11.02.2010
Der Anbieter soll Kunden ungefragt kostenpflichtige Schutzbriefe berechnet haben.
Der Anbieter soll Kunden ungefragt kostenpflichtige Schutzbriefe berechnet haben.
Foto: Getty
Investor-Artikel

Schutzbriefe

Autoversicherer unter Betrugsverdacht

von Martin Reim

Der Autoversicherer Admiraldirekt.de hat offensichtlich systematisch Verbraucher getäuscht. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Betrugs. Doch auch andere Kfz-Versicherer arbeiten mit Tricks, wenn auch nicht mit so derben.

Der Fall machte Schlagzeilen: Der Autoversicherer Admiraldirekt.de buchte mehreren hundert Kunden kostenpflichtige Schutzbriefe ein, ohne dass die Betroffenen davon wussten. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Köln mitgeteilt, dass sie in der Sache wegen Betrugsverdacht ermittelt.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte die Ermittlungen auf Anfrage (Az. 71 Js 621/09). Angaben zum Stand der Untersuchungen und zu betroffenen Personen machte er nicht. Die Ermittlungen ausgelöst hatte eine Strafanzeige von Michael Gottschalk, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in Neumünster bei Köln. Ihm war ein internes Schreiben zugespielt worden, das den Beschäftigten bei Admiraldirekt.de die zweifelhafte Praxis exakt vorgab.

Konkret geht es um Kunden, die über fremde Internetseiten auf Admiraldirekt.de aufmerksam wurden - etwa über Vergleichsrechner für Kfz-Policen. Wer seinen Wagen neu zulassen wollte und eine Admiral-Police abschloss, bekam automatisch den Schutzbrief dazugebucht, ohne diesen zuvor gewünscht zu haben. Kostenpunkt: 30 bis 50 Euro pro Police.

Laut internem Schreiben rechnete Admiraldirekt.de mit einer Beschwerdequote von etwa 20 Prozent, "was bedeutet, dass wir fast ohne Kosten eine Penetrationsquote von 0,8 erreichen". 80 Prozent der Kunden sollten also, so der Plan, die vorsätzlich falsch eingebuchte Police klaglos behalten - und bezahlen. Andernfalls sollten Mitarbeiter den Standardspruch verwenden: "Es handelt sich hierbei um einen technischen Fehler, für den wir uns bei Ihnen entschuldigen."

Admiraldirekt.de ist die Deutschland-Tochter des drittgrößten britischen Kfz-Versicherers Admiral Group. Die Muttergesellschaft hatte Ende 2009 den Vorgang und die Existenz des Schreibens bestätigt. Das Vorgehen habe 470 der etwa 40.000 Kunden von Admiraldirekt.de betroffen. Die betroffenen Kunden hätten ihr Geld inzwischen zurückbekommen und dürften den Schutzbrief ein Jahr lang kostenlos behalten. Das Unternehmen betonte damals, es handle sich um ein "nicht akzeptables Verhalten", das der Konzern abgestellt habe und genau untersuche. Mögliche Ermittlungen werde man „rückhaltlos unterstützen“. Jetzt erklärte ein Firmensprecher, der leitende Angestellte, der das Schreiben verfasst habe, gehöre nicht mehr dem Unternehmen an.

Wie andere Anbieter tricksen

Doch auch andere Kfz-Versicherer greifen mitunter zu Tricks, wie die Zeitschrift Finanztest unlängst darstellte. So jubelte der Anbieter Europa einem Ehepaar einen Schutzbrief unter. Die Kunden wunderten sich, warum der Versicherungsbeitrag plötzlich höher ausfiel als im Antrag ersichtlich. Nur bei genauem Hinsehen wurde klar, dass es offenbar nicht reichte, einfach keinen Haken im Kästchen für den Schutzbrief zu machen. Gleich dahinter kam im Antrag noch einmal ein Kästchen, das der Kunde ankreuzen sollte, wenn er den Schutzbrief wirklich nicht will. Das Ehepaar hat den Vertrag nun widerrufen.

Ähnlich tückisch sind Voreinstellungen in Anträgen übers Internet, schreibt Finanztest weiter. Die Zeitschrift untersuchte im Frühjahr 2009 den Internetauftritt von 46 Autoversicherern. Immerhin 20 von ihnen hatten Angebote wie Fahrerunfallversicherung oder Tarife mit Werkstattbindung voreingestellt. "Wer das nicht will, muss es erstmal wegklicken. Ansonsten zahlt er für Produkte, die er nicht braucht", resümieren die Tester.


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Quelle: FMH-Finanzberatung