28.01.2009
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Krankenversicherer

Der Kampf um Privatpatienten

Ab 2009 können Kunden leichter ihren Versicherer wechseln. Der Bilanz-Check von Morgen&Morgen zeigt, welche Gesell­schaften für den verschärften Wettbewerb am besten gerüstet sind.



Vor der Jahreswende breitete die Axa Krankenversicherung ihre Arme weit aus: "Alle Anträge, die am 31.12.2008 bis 13 Uhr entscheidungsreif bei uns eingehen, werden wir taggleich verarbeiten", versprach sie Vermittlern in internen Schreiben. Für Vorstandschef Gernot Schlösser hat sich der Endspurt gelohnt. Der passionierte Langstreckenläufer meldet 13.000 neue Vollversicherte für 2008. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr zählten alle 47 Unternehmen der privaten Krankenversicherung (PKV) saldiert nur 23.400 Eintritte.

Für den Run zum Jahresende konnte sich die Branche bei Gesundheitsministerin Ulla Schmidt bedanken: Sie kündigte damals für 2009 mit dem Gesundheitsfonds eine Beitragserhöhung auf 15,5 Prozent in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) an. Deren freiwillig Versicherte lockte die PKV prompt mit Schnäppchen: Letztmalig gab es noch günstige Tarife in der "alten Welt". Ab 2009 ist ein Vollschutz nur mit besserem Kündigungsrecht erhältlich und der ist im Schnitt zehn Prozent teurer. "Mit dem Boom zum Jahresende ist der Einbruch im Krankenversicherungsgeschäft 2008 weit geringer ausgefallen als zunächst befürchtet", sagt Josef Beutelmann, Chef der Barmenia und Vize des PKV-Verbandes.



Im neuen Jahr müssen er und seine Kollegen jedoch ohne die Schmidt’sche Verkaufshilfe auskommen. Im Gegenteil: Jetzt pusht das staatliche Konjunkturprogramm die gesetzlichen Kassen und drückt deren Beitrag ab Sommer auf 14,9 Prozent. Und wer in diesem Jahr einen Vertrag bei der PKV schließt, darf jederzeit mit Teilen seines fürs Alter angesammelten Finanzpolsters zu einem Konkurrenten der Branche wechseln.

Die Gesellschaften blieben bei einem PKV-Hopping auf hohen Abschlusskosten sitzen, die sie meist nur für kurze Zeit vom Vermittler zurückfordern können. ­Zusätzlich drohen den Privatversicherern auch noch Verluste unter ihren Altkunden. Die dürfen im ersten Halbjahr 2009 in den – für viele allerdings unattraktiven – Basistarif eines Wettbewerbers abwandern und einen Teil ihrer Alterungsrückstellung mitnehmen.

Den Kampf um Kunden fechten die Privaten daher häufiger als bisher gegeneinander aus – und viel heftiger. Guido Leber, Experte der Ratingagentur Assekurata, schätzt: "Wachstum wird das zentrale Erfolgskriterium in der PKV." Die Gefahr für die Verlierer: In ihren Tarifen konzentrieren sich Risikopatienten, die keine attraktiven Alternativen finden. "Solche Schieflagen im Versichertenmix werden teuer für Unternehmen und Kunden", warnt Martin Zsohar, Produktchef des Analysespezialisten Morgen&Morgen (M&M).

Längst nicht jeder Krankenversicherer geht in Bestform in den Nahkampf. 14 der 35 wichtigsten Unternehmen erfüllen im M&M-Bilanz-Check 2007 für Capital alle fünf Qualitätskriterien. Am unteren Ende landen Inter und Mannheimer. Sie schwächeln bei finanzieller Sicherheit, Kosten und Wachstum. Das positive Ergebnis des Tests: Die meisten Versicherer gingen gut gerüstet in die Kapitalmarktkrise, die seit September 2008 die Wirtschaft erschüttert – mit ausreichenden Sicherheitspols­tern in stillen Reserven, im Eigenkapital und im Topf für Beitragsrückerstattungen.


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Quelle: FMH-Finanzberatung
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