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11.05.2011
HUK-Coburg sucht die Konfrontation
HUK-Coburg sucht die Konfrontation
Foto: Tim Wegner/FTD
Investor-Artikel

Autoversicherung

HUK-Coburg wirft Allianz Verbrauchertäuschung vor

von Herbert Fromme

Der größte deutsche Autoversicherer HUK-Coburg legt sich mit der Allianz und ihrem neuen Kfz-Tarif an. Auch das Vergleichsportal Check24 steht im Fadenkreuz der HUK-Attacken.

Die HUK-Coburg hat der Allianz vorgeworfen, mit ihrer neuen Generation von Autoversicherungspolicen die Verbraucher zu täuschen. "Das erinnert mich an die Radiowerbung '60 Prozent auf alle frei geplanten Küchen'", sagte Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstandsmitglied des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit, vor Journalisten. Der Streit zeigt, dass der Kampf um Marktanteile in der Autoversicherung trotz einer leichten Entspannung an der Preisfront ungebrochen heftig ist.

Die Allianz will mit den neuen Tarifen wieder in die Offensive kommen, nachdem sie 2010 die Marktführerschaft in der Autoversicherung an die HUK-Coburg verlor. "Das neue Konzept der Allianz besteht im wesentlichen aus einer modifizierten Schadenfreiheitsrabatt-Staffel, das zweite ist der modulare Aufbau", sagte HUK-Manager Heitmann. "Die Allianz-Staffel sieht jetzt länger aus und hat optisch niedrigere Prozentsätze." Die Allianz wolle aber erklärtermaßen die Einnahmen in der Autoversicherung insgesamt erhöhen. "Wenn der Kunde jetzt 40 Prozent statt 50 Prozent zahlt, muss ich die Basisbeiträge anpassen, damit am Ende mehr in der Kasse ist."

Heitmann bestätigte, dass eine Verlängerung der Staffel im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zurzeit für den gesamten Markt diskutiert werde. "Hier ist die Allianz aber vorgeprescht."

HUK-Coburg versichert 8,68 Millionen Fahrzeuge

Der zweite Teil bestehe aus einem auf das absolute Minimum reduzierten Basistarif. "Der wird dann in Vergleichen und Rankings vorne stehen", sagte Heitmann. "Dann muss man alles in Paketen dazu wählen. Da wird die Autoversicherung ab 150 Euro angeboten, man kommt aber am Ende doch wieder bei 350 Euro oder 400 Euro raus."

Die HUK-Coburg hatte Ende 2010 8,68 Millionen Fahrzeuge versichert, 360.000 mehr als ein Jahr zuvor. Diese Zahl umfasst Mopeds und Mofas. Ohne diese Zweiräder lag der Bestand bei 8,4 Millionen, die Allianz hatte knapp 8,2 Millionen im Bestand.

Wegen der harten Winterbelastung 2010 und dem weiter niedrigen Preisniveau musste auch die HUK-Coburg mit einem versicherungstechnischen Verlust fertig werden. Die Schaden- und Kostenquote in der Autoversicherung stieg von 94,9 Prozent auf 102,3 Prozent - pro Euro Einnahmen musste das Unternehmen 1,02 Euro für Schäden, Vertrieb und Verwaltung ausgeben. Der Markt kam auf 107 Prozent.

Inzwischen gingen die Preise im Durchschnitt im Neugeschäft leicht nach oben, aber der Preiskampf zwischen den großen Anbietern sei nicht vorbei, sagte Vorstandschef Wolfgang Weiler.

60 Prozent der Vertragsabschlüsse über Portale

Heftige Angriffe richtete Weiler gegen Online-Vergleichsportale. Das Unternehmen hat gerade zusammen mit den Konkurrenten HDI Direkt - teil des Talanx-Konzerns - und WGV die Mehrheit am Portal Aspect Online übernommen. "Wir wollen den Wettbewerb bei den Portalen wieder herstellen", sagte Weiler. Rund 40 Prozent bis 50 Prozent der online abgeschlossenen Verträge werde über Portale verkauft, zum Jahreswechsel sogar 60 Prozent. Allerdings sei die Rolle dieser Portale ambivalent. "Die aktuellen Abschlussprovisionen, die Portale verlangen, erreichen inzwischen 75 Euro bis 100 Euro und sind damit ein erheblicher Kostenfaktor." Außerdem deckten manche Portale gezielt von ihnen vermittelte Kunden um, sagte Weiler. Namen wollte er nicht nennen. Das größte Portal Check24, bei dem die HUK-Coburg nicht gelistet ist, bestreitet solche Umdeckungsaktionen.

