Mitten im deutschen Winter verleiten Asiens Reize zum Träumen. Vom Charme französischer Kolonialbauten in wohliger Wärme, von fremden Gerüchen, vom gegensätzlichen Nebeneinander von Stadt und Strand. Hier die quirlige Metropole Hanoi, in der Mopeds beladen mit vierköpfigen Familien samt Huhn durch die Straßen sausen und Rikschafahrer an jeder Kreuzung mit potenziellen Gästen feilschen. Dort Müßiggang auf feinem Sand am chinesischen Meer, den Sundowner am Pool zur Dämmerung.
Mit solchen Bildern lockt Vietnam längst nicht mehr nur erfahrene Globetrotter. Das südostasiatische Land mit der 3200-Kilometer-Küste avanciert zum neuen Trendziel deutscher Ferntouristen. Zumal Vietnam Airlines jetzt auch nonstop ab Frankfurt fliegt und Veranstalter wie Tui und Neckermann das Ziel im Programm führen.
Im tristgrauen Deutschland bietet schon die Planung der nächsten Reise Erholungswert. Zudem lohnt frühes Buchen für den Sommer. Entschlussfreudige, die ohnehin planmäßig in den Schul- oder Betriebsferien reisen, belohnen Veranstalter mit Rabatten von bis zu 35 Prozent (siehe: "Frühbucher"). Flexible, die spontan zugreifen können und Urlaub Marke Eigenbau bevorzugen, profitieren von kurzfristigen Spezialangeboten der Airlines (siehe: "Billigflüge"). Motto: Beim Flug gespart, ins Hotel investiert.
Frühbucher: Bis zu 35 Prozent Nachlass
Schnellentschlossene zahlen deutlich weniger als den Katalogpreis. Veranstalter gewähren Rabatte nicht allein Pauschalurlaubern, sondern auch Reisenden, die nur Einzelkomponenten wie Hotel oder Wohnmobil buchen.
Billigflüge: Aktionspreise für Langstreckentrips
Auch für Fernreisen bieten Fluglinien Sondertarife - meist nur kurzfristig und für bestimmte Termine zu buchen. Beispiele für günstige Non-Stop-Flüge.
Immer mehr Deutsche zieht es in die Ferne, nach Asien, Australien oder auf den amerikanischen Kontinent. Vier Millionen Urlauber flogen 2004 zu Zielen in Zigtausend Kilometer Entfernung, Tendenz steigend. Einen Wermutstropfen mischen die Veranstalter ins Programm der Sommersaison: Reisen wird teurer - bei Fernzielen bis zu fünf Prozent, unter anderem wegen der gestiegenen Kerosinpreise.
Bonussysteme. Noch immer sind Pauschalreisen, vom Spar- bis zum Luxussegment, die beliebteste Urlaubsform der Deutschen. "Viele bevorzugen diese Variante. Das wird auch in den nächsten Jahren so bleiben", sagt Professor Karl Born, Tourismusexperte an der Hochschule Harz. Wie schon im Vorjahr gilt die Gleichung: je früher die Buchung, desto günstiger. Den Vergleich machen Reiseveranstalter ihren Kunden allerdings nicht leicht. Jeder entwirft sein eigenes Zeit- und Rabattmodell und definiert Frühbucher ganz nach Gusto.
So lockt FTI mit einem Bonussystem mit fixen Terminen. Der Superfrühbucherrabatt bis Ende Januar bringt bis zu 18 Prozent auf den Katalogpreis. Wer sich bis Ende April entscheidet, spart bis zu 12 Prozent. Konkurrent Tui gewährt bis Ende März maximal 15 Prozent, in einigen Hotels sogar noch bis 60 Tage vor Abreise.
Karibische Lebensfreude genießen Frühbucher zum Beispiel auf Kuba, wo Jogger in Havanna gemächlich über die Uferstraße Malecón traben und sich am Hafen mit einem Mojito belohnen. Regulär zahlt ein Paar für zwei Wochen 3310 Euro, wenn es Anfang August mit FTI von Frankfurt nach Kuba ins Barcelo Solymar Beach Resort in Varadero fliegt. Wer vor Mai bucht, spart 464 Euro. Geld, mit dem sich leicht drei Katamaranausflüge und eine tägliche Golfstunde finanzieren lassen.
Sensationell günstig verreisen Fußballmuffel. Sie genießen, der Weltmeisterschaft sei Dank, zum Teil mehrfache Preisvorteile: Um der Buchungsflaute während der WM vorzubeugen, senken viele Touristikkonzerne den Basispreis für Junireisen- auf Nebensaisonniveau, Hotels bieten Sonderkonditionen. Rabatte für Frühbucher kommen obendrauf. Wer während der WM etwa zwei Wochen mit Thomas Cook Reisen in Brasilien verlebt, zahlt als Paar im Hotel Praia do Forte Eco im Komfortdoppelzimmer statt 4530 nur 3648 Euro.
Die Großzügigkeit hat ihren Grund. Die WM könnte, sorgen sich die Reiseveranstalter, die Saison verhageln. "30 Prozent der Fußballbegeisterten würden die Spiele am Liebsten zu Hause verfolgen", sagt Tui-Deutschland-Chef Volker Böttcher. Fast alle Veranstalter steuern gegen, um auch Fußballfans in die Ferne zu locken. Mit Gratisausflügen und Live-Spielen auf Großleinwänden wollen etwa ITS, Jahn Reisen, LTU und Tjaereborg die Deutschen auch während der heißen Fußballphase gewinnen.
Ohnehin ändern sich die Reisegewohnheiten. Statt zwei oder drei Wochen an einem Ort zu verbringen, wollen immer mehr Urlauber flexibel sein - eine Woche Tour durchs Land, eine Woche Strand. "Gerade Fernreisende haben oft individuelle Vorstellungen", sagt Tourismusexperte Born. Reisen nach dem Baukastenprinzip heißt die Lösung. Im Sommer 2006 weiten fast alle Veranstalter ihr Geschäft damit aus.








