In diesem Frühjahr wechselte Bert Rürup zum Finanzvertrieb AWD. Aber er muss nicht etwa am Konzernsitz in Hannover arbeiten. Deutschlands wohl bekanntester Ökonom leitet ein AWD-Forschungszentrum in bester Frankfurter Innenstadtlage.
Herr Rürup, zu Ihren Lieblingsfilmen soll „Das Beste kommt zum Schluss“ mit Jack Nicholson zählen. Stimmt das?
Ja, warum?
Wir nehmen an, dass der Filmtitel auf Sie zutrifft, zumindest finanziell. Durch den Wechsel zu AWD verdienen Sie doch sicher mehr als zuvor.
Aha, Sie wollen eine Neiddebatte führen – bitte schön! Als Professor hatte ich aufgrund mehrerer Rufe ein gutes Gehalt für einen Hochschullehrer. Ich müsste aber lügen, wenn ich sagen würde, dass mein derzeitiges Arbeitseinkommen nicht merklich höher ist.
Das hätten wir gern konkret.
Meine Frau kennt mein Einkommen. Darüber hinaus geht es nur meinen Steuerberater und mein Finanzamt etwas an.
Sie genießen in der Öffentlichkeit großes Ansehen. AWD hat hingegen einen zweifelhaften Ruf. Mitarbeiter sollen vorwiegend Verwandte und Freunde als Kunden akquirieren. Die Beratung soll oftmals rein provisionsgetrieben sein und die Bedürfnisse der Kunden vernachlässigen.
Ich bin in den AWD des Jahres 2009 eingetreten. Warum glauben Sie, dies mit aufgewärmten Vorwürfen kritisieren zu müssen, die 20 Jahre zurückliegen?
Einspruch! Vor Kurzem hat ein Reporter der Wochenzeitung "Die Zeit", getarnt als Student, bei AWD gearbeitet und die Vorwürfe bestätigt.
Bestätigt wurde, dass der AWD seine Berater einem harten Auswahlprozess unterzieht, bevor sie ausgebildet werden. Damit hatte der Student ein Problem – und das ist gut so. Dass potenziellen Kunden die falschen Produkte verkauft wurden, habe ich in diesem Artikel nicht gelesen. Aber bekanntlich ist es ja mit dem Hinweis auf einzelne Fehlleistungen einfacher, kritisch zu berichten. Angesichts der hohen Zufriedenheit der mehr als zwei Millionen AWD-Kunden kann die Quote der Fehlberatungen nicht sehr hoch sein. Der harte Wettbewerb unter den Finanzdienstleistern würde dies sanktionieren. Die Bankberatung scheint mir im Übrigen stärker in der Kritik zu sein als die Beratung durch die freien Vertriebe.
Lassen Sie sich von AWD beraten?
Nein. Das Geschäftsmodell des AWD besteht darin, den Normalverdiener kompetent in Finanzfragen mit dem Ziel „mehr netto“ zu beraten. Zu dieser Zielgruppe zähle ich nicht – nicht zuletzt auch aufgrund meines Alters.
Managen Sie Ihr Vermögen etwa selbst?
Nein, zumindest solange ich noch voll berufstätig bin. Ich verteile meine Mittel auf drei Banken. Die Depots werden nach den gleichen, von mir vorgegebenen Kriterien verwaltet. Ich lasse die Betreuer gegeneinander laufen. Am Ende eines Jahres sanktioniere ich bei größeren Performanceabweichungen durch Umschichtungen in das erfolgreichste Depot. Es ist schon zweimal eine Bank komplett rausgeflogen und dafür eine andere reingekommen. So ist das nun einmal in einer Marktwirtschaft.
Welche Rendite erreichen Sie auf diese Art?
Bis zum letzten Jahr, also vor Start der Abgeltungsteuer, lag meine Benchmark bei drei Prozent nach Steuern. Das hört sich wenig an, meinen Depotbetreuern hat es aber verdammt zu schaffen gemacht, diesen Zielwert nachhaltig zu erreichen. Mal lag man darüber, oft darunter. Meine Erfahrung ist: Vermögen aufbauen kann man in erster Linie durch Erwerbsarbeit und Sparen. Durch die reine Verwaltung eines Vermögens schafft man selten mehr, als den realen Wert zu erhalten.
Was sind Ihre Depotvorgaben?
Der prozentuale Aktienanteil soll im Durchschnitt 80 abzüglich meines Lebensalters betragen. Die Quote entspricht meiner Sicherheitsorientierung. Außerdem habe ich keine Kinder, will also nicht unbedingt etwas vererben. Dann investiere ich einen größeren Prozentsatz in Industrieanleihen und Staatsanleihen mit gestaffelten Laufzeiten. Dazu kommt ein kurzfristig disponibler Teil, der beträgt etwa ein Jahresgehalt, wie ich es als Professor hatte.
Welche Titel halten Sie derzeit?
Bei den Aktien sind es Versorger wie RWE und E.on, bei den Industrieanleihen Thyssen, Daimler und BMW sowie etwas Telekommunikation – aus dem Chemiebereich Evonik.








