22.04.2010
Viele Finanzdienstleister verdienen an den Provisionen, die sie beim Verkauf eines Produktes kassieren.
Viele Finanzdienstleister verdienen an den Provisionen, die sie beim Verkauf eines Produktes kassieren.
Foto: Fotolia
Investor-Artikel

Verbraucherzentralen

Finanzdienstleister drehen den Spieß um

von Markus Hinterberger

Anlageberater machen mobil gegen die Verbraucherzentralen. Kunden würden nicht nur mies beraten, sondern auch ohne Erlaubnis durch die Finanzaufsicht. Die Verbraucherzentralen wehren sich.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen berate falsch und ihre Mitarbeiter gehörten unter staatliche Aufsicht gestellt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Arbeitgeberverbands der finanzdienstleistenden Wirtschaft (AfW) und der Zeitschrift "Procontra". Dazu seien laut AfW-Vorstand Norman Wirth etwa zehn Testanrufe bei verschiedenen Verbraucherzentralen durchgeführt worden. In einem Gespräch habe der Berater dem Testkunden, der 10.000 Euro anlegen wollte, Aktien empfohlen.

Laut AfW sei dies eine erlaubnispflichtige Wertpapierberatung und somit ein Fall für die BaFin. Die Verbraucherzentralen bieten neben persönlichen Gesprächen auch eine kostenpflichtige Telefonberatung an. "Das ist nicht die erste Attacke dieser Art", heißt es dazu aus Düsseldorf. Seit dem Beginn der Finanzkrise ist die Beratungspraxis der Finanzdienstleister immer wieder zur Zielscheibe der Kritik aus dem Lager der Verbraucherschützer geworden.

Nun gehen Branchenverbände wie die AfW zum Gegenangriff über. "Unsere Mitarbeiter betreiben Finanzbildung, sie empfehlen keine einzelnen Produkte", erklärte Wolfgang Schuldzinski von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Für Norman Wirth ist das kein Argument. Er sieht in dem was Schuldzinski und Co betreiben keinen großen Unterschied zu dem was er und seine Verbandsmitglieder machen. "Wir wollen nicht, dass sich die Verbraucherzentralen auf diesem Feld zurückziehen, wir fordern gleiches Recht für alle, erklärt der AfW-Chef.

Schuldzinski hält dagegen, dass die Verbraucherzentralen ihre Kunden zwar gegen Gebühr beraten, aber keine Produkte verkaufen. Viele Finanzdienstleister von der Großbank bis zum freien Vermittler verdienen an den Provisionen, die sie beim Verkauf eines Produktes kassieren. Die Verbraucherzentralen sehen darin die Wurzel allen Übels.

Die Verlockung, immer das Produkt, mit der größten Provision zu verkaufen, sei nicht von der Hand zu weisen. Andere Gruppen, wie der Verbund deutscher Honorarberater, der inzwischen 354 Mitglieder zählt, fordern einen eigenen Berufsstand für Honorarberater. Darunter würde auch die Tätigkeit der Verbraucherzentralen fallen.

Wie dieser Beruf konkret aussehen könnte, ist noch offen. Das Verbraucherministerium in Berlin steht solchen Vorschlägen positiv gegenüber, ob der Druck reicht, dass Honorarberater einen Platz in der Gewerbeordnung bekommen und somit auch unter einer Aufsicht stehen, bleibt offen. Streitereien wie zwischen dem AfW und den Verbraucherzentralen dürften dann der Vergangenheit angehören und in offenen Wettbewerb umschlagen, sofern sich ein Teil der Finanzdienstleister auf das Geschäft der Beratung gegen Entgelt konzentriert.


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Was die Leser sagen

Peter Edinger
23.04.2010 | 12:32
Verbraucherzentralen als Honorarberater?

Die Verbraucherzentralen in ihrer Tätigkeit einzuordnen, ist auch nicht der entscheidende Punkt. Entscheidend ist:
Entweder wir benötigen in Deutschland eine Beratung, die staatlich subventioniert ist (z. B. weil die Bevölkerung Mängel im Wirtschaftswissen aufweist) oder wir benötigen sie nicht!
Falls ja - dann kann die geförderte Beratung nicht einzelnen (wie auch immer bestimmten) Stellen werden, sondern jede qualifizierte Beratung muss gefördert werden.
Falls nein - dann hat hier auch eine Verbraucherzentrale als subventionierter Berater nichts verloren.
Peter Edinger
Finanzplaner Deutschland - Bundesverband

(Kommentare 1-1 von 1)

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Quelle: FMH-Finanzberatung