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07.02.2012
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Foto: Getty
Investor-Artikel

Assekuranz in der Krise

Lebensversicherung in Todesgefahr

Nicht nur Kunden hadern mit ihnen. Auch den Anbietern bereiten die Policen angesichts niedriger Zinsen und strengerer Eigenkapitalregeln immer weniger Freude. Höchste Zeit, nach Alternativen zur Lebensversicherung zu suchen, meint Herbert Fromme.

Herbert Fromme ist Versicherungskorrespondent der Capital-Schwesterzeitung Financial Times Deutschland.

Die Lebensversicherung lohnt sich nicht, die Lebensversicherung lohnt sich doch - seit Monaten liefern sich Verbraucherschützer und Versicherungswirtschaft ein ermüdendes Scharmützel. Die Debatte ist langweilig, weil beide Seiten einen entscheidenden Punkt nicht nennen: Die Lebensversicherung ist nicht nur für viele Kunden unattraktiv - auch den Gesellschaften selbst bringt sie immer weniger Freude. Es wird Zeit für radikale Änderungen.

Verbraucherschützer kritisieren die Kostenbelastung der Verträge - auch durch hohe Abschlussprovisionen. Sie führen zur Falschberatung, behaupten sie, und belegen das mit den katastrophalen Kündigungsquoten. Die Versicherer ihrerseits argumentieren mit der Sicherheit ihrer Angebote, den vergleichsweise hohen Zinsgarantien und dem Mangel an Alternativen.

Die niedrigen Zinsen und die Absenkung der Zinsgarantie für Neuverträge von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent zum Jahresanfang haben der Diskussion neue Nahrung gegeben. Dazu kommt: Unglaublich viele Kunden, die sich auf ihre private Zusatzrente freuten, sind desillusioniert und verärgert, weil sie deutlich weniger Zusatzrente erhalten als erwartet.

Doch die einfache Gleichung "Kunde leidet, weil der Versicherer reich wird" geht nicht auf. Die Lebensversicherung war nie die wichtigste Gewinnquelle für die deutsche Assekuranz. Die Milliarden haben Allianz, Ergo und Talanx mit der Schaden- und Unfallversicherung verdient, mit der Absicherung von Autos, Gebäuden, Möbeln, privaten Haftpflicht- und Unfallrisiken - und nicht mit Lebens- und Krankenpolicen.

Die Lebensversicherung ist seit Jahrzehnten stark reguliert. Den Kunden stehen in der Regel 90 Prozent der Kapitalerträge zu, den Versicherern höchstens zehn Prozent. Die für die Unternehmen negative Vorgabe führte zu bescheidenen Gewinnen. Aber auch das Risiko war lange Jahre klein. Denn unter dem deutschen System müssen die Kunden den größeren Teil der vom Staat geforderten Eigenmittel der Lebensversicherer stellen - ein Teil der bereits verdienten und den Versicherten zustehenden Überschüsse zählt rechtlich als Eigenmittel der Versicherer.

Dass die Assekuranz trotz magerer Profite jahrzehntelang begeistert die Lebensversicherung förderte, hat zwei einfache Gründe. In dieser Sparte werden die hohen Provisionen bei Vertragsabschluss fällig, gezahlt von den neuen Kunden. Nur mit diesen Provisionsmilliarden konnten die deutschen Versicherer ihr völlig überdimensioniertes Netz von heute mehr als 260.000 registrierten Versicherungsvermittlern aufbauen. Zum Vergleich: Britische Versicherungskunden müssen weniger als 30.000 Vermittler ernähren. Der zweite Grund: Die Lebensversicherung spült Milliarden in die Kassen, die Versicherer für die Kunden langfristig anlegen. Das gibt ihnen Marktmacht in den Verhandlungen mit Banken und Fondsanbietern.


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