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05.11.2010
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Die Konditionen der Verträge sind nur schwer zu durchschauen
Die Konditionen der Verträge sind nur schwer zu durchschauen
Foto: Dieter Braun

Altersvorsorge

Im Blindflug mit der Riester-Rente

Wer einen staatlich geförderten Vertrag abschließt, bindet sich für Jahrzehnte. So sinnvoll es ist, privat vorzusorgen, so riskant ist es auch: Die Gebühren sind intransparent, die Kosten hoch. Sparer sehen da schnell älter aus, als sie sich fühlen. Capital hat die Riester-Fallen aufgedeckt.

Wer in diesen Tagen mit Walter Riester spricht, erwischt ihn schon mal im Waschsalon – und erfährt zwei Dinge. Erstens: Riester findet, er habe alles in allem gut für mehr Transparenz gekämpft. Und: Er ist ständig unterwegs und hält Vorträge, um mehr Menschen zur privaten Vorsorge zu überreden.

Die andauernden Vorwürfe, die Riester-Rente sei kompliziert und undurchsichtig, ärgern ihn. "Die Altersvorsorge ist heute viel transparenter, als sie je war", sagt der ehemalige Bundesminister, der einer ganzen Produktpalette seinen Namen gegeben hat.

Seit zehn Jahren ist die Riester-Rente auf dem Markt und soll den Deutschen helfen, privat fürs Alter vorzusorgen. Zeit für eine Bilanz. Das Bundesfinanzministerium gab unlängst beim Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) eine Untersuchung in Auftrag, um zu prüfen, inwieweit das Modell seinen Zweck erfüllt.

Ergebnis: eine Mängelliste von 342 Seiten. "Die gegenwärtige Transparenz auf dem Markt für Riester-Produkte wird insgesamt als unzureichend eingeschätzt", lautet ein Fazit der Studie. Kein gutes Zeugnis für das Produkt, das die Alterseinkünfte der Deutschen sichern soll und dafür einfach gestrickt sein müsste.

13,9 Millionen Riester-Verträge gab es Ende Juni. Vor fünf Jahren waren es erst 5,6 Millionen, 2001 nur 1,4 Millionen. Die Politik verbucht diese Zahlen als Erfolg. Was sie bislang verschweigt, legt die ZEW-Studie offen: Viele Menschen versäumen es, die Staatsförderung zu beantragen. Und nicht alle zahlen ihre Beiträge bis zum Ende der Ansparphase. Die meisten Bürger können auf Nachfrage nicht einmal genau sagen, was für ein Riester-Produkt sie eigentlich nutzen.

Versicherung, Fondssparplan, fondsgebundene Versicherung, Banksparplan? Investiert wird oft im Blindflug.

Die Kosten? Keine Ahnung

Hinzu kommt ein anderes Problem: Was Riester kostet, weiß keiner so genau. Die Verbraucherschützer bemängeln das seit Jahren; die Bundesregierung hat es nun schriftlich. Das Finanzministerium will die Ergebnisse nicht kommentieren: "Die Auswertung und Prüfung der Ergebnisse, die auch im Ressortkreis zu diskutieren sein werden, dauern noch an."

Dabei wären konkrete Maßnahmen dringend notwendig – darüber sind sich die Autoren der Studie und sogar die Anbieter von Riester-Produkten längst einig. "Wir sollten uns stärker am Informationsbedarf der Sparer orientieren", heißt es selbstkritisch beim Gesamtverband der deutschen Versicherer. "Selbst wenn die Förderstruktur sorgfältig erklärt wird, ist sie für viele Kunden schwer zu verstehen", sagt Johannes Lörper, Vorstand der Ergo Lebensversicherung. Auch Fondsanbieter berichten von Schwierigkeiten, wenn sie ihren Kunden die komplexen Produkte erläutern.


Was die Leser sagen

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Finanzmakler Christoph Durwen
06.12.2010 | 09:50
Endlich mal Aufklärung

Ich bin Versicherungsmakler und habe noch nie eine Riester Rente verkauft. Danke an Capital für diesen Artikel! Ich habe mit spezieller Software viele Familien real durchgerechnet. Die Riester Rente lohnt sich für den Kunden fast nie. Auch nicht bei hoher Steuererstattung! Wer als Makler Riester verkauft, macht sich schadenersatzpflichtig gegenüber seinem Kunden, denn er muss sich selbst ausreichend informieren (z.B. über diesen Artikel), und in Kurzform seinem Kunden alle wichtigen Vor- und Nachteile nennen. Wenn er das tut, kauft kein Kunde mehr... Riester dient außerdem über Anleihenkauf (um die Garantie darzustellen) überwiegend dazu einen Teil der deutschen Staatsschulden zu finanzieren.
Viele Grüße
Christoph Durwen
www.durwen-finanz.de

amleben
11.11.2010 | 09:43
AW: AW: Im Blindflug mit der Riesterrente

Zitat:
der Artikel soll die Leser in erster Linie darüber informieren, dass die Kosten von Riester-Renten sehr undurchsichtig sind.
Und nun? Was ist das Ergebnis daraus? Oder die Empfehlung?

