01.11.2006

Foto: capital.de

Kfz-Versicherung

Mehr Leistung

von Jens Hagen

Noch bis Ende November können Autobesitzer ihre Kfz-Versicherung kündigen. Wer ein teures Fahrzeug besitzt, sollte beim Wechsel allerdings nicht vorrangig auf die Prämie achten.

Eigentlich dürften Fahrer der neuen S-Klasse keine Unfälle mehr verursachen. Infrarotsensoren machen den Straßenverlauf, den das Fernlicht nicht mehr ausleuchtet, auf einem Bildschirm sichtbar. Der Bremsassistent Plus erfasst mit Radartechnik den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und reduziert bei Bedarf selbstständig das Tempo. Details wie ABS, ESP oder Einparkhilfen sind selbstverständlich.

Doch aller Sicherheitstechnik zum Trotz gibt es für ein solches Fahrzeug längst nicht überall den angemessenen Versicherungsschutz. Zwar zeigt sich die Assekuranz in dieser Wagenklasse noch nicht so sperrig wie etwa im Falle eines Maybach, Ferrari oder Rolls-Royce. Denn diese sind auf dem regulären Markt praktisch gar nicht unterzubringen, sondern nur bei einer winzigen Zahl von Spezialisten. Doch selbst bei so profanen Nobelkarossen wie BMW 7er, Audi A8, Porsche 911, Jaguar XK oder eben der Mercedes S-Klasse winkt fast jeder zweite der rund 100 Kfz-Versicherer dankend ab. „Das Risiko von Schäden über Zehntausende Euro ist vor allem den reinen Direktanbietern oft zu hoch“, sagt Ivana Höltring. Die Chefin der Unternehmensberatung Nafi analysierte die Tarife am Beispiel des Mercedes S500. Quintessenz: Prämien und Leistungen klaffen ähnlich auseinander wie die Bereitschaft, derartige Autos überhaupt zu versichern. Obwohl auch teure Tarife wichtige Zusätze wie etwa die Neuwertentschädigung oder eine Leistung bei grober Fahrlässigkeit bisweilen ausgrenzen, liegen sie bis zu 1340 Euro jährlich über dem günstigsten Komplettangebot.

Autofahrer, die viel Geld für wenig Leistung bezahlen, können noch bis 30. November ihre Versicherung zum Jahreswechsel kündigen und die Gesellschaft wechseln. Für Besitzer hochwertiger Fahrzeuge zahlt sich ein reiner Preisvergleich allerdings nicht aus. „Wer sich ein 100000 Euro teures Auto leistet, sollte auch das Kleingedruckte prüfen“, rät Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Einige Billigtarife, aber auch als Komfort, Ideal oder Plus bezeichnete Angebote grenzen elementare Leistungen aus.

Die Basistarife von DAS, Hamburg-Mannheimer und Victoria zum Beispiel zahlen für Personenschäden maximal vier Millionen Euro. „Acht Millionen Euro sollten für jeden Fahrer das absolute Minimum sein“, erklärt Weidenbach. Damit nicht genug: Trotz gut 1000 Euro Jahresprämie für den Mercedes S500 fehlen in diesen drei Tarifen die meisten der für Oberklassefahrer relevanten Zusatzleistungen.

Anders bei der Versicherungskammer Bayern. „Für nur 900 Euro Jahresprämie erhalten Mercedes-Fahrer einen soliden Premiumschutz“, erklärt Höltring. Als elementar stuft die Expertin zum Beispiel die Klausel „Neu für alt“ ein. Sie greift etwa, wenn nach einem Unfall das Fahrzeug neu lackiert werden muss. Bei dem S500 kostet ein Metallic-Anstrich der Fahrerseite schnell 3000 Euro. Ohne diese Klausel berechnen Versicherer oft Abschläge für bis zu drei Jahre alte Kratzer. Der Kunde bleibt dann schnell auf einem Teil seiner Rechnung sitzen. Ebenso knauserig gebärden sich viele Gesellschaften bei Sonderausstattungen. Einige Versicherungen zahlen etwa für Navigationsgeräte, Stereo- und Mobilfunkanlagen überhaupt nichts, andere dagegen ohne Limit.

Neuwagenkäufer sehen zudem schnell alt aus, wenn in ihrer Police die Klausel „Neuwertentschädigung“ fehlt. Dann zahlt der Versicherer nach einem Totalschaden oder Diebstahl nur den Zeitwert. Nach einer Prognose von Eurotaxschwacke verliert der Mercedes S 500 im ersten Jahr rund 45 Prozent an Wert, das sind inklusive Sonderausstattungen schnell 40000 Euro.

Käufer, die einen Tarif mit Neuwertklausel wählen, erhalten den Neupreis erstattet. Je nach Gesellschaft umfasst der Schutz sechs bis 24 Monate nach Erstzulassung. Einige Versicherer zahlen allerdings nur nach einem Totalschaden, nicht aber bei Diebstahl, den vollen Preis.

Unterschiedlich definieren die Gesellschaften auch die Mallorca-Police. Der Zusatz soll Deckungslücken bei Unfällen mit Mietwagen im Ausland schließen. „Rund die Hälfte der Versicherer begrenzt jedoch die Haftungssummen im Ausland stärker als im Inland“, sagt Höltring. „Auch die Mallorca-Police sollte bei Personenschäden mindestens acht Millionen Euro übernehmen.“

Als Falle kann sich auch so manche der rund 40 Rabattofferten erweisen. Viele Versicherer reduzieren zum Beispiel die Prämie, wenn der Kunde sein Auto nur in vorgegebene Werkstätten bringt. Die Huk senkt dafür den Beitrag um bis zu 15 Prozent. Verstößt der Versicherte aber gegen die Werkstattbindung, ersetzen die Coburger nur 85 Prozent der Rechnung. Es gibt auch kuriose Rabatte: Immerhin knapp 20 Prozent Beitragsbonus gewährt die Zurich neuerdings – allerdings nur gewissenhaften Fahrern, deren Flensburger Verkehrssünderdatei punktefrei ist und die auch tagsüber mit Licht unterwegs sind. Fährt der Versicherte ohne Licht und verursacht einen Unfall, muss er einen Jahresbeitrag zusätzlich überweisen. In diesem Fall lässt die Zurich selbst die modernste Sicherheitstechnik im Wagen nicht als Ausrede gelten.


© 2006 capital.de

Schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel


Ihre Meinung

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird nicht veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar


 
 
Capital - Suche
 
Alle Zinsen auf einen Blick
Wo Sie günstig finanzieren können und welche Anbieter Sparern die höchsten Renditen bieten.
ProduktMittel-
wert
Spanne
Baugeld (10 Jahre fest)2,79%2,53-4,90%
Tagesgeld (5.000 Euro)1,44%0,19-3,00%
Festgeld (12 Monate)1,51%0,50-3,00%
Sparbriefe (4 Jahre)1,65%0,45-3,25%
Girokonto (Dispo)11,03%5,50-13,81%
Ratenkredite (36 Monate)6,82%4,33-11,99%
Quelle: FMH-Finanzberatung