Der niederländische Versicherer Delta Lloyd Groep zieht sich aus Deutschland zurück. Der Konzern plane, das Neugeschäft der deutschen Töchter Delta Lloyd Lebensversicherung und Hamburger Lebensversicherung sowie der Delta Lloyd Pensionskasse einzustellen, teilte Delta Lloyd mit. Der Wettbewerbsdruck in Deutschland sei zu hoch geworden. Das Unternehmen wolle sich künftig auf die Kernmärkte Niederlande und Belgien konzentrieren. Auf bereits bestehende Verträge soll die Entscheidung keine Auswirkungen haben. Sie laufen weiter und werden in "gewohnter Weise" betreut, so das Unternehmen.
Damit geht ein weiterer Lebensversicherer in die Abwicklung, den sogenannten Runoff. 2009 hatte die Munich-Re-Tochter
Ergo angekündigt, seinen Lebensversicherer Victoria Leben stillzulegen und Neugeschäft künftig nur noch unter der Marke Ergo mit der bisherigen Hamburg-Mannheimer zu zeichnen. Die anstehende Konsolidierungswelle hat damit neben Übernahmen und Fusionen eine dritte Spielart: die schlichte Stilllegung unprofitabler Gesellschaften, für die sich kein Käufer findet.
Kein Käufer für die deutsche Tochter
Delta Lloyd verwaltet derzeit rund 580.000 Policen von rund 300.000 Kunden. 2009 nahm die Gruppe in Deutschland Bruttoprämien in Höhe von 579 Millionen Euro ein. Zwei Drittel der derzeit 620 Stellen sollen wegfallen.
Die niederländische Delta Lloyd Groep gehört mehrheitlich dem britischen Versicherer
Aviva, der das Unternehmen Ende letzten Jahres zum Teil an die Börse brachte. Aviva hatte im Sommer 2009 vergeblich versucht, einen Käufer für die deutsche Tochter zu finden. Damals hieß es in Versicherungskreisen, der Zustand der Bestände sei so schlecht, dass Aviva den möglichen Käufern noch Geld draufzahlen müsse.
Delta Lloyd Germany hatte sich als Verlustbringer erwiesen. 2008 belief sich das Defizit auf 104 Millionen Euro, nach 8 Millionen Euro minus in 2007. Der Konzern musste der deutschen Tochter allein 2008 83 Millionen Euro als Zuschuss gewähren.
Die Ratingagentur Standard & Poor's attestierte Delta Lloyd Deutschland in ihren letzten Rating Ende 2008 eine schwache operative Leistung. "Das zeigt sich an den mäßigen Kapitalerträgen, der schlechten Kosteneffizienz und den fortdauernd schwachen inhärenten Gewinnen, die auf langfristig schwache Gewinnaussichten hinweisen", schrieb S&P-Analyst Wolfgang Rief damals.
Delta Lloyd-Deutschland-Chef Vorstandschef Christof Göldi hatte im Mai 2009 ein Sanierungsprogramm angekündigt, bei dem bis zu 230 der damals 800 Stellen wegfallen sollten. Branchenexperten bezweifelten jedoch, dass die Gesellschaft ohne Zusammenschluss mit einem größeren Anbieter überleben könne. Die böse Vorahnung hat sich bewahrheitet.
Während die deutsche Tochter kränkelt, kehrte Aviva wieder in die Gewinnzone zurück: Der Versicherer meldete einen Jahresgewinn nach IFRS von 1,3 Milliarden Pfund, verglichen mit einem Verlust von 885 Millionen Pfund in 2008.








