Der laufende Aufschwung mildert die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftkrise auf die Altersversorgung. Das zeigt eine Studie des Forschungszentrums Generationenverträge an der Universität Freiburg. Wenn das Tempo der Konjunkturerholung anhielte, so die Kalkulationen, würden die Auszahlungen aus der gesetzlichen Rente bis zum Jahr 2050 um lediglich 1,5 Prozent sinken. In absoluten Zahlen und inflationsbereinigt wären das etwa 100 Mrd. Euro. Bislang hatten die Forscher ein Minus von 2,5 Prozent erwartet und im schlimmsten Fall sogar mit einem Abschlag von 5,5 Prozent gerechnet. Die Auszahlungen sinken im Zuge der Finanzkrise, weil die Rentenbeiträge angesichts der geschrumpften Lohnsumme nach unten gehen
Anlass für Zuversicht gibt es auch in puncto Verluste bei der kapitalgedeckten Altersvorsorge von Privatleuten. Bislang rechnen die Freiburger Forscher mit Einbußen von knapp sechs Prozent. Im bestmöglichen Szenario ergeben sich hier nur noch Abschläge von drei Prozent. Allerdings werden hier - im Zuge des Wirtschaftsaufschwungs - überdurchschnittliche Renditen an den Kapitalmärkten in den Jahren 2010 und 2011 vorausgesetzt. Rechnet man den Immobilienbesitz ein, fallen die Verluste bei der privaten Vorsorge noch kleiner aus.

Basis der Kalkulationen ist für den optimistischen Fall ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,2 Prozent für 2010 und von 2,7 Prozent für 2011. Zum Vergleich: Von April bis Juni hatte die deutsche Wirtschaft gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,1 Prozent zugelegt - so stark wie seit dem Jahr 1987 nicht mehr. Mehrere Wirtschaftsforscher und Bankvolkswirte erwarten nun für das Gesamtjahr ein Plus von etwa drei Prozent.
Johannes Vatter, einer der Autoren der Studie, betont allerdings: "Ich warne davor, die Quartalszahlen überzubewerten." Die Nachhaltigkeit des jetzigen Aufschwungs müsse sich erst noch erweisen. Zudem werde sich das Wachstumstempo aller Voraussicht nach im kommenden Jahr sowieso abschwächen. Der Leiter des Forschungszentrums, der Freiburger Professor Bernd Raffelhüschen, fügt an, selbst bei den ursprünglichen Annahmen seien die Verluste für die Altersversorgung "überschaubar". Heutige Entscheidungen der Politik seien für die zukünftigen Renten viel bedeutsamer, als die Finanzkrise es je sein könne.
Hans Joachim Reinke, Chef der Fondsgesellschaft Union Investment, warnt davor, sich von Wertpapieren als Altersvorsorge zu verabschieden - trotz der Verluste im Zuge der Finanzkrise. "Wer die notwendigen Realrenditen erzielen will, kommt auch zukünftig nicht ohne die Aktienanlage aus", sagte Reinke. Union Investment hatte die Studie in Auftrag gegeben.
Quelle: ftd
© 2010 capital.de







