21.02.2007
Seite  1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 …

Hilmar Reber
Hilmar Reber
Foto: Michael Dannenmann

Immobilien

Häuserkampf

Zwischen Mietern und Vermietern wird gestritten wie nie zuvor. Wer auszieht, wird noch mal kräftig zur Kasse gebeten, etwa bei Schönheitsreparaturen. Auf der anderen Seite steigt die Zahl zahlungsunwilliger Mieter. Und aktuell sorgen Nebenkostenabrechnungen wieder für zähe Auseinandersetzungen. Sogar die Politiker spüren, dass etwas im Argen liegt, wollen das Mietrecht erneut reformieren. Das Capital-Dossier schildert spektakuläre Fälle und zeigt - oft unkonventionelle - Lösungen.

Der Vermieter

 

Zahlt ein Mieter nicht, steht für Eigentümer viel auf dem Spiel. Geld, Zufriedenheit - manchmal sogar die Gesundheit.

„Der Sänger machte einen guten Eindruck, intelligent, weltoffen, gut gekleidet“, erinnert sich Hilmar Reber, Vermieter aus Köln. Ein Honorarvertrag der TVProduktionsfirma Endemol über 5000 Euro ließ den Wohnungsinteressenten solvent erscheinen. „Er wollte sogar die Küche renovieren und trällerte mir ein Liedchen vor“, erzählt Reber. Die private Vorstellung im Hausflur blieb aber die einzige positive Erinnerung an den Künstler, der als BackgroundStimme von Michael Jackson oder Robbie Williams glänzte. „Er zahlte sechs Monate keine Miete, von der Kaution ganz zu schweigen“, so Reber.

Das war nicht einmal das Schlimmste. Der Mieter zapfte wild Stromkabel an, als die Stadtwerke ihm den Saft abstellten. „Dreimal war die Abwasserleitung mit Katzenstreu verstopft“, sagt Reber. „Die Tiere erledigten ihr Geschäft auf dem Teppich.“ Mehr als 6000 Euro für Mietausfall, Renovierung und Anwalt berappte der Mittfünfziger. Viel Geld und doch kam er vergleichsweise günstig davon: Im Schnitt verursacht ein Mietnomade laut Eigentümerverband Haus & Grund über 20000 Euro Kosten. Einnahmeausfälle durch zahlungsunwillige oder unfähige Mieter durchkreuzen die Rechnungen Zigtausender Eigentümer. 2,2 Milliarden Euro fehlten 2005 in den Kassen der Hausbesitzer, zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Säumige Zahler kosten die Eigentümer aber nicht nur Geld, sie zehren zudem an ihren Nerven – so auch bei Vermieter Reber. Der Musiker war der dritte Mietnomade, der ihm das Leben schwer machte. Ein Koch demolierte eine Wohnung total. „Wir hatten Angst, dass er unseren Töchtern etwas antut“, sagt Reber.

Dabei könnte alles so einfach sein. Der Vermieter hat eine nette Familie, reist gerne und sammelt alte Fotoapparate, die Immobilien sorgen für ein gutes Auskommen. „Zieht aber ein Betrüger ein, verbringe ich Stunden beim Anwalt oder auf der Polizeiwache“, so Reber. Verzweifelt versuchte er, mit dem Gegner im eigenen Haus Kontakt aufzunehmen – ohne Erfolg. Von keinem Mietpreller sah er auch nur einen Cent. Reber: „Am Ende geht es nur noch darum, dass er auszieht.“ So gesehen hatte er mit dem Sänger Glück. Der zog bei Nacht und Nebel um. In der nächsten Wohnung blieb er zehn Monate, ohne zu zahlen. Auf Nachfragen des neuen Vermieters schickte er giftige EMails: „Sie haben keine Ahnung, wozu ich fähig bin und Sie wollen es niemals herausfinden!“


Was die Leser sagen

Frank Blaufuß
05.08.2007 | 10:37
...doch nicht für Geld

Ich weiß wohl, daß man für solche Auskünfte auch bezahlen kann,mein Gedanke war es, direkt vom Mieter die Adresse des vorherigen Vermieters zu erhalten, um überhaupt erst ein Treffen zur Wohnungsbesichtigung zu organisieren.
Wo diese Bereitschaft seitens des Mieters nicht da ist, verfällt auch sofort das Interesse einer Vermietung.
Das verkleinert zwar die Quantität der Mietinteressenten, schließt aber Betrüger weitgehend aus.
In der Praxis geht diese Prüfung sogar noch weiter, was durch die Bedeutung des Vertragsverhältnisses auch gerechtfertigt ist.
Ich habe seit mehr als 10 Jahren ohne Ausfälle meine Miete aus vier ETW in einer ostdeutschen Großstadt eingenommen und werde auch weiterhin bei einem Mieterwechsel die Information, die ich für wichtig halte, abfordern.

j.meyer
10.07.2007 | 19:08
abzocke

kann mich meinem vorschreiber nur anschliessen...abzocke...ich hab es versucht erfolg gelich null, mieter hat ihn sogar durschaut!!!!

ramboentmieternepperhasser
09.05.2007 | 20:18
arme vermieter

dem ist wohl keine masche zu peinlich sowieso schon strapazierte vermieter nochmals abzukassieren...sowas lächerliches funktioniert NIEMALS bei einem "echten" mietnomaden, der macht sich nicht vor angst sondern vom lachen in die hose, zückt das handy und ruft die polizei! einige vermieter müssen echt verzweifelt sein, um so eine lachnummer mit 600 euro zu finanzieren.

Herr Frank Blaufuß
03.03.2007 | 22:32
Schutz vor Mietnomaden

Ein wirklich großes Problem sind hierzulande die Mietnomaden, zumal Mietrenditen und Steuervorteile momentan sehr gering sind, selbst wenn ein Objekt störungsfrei verwaltet werden kann.
Ich hoffe, daß es eines Tages zum Standard wird, von jedem potentiellen Mietinteressenten eine Art Führungszeugnis vom Vorvermieter verlangen zu können und daß Vermieter wiederum dahingehend auch zusammenarbeiten werden.
Der geschäftliche Erfolg der Vermietung sollte in dieser einen Frage der Konkurrenzsituation übergeordnet sein.
Aber auch die Fairness des Vermieters, einen langjährigen zuverlässigen Mieter auch das verdiente Zeugnis auszustellen, ist hier gefragt und zwar auch dann, wenn es noch so schwer wird, einen guten Folgemieter zu finden.

(Kommentare 1-4 von 4)

Ihre Meinung

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird nicht veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar


 
 
Capital - Suche
 
Alle Zinsen auf einen Blick
Wo Sie günstig finanzieren können und welche Anbieter Sparern die höchsten Renditen bieten.
ProduktMittel-
wert
Spanne
Baugeld (10 Jahre fest)3,03%2,68-4,90%
Tagesgeld (5.000 Euro)1,72%0,23-3,00%
Festgeld (12 Monate)1,81%0,75-3,16%
Sparbriefe (4 Jahre)1,89%0,60-3,50%
Girokonto (Dispo)11,24%5,50-14,50%
Ratenkredite (36 Monate)6,98%4,70-11,61%
Quelle: FMH-Finanzberatung