Reinhard
10.11.2010 | 16:35
Kosten

Liebe Capital Redaktion, macht doch bitte hier die Leute nicht verrückt. Schaut mal in den Bedingungen von einem z.B. Sparkassen-Bank-Sparplan wie es aussieht, wenn der Vertrag in die Rentenphase geht. Dort steht: ......im Falle der Vereinbarung einer Leibrente in der Auszahlungsphase wird der Sparer ggf. Abschluss- und/oder Vermittlungskosten belastet. Bedeutet: Die meisten Banken können das angesammelte Geld selbst garnicht verrenten und kaufen somit am Markt, oder noch schlimmer im eigenen Haus eine Rentenversicherung!!!! Und wenn ich mir so überlege, dass mir keiner sagen kann was diese Rentenversicherung in 20, 30 oder gar 40 Jahren kostet!?? Ne Danke, noch undurchsichtiger gehts nu wirklich nicht. Übrigens, kennen sie den Spruch: Was interessieren mich die Kosten wenn am Ende mehr raus kommt!

Alfred Diener
10.11.2010 | 15:21
Rene - Riesterrente

Lieber Herr Rene,
dann waren Sie noch nicht bei einem Versicherungsmakler! Außerdem erhält jeder Antragsteller einer Riesterrente ein Blatt mit den genauen Kosten in der Anspar- und Rentenphase.
Grüße aus Frankfurt
Alfred Diener

Norbert
10.11.2010 | 14:35
Hauptsache was geschrieben ...

Wie lange gibt es Riester-Produkte am Markt und was ist das Ziel von Riester-Renten??? Um's gleich zu beantworten: seit 2002 und das Ziel ist die Altersvorsorge, d.h. Pi mal Daumen ab 65. Das bedeutet, dass in den meisten Verträgen, die momentanen (auf 5 Jahre verteilten) Kosten die Zulagen übersteigen. Diese Verträge werden aber erst in Jahrzehnten ausbezahlt. Wenn ich eine Tageskarte löse, dann schaue ich doch auch nicht, ob sich diese mittags bereits gerechnet hat. Diese Kosten sind - im Gegensatz zu den meisten normalen Lebens-/Rentenversicherungen jährlich transparent und auf den Cent genau im Jahresauszug ausgewiesen.
Eine möglicherweise höhere Kündigungsquote den Riester-Verträgen zum Vorwurf zu machen, ist zudem wirklich absurd. Denn der Gesetzgeber hat ja bewusst den Anbieterwechsel vorgesehen.
Wichtig wäre eine Abschätzung, wie wahrscheinlich ein Produkt das voraussichtliche Ergebnis bringt (nach Kosten). Denn wie wahrscheinlich liefert ein kostengünstiger Banksparplan bei niedrigen Zinsen 5%? Oder bringt ein Fonds überhaupt 9%, wie teilweise hochgerechnet wird? Denn auch die Auszahlungszeit ist keine Kenngröße, wenn man nicht die erreichbare Rendite hinterfragt.
Da müsste sich ein Journalist aber ein paar mehr Gedanken machen als nur eindimensional über Kosten zu schreiben.

René
10.11.2010 | 14:26
Sinnfrage

Was hilft ein "klassischer Versicherungsmakler" in puncto Kostentransparenz? Reduction in Yield wäre der erste wirklich sinnvolle Schritt, um Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Doch solange nicht jeder potenzieller Kunde Aufklärung fordert, versteckt sich die Branche hinter ihren Gelddruckmaschinenn.

Redaktion Capital
10.11.2010 | 14:19
AW: Im Blindflug mit der Riesterrente

Lieber Hugo,
der Artikel soll die Leser in erster Linie darüber informieren, dass die Kosten von Riester-Renten sehr undurchsichtig sind.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihre Capital Redaktion

(Kommentare 1-7 von 10)
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Quelle: FMH-Finanzberatung