10.06.2010
Alles nur Panikmache? Kritiker zweifeln an der Objektivität der Studie.
Alles nur Panikmache? Kritiker zweifeln an der Objektivität der Studie.
Foto: Getty
Investor-Artikel

Altersvorsorge

Studie warnt vor wachsender Rentenlücke

von Martin Reim

Riestern reicht nicht aus - wir müssen mehr sparen, um unseren Lebensstandard im Rentenalter zu halten, warnt eine Studie. Hauptgrund: Leistungen für Senioren werden immer teurer. Doch manche halten die Untersuchung für parteiisch.

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) hat vor einer immer größeren Rentenlücke gewarnt. Nur wer konsequent fürs Alter zurücklege und damit schon in jungen Jahren beginne, könne die sonst drohenden Kaufkraftverluste ausgleichen, zitiert die Nachrichtenagentur DPA aus einer Studie. Mieter sollten neun Prozent des Bruttoeinkommens zusätzlich sparen, Wohnungseigentümer acht Prozent, empfiehlt eine vom DIA in Auftrag gegebene Studie. Hinter dem DIA steht die Deutsche Bank.

Der Untersuchung zufolge dürfte die Kaufkraft der gesetzlichen Rente durch Zusatzbelastungen im Alter bei Gesundheit und Pflege weitaus stärker schrumpfen als die Einkommen der Bevölkerung. Um den Lebensstandard eines Rentnerpaares zu halten, das heute nach Abzug von Abgaben und Steuern über 1700 Euro im Monat verfügt, müsse 2030 eine privat ersparte Rente von brutto bis zu 329 Euro hinzukommen.

Selbst dies werde aber nicht reichen, meinen die Autoren der Studie, da nach ihrer Einschätzung die Preise für "rentnerspezifische Güter und personalintensive Dienstleistungen" schneller steigen werden als die durchschnittliche Inflationsrate. Dies reiße eine bislang unbeachtet gebliebene "bedeutende neue Einkommenslücke in den Geldbeutel der künftigen Rentner". Das auszugleichende Minus erhöhe sich damit um weitere 179 Euro im Monat. Durchschnittsverdiener könnten diese Kluft nur schließen, wenn sie regelmäßig bis zu 8,4 Prozent des Bruttoeinkommens fürs Alter auf die hohe Kante legten.

Was die Kritiker monieren

Kritik an der Studie kam vom Träger der gesetzlichen Rentenversicherung, der Deutschen Rentenversicherung Bund. Die der Studie zu Grunde gelegten Annahmen über die künftige Preisentwicklung "erscheinen mehr oder weniger willkürlich", heißt es in einer Mitteilung. Mit jeder neuen Studie des DIA nehme der Prozentsatz des Bruttoeinkommens zu, der zum Ausgleich der vorgesehenen Senkung des Renteniveaus der gesetzlichen Rente für die private Vorsorge verwendet werden solle. "Offenbar sind die Illusionen über die vermeintlich höhere Leistungsfähigkeit der privaten Vorsorge inzwischen verflogen."

In die gleiche Kerbe schlägt Matthias W. Birkwald, rentenpolitischer Sprecher der Linken-Fraktion im Bundestag. Das DIA liege zwar richtig, wenn es von Versorgungslücken und drohender Altersarmut spreche. Falsch sei jedoch die Folgerung, mehr private Altersvorsorge solle die Versorgungslücke schließen. "Das ist eine fatale Suchtlogik: Die erhoffte Wirkung bleibt aus, verkehrt sich in das Gegenteil, und der Dealer empfiehlt, einfach die Dosis zu erhöhen." Immerhin hätten erst die Riester-Reformen zu den jetzt beklagten Zuständen geführt. Der Vorschlag mache deutlich, in wessen Interesse das DIA agiere, so Birkwald weiter. Er verwies auf die Trägerschaft der Deutschen Bank und einiger Tochtergesellschaften.


Quelle: boerseonline
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Quelle: FMH-Finanzberatung