Über das Geschäft mit Wohnriester-Angeboten können sich Bausparkassen derzeit nicht beklagen. "Wir haben im vergangenen Jahr 2400 Verträge unterschrieben und erwarten für dieses Jahr 50.000 Neuabschlüsse", sagt Matthias Metz, Vorstandsvorsitzender von Schwäbisch Hall. Die Konkurrenten LBS West und Wüstenrot wollen jeweils 25.000 Verträge verkaufen.
Die Branche kann durch Routine punkten. "Bausparkassen sind erfahren mit Verträgen, die ähnlich wie Wohnriester sind", sagt Alexander Nothaft, Sprecher des Verbands der privaten Baussparkassen. Die staatlich geförderte Baufinanzierung ist seit 1. November 2008 auf dem Markt.
Neben Bausparkassen verkaufen Banken, Kapitalgesellschaften und Versicherer Wohnriester. Auch Wohnungsgenossenschaften dürfen entsprechende Verträge abschließen. Nicht zuletzt der starken Lobbyarbeit der Bausparkassen ist es zu verdanken, dass es überhaupt wieder eine staatliche Förderung des Eigenheimerwerbs gibt.
Große Erwartungen
Wollen Kreditunternehmen und Versicherungen Wohnriester-Angebote in ihre Leistungen aufnehmen, müssen sie Darlehen oder Vertrag vorher staatlich zertifizieren lassen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat nach eigenen Angaben rund 450 Finanzangebote zertifiziert. Doch nur ein kleiner Teil davon ist auch schon erhältlich. Viele Unternehmen bringen die Verträge erst nach und nach auf den Markt.
Die Sparkassen wollen groß ins Geschäft einsteigen und haben erste Schritte unternommen. "Von den 438 Sparkassen haben sich die meisten bereits Wohnriester-Produkte zertifizieren lassen", sagt Michaela Roth, Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. 50.000 Verträge haben die Landesbausparkassen im vergangenen Jahr verkauft.
"Wir nehmen an, dass wir 2009 damit weiterhin erfolgreich sind", sagt Axel Guthmann von der Bundesgeschäftsstelle der Landesbausparkassen. Die Erwartungen sind nicht unbegründet. Noch mehr Kunden könnten ihr Geld in das neue Altersvorsorgemodell stecken. Fachleute stellen im Zuge der Finanzkrise eine regelrechte "Renaissance" von klassischen Altersvorsorgeprodukten fest.
Dagegen zeigen Anleger bei Investitionen in Aktien oder Fonds eine große Zurückhaltung. Für die Anbieter von Riester-Verträgen ist dieses Geschäftsumfeld günstig, denn ihre Verträge gelten als absolut sicher. Sie müssen den Kunden garantieren, dass die eingezahlten Prämien und die Förderung vom Staat erhalten bleiben. Ohne diese Garantie bekommen sie keine Zertifizierung.
Bisher war die Assekuranz im Riester-Geschäft ungeschlagen. In den vergangenenen Jahren verkaufte sie Millionen neue Verträge für den Aufbau einer privaten Geldrente. Wohnriester könnte der Branche Konkurrenz machen - denn die meisten Versicherer bieten diese Verträge nicht an.
In der Regel verkaufen die Gesellschaften die neue Baufinanzierung nur, wenn sie wie die Debeka oder Württembergische eine Bausparkasse in der Gruppe haben. Auch Branchenprimus Allianz Leben hat sich entsprechend vorbereitet. "Die Nachfrage nach Beratung ist groß", sagt Sprecherin Martina Kieß. Die Allianz konzentriert sich auf Darlehen für Kunden, die direkt bauen wollen.
Bei anderen Versicherern ist der Neuling weniger beliebt, zum Beispiel bei der Signal Iduna: Das Unternehmen bietet zwar klassische Riester-Verträge an, das riestergeförderte Darlehen wird es erst im Mai geben. Ein riestergeförderter Bausparvertrag ist derzeit nicht vorgesehen. "Das ist nicht für jede Kundengruppe geeignet", sagt Dirk Kampmann, Vertriebsdirektor für Bausparen und Finanzierung der Signal Iduna.
Verhaltene Reaktion
Für Sparer, die mittelfristig bauen wollen, sei nicht vorhersehbar, ob sie in sieben bis zehn Jahren noch immer an einer Immobilie interessiert sind. "Dann haben sie einen Vertrag, der ihnen etwa ein Prozent Zinsen bringt." Deswegen sieht Kampmann in klassischen Riester-Verträgen oder einem normalen Bausparvertrag mehr Potenzial.
Auch die meisten Banken reagieren bislang verhalten. Einige wie die Deutsche Bank wollen Riester-geförderte Darlehen erst im Lauf des Jahres in ihr Portfolio aufnehmen. Andere planen vorerst überhaupt keine entsprechenden Angebote. Ausnahmen sind neben den Sparkassen die künftig zur Commerzbank gehörende Dresdner Bank, die BHW/Postbank und die ebenfalls zur Postbank gehörende DSL Bank.
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