29.04.2010
Die Schäden durch teure Fremdabhebegebühren sind immens.
Die Schäden durch teure Fremdabhebegebühren sind immens.
Foto: capital.de
Investor-Artikel

Altersvorsorge

Teure Riester-Verträge kosten Milliarden

von Martin Reim

Verbraucherschützer haben hochgerechnet: Verluste durch überteuerte Riester-Verträge können sich bundesweit auf Milliardensummen addieren. Doch auch andere Finanzdienstleistungen kommen die Kunden teuer zu stehen.

Finanzielle Schäden in Höhe von über 700 Millionen Euro entstehen den Verbrauchern jährlich durch ineffiziente Riester-Verträge, zu hohe Dispozinsen und Fremdabhebegebühren. Das haben Stiftung Warentest und Verbraucherzentrale Bundesverband errechnet.

Bei der privaten Altersvorsorge seien die finanziellen Schäden für Verbraucher besonders dramatisch, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung beider Organisationen. Vergleiche der Stiftung Warentest zeigten, dass viele Riester-Produkte zu teuer seien. „Fällt die durchschnittliche Rendite dadurch nur ein Prozent niedriger aus, sind die Verluste enorm.“ Beziehe man dies auf die staatlichen Zulagen in Höhe von sechs Milliarden Euro, die bis einschließlich 2009 gezahlt wurden, summierten sich die Verluste für die Verbraucher auf 115 Millionen Euro. Nehme man weiter eine konstante Zulagen-Summe von 2,5 Milliarden Euro pro Jahr an, so wüchsen die Verluste bis 2020 auf mehr als drei Milliarden Euro, bis 2030 sogar auf über 11 Milliarden Euro. Ein Vertreter von Stiftung Warentest sagte auf Anfrage, man habe die Zulagen als Basis der Berechnungen gewählt, weil für die Gesamt-Einzahlungen keine Daten vorlägen.

Überhöhte Dispozinsen

In der Mitteilung heißt es weiter, ein zusätzliches Ärgernis seien überhöhte Dispozinsen. Die Banken kommen derzeit besonders günstig an Geld. Betrug der Leitzins der Europäischen Zentralbank im September 2008 noch 4,25 Prozent, so lag er im Februar 2010 nur noch bei einem Prozent. Dagegen sanken die durchschnittlichen Zinsen für Überziehungskredite an private Haushalte im gleichen Zeitraum nur von 11,98 auf 10,28 Prozent. Die Differenz zwischen der Absenkung des Leitzinses und der Dispozinsen beträgt demnach 1,55 Prozentpunkte. Das Kreditvolumen lag im Februar 2010 bei rund 41,8 Milliarden Euro. Bezogen auf diese Summe entsteht den Verbrauchern ein finanzieller Schaden von etwa 650 Millionen Euro im Jahr.

Auch die Schäden durch teure Fremdabhebegebühren seien immens. Laut Europäischer Zentralbank heben Verbraucher in Deutschland pro Jahr rund zwei Milliarden Mal Geld am Automaten ab. Unterstellt man ein Prozent Fremdabhebungen, so finden jährlich 20 Millionen Transaktionen statt, bei denen Gebühren anfallen. Die Kosten für eine Fremdabhebung betragen mittlerweile durchschnittlich sieben Euro. Geht man davon aus, dass die tatsächliche Belastung der Banken bei maximal zwei Euro liegt, so entsteht den Verbrauchern pro Abhebung ein Schaden von fünf Euro. Hochgerechnet auf alle Transaktionen sind das 100 Millionen Euro pro Jahr.

Verbraucherschützer sehen Finanzaufsicht gefordert

„Um solchen Fehlentwicklungen entgegenzuwirken“, fordern die beiden Organisationen, den Verbraucherschutz in der Finanzaufsicht zu verankern. Es reiche nicht allein, vernünftige Gesetze zu machen, erklärt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift Finanztest. „Die Einhaltung der Gesetze muss gerade auch bei Finanzprodukten kontrolliert werden. Schließlich hat der Kunde kaum eine Chance, die Versprechungen der Anbieter selbst auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen.“ Ende 2008 hatte das Bundesministerium für Verbraucherschutz eine Studie vorgestellt, wonach schlechte Finanzberatung in Deutschland jährlich bis zu 30 Milliarden Euro verschlingt.


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Quelle: FMH-Finanzberatung