Exakt 6,6 Prozent Rendite müsste ein 40-jähriger Angestellter jährlich erzielen, um seine Versorgungslücke zu schließen - vorausgesetzt, er verdient 3500 Euro netto im Monat, bekommt jährlich zwei Prozent mehr Gehalt und legt davon sechs Prozent zurück. Zu diesem Ergebnis kommt Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau (IVA). "Und das ist die Rendite nach Anlagekosten und Steuern", betont der Mathematiker.
Dass für eine Durchschnittsrendite von 6,6 Prozent ein Sparbuch nicht die erste Wahl ist, dürfte jedem einleuchten. Deshalb wollen Beck und die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) aufrütteln. Gemeinsam haben sie ein Ampelsystem vorgelegt, das verschiedene Anlageklassen und deren Eignung für die Altersvorsorge über verschiedene Zeiträume darstellt. Danach erhalten nur weltweit anlegende Aktienfonds und Mischfonds, die je zur Hälfte auf Aktien und Renten setzen, auf lange Sicht ein uneingeschränktes Grün. Bei Klassikern wie Lebensversicherungen zeigt die Ampel zwar auch Grün, jedoch mit Einschränkungen aufgrund des Stornierungsrisikos.
2009 gab es so wenige Aktionäre wie seit zehn Jahren nicht mehr
Angewandt auf das tatsächliche Vorsorgeverhalten zeigt die Ampel jedoch eher Rot. Denn spätestens seit der Finanzkrise ist Sicherheit Trumpf, viele Privatanleger haben ihr Geld von den Kapitalmärkten abgezogen und es in klassische Bankprodukte wie Festgeld gesteckt.
Laut Deutschem Aktieninstitut gab es 2009 so wenige Aktionäre wie seit zehn Jahren nicht mehr. Gleichzeitig fordert der Staat seit rund zehn Jahren die Bürger auf, mehr für ihre Altersvorsorge zu tun. "Das ist aber mit den heute als sicher angepriesenen Anlagen kaum möglich", sagt DSW-Chef Ulrich Hocker. "Auf lange Sicht bleiben Aktien und Fonds erste Wahl, obwohl sie auf kurze Sicht sicher riskanter sind als Festgeld." Nach Berechnungen von Becks Institut verliert ein Anleger, der voll auf das klassische Sparbuch setzt, vor allem durch Inflation rund ein Viertel seines Geldes.
Die Idee einer Ampelkennzeichnung ist nicht neu. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hält sie gemeinsam mit vereinfachter Produktinformation für unabdingbar, um Anleger besser aufzuklären. Im vergangenen Jahr hat die Verbraucherzentrale Hamburg ebenfalls Anlageklassen nach ihrer Tauglichkeit für die Altersvorsorge bewertet und dafür herbe Kritik vor allem seitens der Versicherungsbranche geerntet. Lebensversicherungen bekamen ein Rot vor allem wegen versteckter Kosten. Dass diese Anlageform langfristig aber nur geringe Risiken aufweist, ließen die Verbraucherschützer außen vor.
Beck und DSW stützen sich bei der Berechnung des Risikos vor allem auf volkswirtschaftliche Prognosen der EZB und anderer Institutionen. Klassischen Risikoanalysen liegt meist die historische Performance der Produktklasse zugrunde. Beck erwartet jedoch, dass künftig mehr Banken auch wirtschaftliche und soziale Prognosen in ihre Risikoanalyse einfließen lassen. "Sie können doch heute keinem Kunden einen offenen Immobilienfonds verkaufen, ohne darauf hinzuweisen, dass in Deutschland die Bevölkerung schrumpfen wird."
Quelle: ftd
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