kann auch Vorteile für den Bestand bringen.
Ohne störenden Overhead und ohne die exorbitanten Kosten für den Vertrieb kann der Bestand in ruhigen Bahnen abgewickelt werden.
Bei einem Übertrag an eine Run-Off-Gesellschaft wird übrigens der zu den übertragenen Verträgen gehörende Deckungsstock uneingeschränkt mitgegeben.
Leistungseinschränkungen sind nicht zu erwarten. Versicherer haben nie etwas zu verschenken. Und wenn Kulanz geübt wird, dann sind das Werbungskosten. Ansonsten: Für die Beschreibung der Leistung lese man die AVB, im Gegensatz zum angelsächsischen Rechtsraum werden in den AVB hierzulande Begriffe verwendet, für die entweder konkrete Definitionen vorliegen oder ausführliche Rechtsprechung besteht.
Im übrigen hat die obergerichtliche Rechtsprechung in der vergangenen Dekade ein Geschäftsmodell, das über viele Jahre auskömmlich für beide Seiten war, nachträglich "zu Gunsten" der Versicherungsnehmer verändert. Dass die Nachteile für die Gesellschaften auch Folgen für deren Kunden haben müssen, wurde wenn nicht schon übersehen, dann aber im Jubel über den errungenen "Sieg" verdrängt.
An das, was bei Delta Lloyd passiert ist, werden sich Versicherungskunden gewöhnen müssen: Konzerne legen Lebensversicherungstöchter einfach still, weil sie keine Zukunft mehr für sie sehen. Das Neugeschäft wird eingestellt, die bestehenden Verträge abgewickelt. Run-off heißt dieses "Ablaufen" der Verträge in der Branche - durch das sich die Lage für Kunden zu verschlechtern droht.
Bislang war das in Deutschland die absolute Ausnahme. Doch vergangene Woche hat der niederländische Versicherer Delta Lloyd Groep, der zur britischen
Aviva gehört, seine deutsche Tochter für neue Verträge geschlossen. Das Geschäft sei zu wettbewerbsintensiv, dazu komme das immer enger werdende Aufsichtsrecht mit Vorschriften und Gerichtsentscheidungen, die nach Ansicht der Niederländer die Kunden begünstigen.
Delta Lloyd Deutschland ist keine Klitsche. Die frühere Berlinische Leben geht auf das Jahr 1836 zurück und hat 300.000 Kunden. Und Delta Lloyd ist nicht allein. Erst im November 2009 hat
Munich Re die Stilllegung der Tochter Victoria Lebensversicherung mit 1,5 Millionen Kunden angekündigt. Künftig werden die Vertreter der Gruppe Policen unter der Marke
Ergo verkaufen. Dahinter steht die Victoria-Schwestergesellschaft Hamburg-Mannheimer, die in Ergo Lebensversicherung umbenannt wird. Die Victoria Leben nimmt keine Neukunden mehr auf.
Für den Konzern ergibt das Sinn. Die Victoria Leben war kaum noch konkurrenzfähig. Sie hatte sich Anfang des vergangenen Jahrzehnts mit einem großen Aktienpaket verspekuliert. Als Folge konnte die Gesellschaft nur eine deutlich niedrigere Verzinsung als die Konkurrenz bieten.
Für Kunden jedoch heißt das nichts Gutes. Zieht sich eine Gesellschaft ganz vom Markt zurück, kann ihr der Ruf gleichgültig sein - und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie ihre Kunden entsprechend behandelt. Delta Lloyd hatte bereits Ende 2009 angekündigt, die laufenden Verträge 2010 nur noch mit 3,2 Prozent auf den Sparanteil zu verzinsen. Vorher waren es vier Prozent. Munich Re nimmt das Risiko eines Imageschadens in Kauf. Die Kunden dürfen nicht erwarten, dass sich ihre ohnehin magere Verzinsung noch einmal verbessert.
Für die Versicherten ist es schwer, ohne höhere Verluste den Anbieter zu wechseln, bei manchen Angeboten wie Rürup-Renten sogar fast unmöglich. Das liegt an der besonderen Konstruktion der deutschen Lebensversicherung: Mit einem Kundenstamm, der auf Gedeih oder Verderb an ein Unternehmen gekettet ist, geht man schon mal ruppiger um.
Dazu gehört auch der in angelsächsischen Ländern übliche Verkauf ganzer Bestände an Run-off-Spezialisten. Schließlich kann die Abwicklung 30 oder 40 Jahre dauern. Da ist es einfacher, die Verträge an jemanden abzugeben, der nichts weiter macht als Abwicklung - und dessen Gewinn davon abhängt, wie wenig er den Kunden zukommen lässt.
Was die Leser sagen
was bedeutet Run Off bzw Abwicklung/Einstellung des Neugeschäfts für den Kunden genau ?
Dürfen die Versicherer ungeniert alle Leistungen bis auf die garantierten Beträge einbehalten ?
Ohne mehr Transparenz und staatl. Reglementierung wird doch in Zukunft kein vernünftiger Mensch mehr auch nur einen Euro zur Kapitalanlage in eine Versicherung stecken !
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