"Ein Portal hat eine marktdominierende Stellung erreicht", sagte Weiler mit Blick auf Check24. "Dieser Nahezu-Monopolist diktiert das Marktgeschehen und drängt die anderen aus dem Geschäft. Je größer seine Marktmacht wird, desto mehr Provisionen nimmt er."

Die Versicherer wollten die Transparenz und die Konkurrenz wieder herstellen. Zum künftigen Provisionsniveau von Aspect Online sagte Heitmann, 35 Euro seien besser als 75 Euro. Die genaue Provisionshöhe soll abhängig sein vom Volumen, das ein Versicherer über Aspect Online gewinnt. Mit weiteren Versicherern verhandele man gerade über eine Erweiterung der Aktionärsstruktur von Aspect Online, sagte Weiler. Namen nannte er nicht.

Der Konzern steigerte seine gesamten Prämieneinnahmen 2010 um 2,7 Prozent auf 5,06 Mrd. Euro. Davon stammten 2,34 Mrd. Euro - ein Anstieg um 3,3 Prozent - aus der Autoversicherung. Das Unternehmen steigerte die Erträge aus Kapitalanlagen um 9,5 Prozent auf 1,01 Mrd. Euro. Nach dem Rekordjahr 2009 ging 2010 der Jahresüberschuss nach Steuern um 10,8 Prozent auf 319 Mio. Euro zurück.


Quelle: ftd
© 2011 capital.de

Was die Leser sagen

Allianz-Geschädigter
15.05.2011 | 17:47
Allianz kriegt seine Autoversicherung nicht in den Griff

Anstatt über undurchsichtige Preiskalkalationen Marktanteile zu gewinnen, sollte die Allianz ihren Service wohl eher optimieren.
Meinen Auto wurde ein Schaden durch einen Allianz-Versicherten zugefügt(Ende Juli 2010). Die Allianz hat es nicht geschafft mit mir Kontakt aufzunehmen um den Schaden zu regulieren. Das Ende vom Lied: Im Dezember habe ich mir einen Anwalt geholt, mittlerweile haben wir Klage eingereicht .... dass alles muss der Allianzversicherte in Allgemeinheit zahlen.
Fragen Sie doch mal in Werkstätten nach: Wenn die das Wort "Allianz" hören, sagen die als Erstes: "Von sich selbst aus einen Gutachter und einen Anwalt einschalten ... von der Allianz werden Sie so schnell nichts hören".

Weitblick
13.05.2011 | 21:23
HUK und Verbrauchertäuschung

Schon mal bemerkt, daß die HUK am Jahresende immer bei den Billigheimern liegt und während des Jahres dann still und heimlich die Prämien nach oben anpasst. Wer macht hier Verbrauchertäuschung ? Marktführerschaft egal zu welchem Preis. Und das mit abgespeckten Tarifen und entsprechender Schadenregulierung.
Beim Frust zu den Onlineportalen hat die HUK jedoch Recht.
Hier sind die Versicherungsunternehmen selbst schuld. Wenn alle solche Portale nicht mehr bedienen würden bräuchte man die PseudonachdembestenPreisKucker gar nicht. Diese Marktmacht der Portale braucht keiner. Aber wahrscheinlich überlegt gerade ein Vorstand ob er mittels Aktienpaket einsteigen soll. Selbst schuld, wenn die Portale dann den Preis diktieren.
Faire Preise, gute Leistung - so einfach ist das.
Aber nicht nur suggerieren ( HUK ), sondern machen!

(Kommentare 1-2 von 2)

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Quelle: FMH-Finanzberatung
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