Hartgesotten ist, wem bei solchen Bekenntnissen nicht das Herz aufgeht: "Ich habe eine Riester-Rente, und ich bin sehr glücklich damit", sagt Peter Schwark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Der Preis für dieses Glück ist ihm keineswegs zu hoch. Dass die Kosten für seinen Vertrag streckenweise über dem liegen, was er an Zuschuss für die Altersvorsorge vom Staat bekommt, stört ihn "überhaupt nicht". Dafür stört ihn, dass Kritiker immer wieder darauf herumreiten, dass Kosten für die Riester-Rente die Zulagen auffressen. "Dieser Vergleich ist eine Form von Irreführung", findet er.
Raum 4 im Haus der Bundespressekonferenz ist viel zu klein, es sind zu wenig Stühle für zu viele Gäste des GDV da. Schwark sitzt auf dem Podium, rechts neben ihm an die Wand projeziert steht die Losung des Tages: "...und sie lohnt sich doch. Die Riester-Rente. Warum sie sich für fast jeden rechnet. " Wer denn zu den wenigen gehört, für den sie sich nicht rechent, wird Schwark gefragt. Dazu fällt dem Mann, der sein Geld auch prima als Dieter-Thomas-Heck-Double verdienen könnte, nicht viel ein. Nur dass für manche ein Rürup-Vertrag besser ist.
Aber schließlich ist er auch nicht hier, um den Blick auf die verschwindende Minderheit derer zu lenken, die nichts von der Riester-Rente hat. Er und Johannes Lörper vom Mathematikausschuss des GDV wollen die Öffentlichkeit von der Rentabilität der Riester-Rente überzeugen. Ausgerechnet Lörper, Vorstand des Ergo-Lebensversicherers, der mit falsch ausgewiesenen Kosten bei der Riester-Rente in die Schlagzeilen geraten ist.
Immer wieder stellen Studien in Frage, dass die Riester-Rente für Anleger eine gute Sache ist. Zuletzt hatte eine Untersuchung des renommierten Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) für Wirbel gesorgt. Die vernichtende Kritik: Die Riester-Rente bietet eine schlechte Rendite, hat zu hohe Kosten und Kunden müssen uralt werden, damit sich die Anlage lohnt.
Ist ja alles gar nicht wahr, soll die Botschaft lauten. "Wir wollen gar nicht die Rechnungen selbst kritisieren", sagt Schwark. Ihm geht es um die Interpretation. "Unser Anliegen ist die individuell rational ökonomische Betrachtung." Die Zahlen des DIW stellen weder er noch Lörper in Frage. Vielleicht liegt das auch daran, dass der Lieferant dieser Zahlen, der Versicherungsmathematiker und neue Vorsitzende der Verbraucherorganisation Bund der Versicherten Axel Kleinlein unter den Journalisten sitzt. Er sagt kein Wort. Aber einen Angriff auf die von ihm mitverfasste Studie würde er sicher aus dem Stand parieren können.
Schwark und Lörper haben es gar nicht nötig, sich an den Zahlen der anderen abzuarbeiten. Sie haben eigene. Die hat der GDV mit Hilfe einer Maklersoftware ermittelt. Überraschung: Ob Singles, Alleinerziehende oder Familien, für alle rechnet sich die Riester-Rente. Für den einen etwas früher, für den anderen eben ein bißchen später. "Das DIW hat eine andere Sterblichkeitsannahme", erklärt Lörper die ziemlich gegensätzlichen Ergebnisse "lohnt sich" und "lohnt sich nicht".
Die Generalattacke versuppt im schrägen Wirrwarr von Modellrechnungen, bei denen der Normalverdiener mit 85 Jahren eine Rentabilität von 3,72 Prozent und die Alleinerziehende mit einem Kind den Breakeven einschließlich der Zulagen, die sie für ihr Kind länger als 20 Jahre bekommt, mit 74 Jahren erreicht. Die Riester-Rente soll sich nicht lohnen? 46 Charts des GDV sagen etwas anders. Man weiß nicht, ob es eine Drohung oder ein Versprechen ist, wenn Lörper als Konsequenz aus der Kritik an der Riester-Rente ankündigt: "Wir bemühen uns darum, für mehr Transparenz zu sorgen."
© 2011 ftd.de







