Anlagestrategie der Allianz. "Wir stellen uns für die Zukunft auf stärkere kurzfristige Schwankungen an den Märkten ein. Und da steht Kapitalerhalt im Vordergrund." Das sei die Lehre nach zwei Krisen in jüngster Zeit, in denen viele Menschen viel Geld verloren hätten.

Trotz ihrer langfristig guten Kurs-Chancen will Achleitner den Aktienanteil von derzeit sieben Prozent des Kapitals nicht wesentlich erhöhen. "Die Quote wird längerfristig im einstelligen Bereich bleiben", sagte Achleitner. Grund dafür seien neue Vorschriften des Gesetzgebers. Sie verlangen, künftig für Aktieninvestments mehr Eigenkapital vorzuhalten.

Aus dem Magazin

 

Mehr dazu lesen Sie in Capital Heft 07/2011, das ab dem 22. Juni im Handel erhältlich ist.

 Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert.


© 1999 - 2012 capital

Was die Leser sagen

herbert1949
30.07.2011 | 09:05
Krise lösen etc.

Wer der Meinung ist das diese Krise mit den gleichen Leuten zu lösen ist die uns diese Krise eingebrockt haben , lebt auf dem Mond.
Ein Schweinestall kann nur gereinigt werden wenn die Schweine vorher raus genommen werden.
Kommen die gleichen Schweine wieder in den Stall sieht er nach kurzer Zeit wieder so aus wie vorher.

Spitz paß auf
25.06.2011 | 19:59
Aussicht

Es ist mal wieder die typische Denkweise eines Finanzvorstandes die hier zu lesen ist:Wir würden ja wieder gerne in gr.Anleihen investieren,aber nur wenn uns das Ausfallrisiko abgenommen wird.
Will heißen,wie in der Vergangenheit:Wenn es etwas zu verdienen gibt kassieren wir gern,auch die Risikozuschläge.Kommt es zum Ausfall,soll gefälligst der Steuerzahler die Verluste tragen.Wurde jemals der Steuerzahler an den Gewinnen beteiligt?Nein!Warum soll er dann nur die Verluste tragen?Hier wird die freie Marktwirtschaft auf den Kopf gestellt!

Ron777
21.06.2011 | 20:02
Widerspruch Herr Achtleitner

"Nicht alle Finanzinstitute sind auf einen Haircut vorbereitet."
Wie bitte? Die Finanzinstitute hatten 3 Jahre Zeit die Brisanz des griechischen Schuldendramas zu verstehen und entsprechend zu handeln! Leiden die Herren und Damen in den benannten Instituten unter verschärfter Legasthenie?
"...der Stabilitätspakt müsste einen Teil des Geldes nicht für Kredite, sondern für eine Absicherung des Ausfallrisikos nutzen." Was? Damit reißen wir auch noch die Rückversicherer solcher Risiken in den Strudel des kommenden Haircuts. Herr Achtleitner, Sie unterliegen schlicht einem fundamentalen Irrtum: Die Krise kann man nicht durch Laufzeitverlängerungen aussitzen. Je länger wir warten desdo härter überrollt uns die unausweichliche Lawine am Ende. Nichts ist durch Staatsgarantien und Rettungsschirme gewonnen. Am Ende verlieren wir alle. Es ist wie mit einem Spielsüchtigen: Er hört nicht aus Einsicht mit seiner Sucht auf. Ihm weiteres Geld zu geben verschlimmer seine Krankheit nur. Sie ruiniert am Ende nicht nur ihn, sondern sein gesamtes Umfeld. Es ist höchste Zeit, dass wir handeln. Für Deutschland und für ein friedliches demokratisches Europa. Weg mit dem Euro - nicht nur für Griechenland!

(Kommentare 1-3 von 3)

Ihre Meinung

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird nicht veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar



 
Capital - Suche
 
Marktinformationen
DAX Tops Diff %
Commerzban
Metro
Merck
Flops
Henkel Vz
RWE
E.ON N
DAX 6.331,04 +0,95%
TecDAX 751,40 +1,20%
EUR/US 1,2785 -0,18%
GOLD 1.589,18 -0,22%
Quelle: Smarthouse Media, SIX Telekurs
Alle Zinsen auf einen Blick
Wo Sie günstig finanzieren können und welche Anbieter Sparern die höchsten Renditen bieten.
ProduktMittel-
wert
Spanne
Baugeld (10 Jahre fest)2,79%2,53-4,90%
Tagesgeld (5.000 Euro)1,44%0,19-3,00%
Festgeld (12 Monate)1,51%0,50-3,00%
Sparbriefe (4 Jahre)1,65%0,45-3,25%
Girokonto (Dispo)11,03%5,50-13,81%
Ratenkredite (36 Monate)6,82%4,33-11,99%
Quelle: FMH-Finanzberatung
Wohn- und Ferienimmobilien-Kompass
Aktualisierte Fassung 2012
PartnerangebotImmobilien suchen in ...
Wohnquartier Report
Suche

Professionelle Bewertung der Wohnumgebung von Immobilien.

PLZ
Ort
Straße, Nr.