05.02.2010
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Mit recht einfachen Maßnahmen lassen sich die Erträge von Lebensversicherungen steigern.
Mit recht einfachen Maßnahmen lassen sich die Erträge von Lebensversicherungen steigern.
Foto: Shutterstock

Unnütze Leistungen

Wie Sie Renditekiller in Lebensversicherungen ausschalten

Jahr für Jahr verplempern schlecht informierte Kunden Millionen, weil sie ihren Beitrag falsch oder für unnütze Extras zahlen. Das lässt sich ändern - glücklicherweise auch bei laufenden Verträgen.

Es gibt Angelegenheiten, die lassen sich am besten in aller Stille bereinigen. So war es auch beim Streit der HUK-Coburg Lebensversicherung mit Verbraucherschützern um die Riester-Rente. Gut drei Jahre währte das Gezerre vor Gerichten. Erst verlor die HUK vor dem Landgericht, dann gewann sie vor dem Oberlandesgericht Bamberg. Beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe schließlich gab der Versicherer am 29. Juli dann doch klein bei. Er unterschrieb ein Anerkenntnisurteil. Schwamm drüber.

Die Taktik ging auf. Mit der stillen Unterschrift vermied die HUK-Coburg ein höchstrichterliches Urteil mit schriftlicher Begründung. Das hätte mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen und auch vor anderen Gerichten verwertbare Fakten geschaffen – prekär bei einer Sache, die letztlich die gesamte Branche und die meisten Kunden mit klassischen Lebens-, Renten- und Riester-Verträgen betrifft: Sind die Kosten für die monatliche Beitragszahlung für Kunden verständlich ausgewiesen?

Die Frage klingt nach juristischer Haarspalterei, unwichtig für den normalen Kunden. Irrtum. Tatsächlich verpulvern die Deutschen jedes Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag für Vereinbarungen in privaten Lebensversicherungen, die viel kosten, aber wenig bringen. Die drei größten Renditefresser: die beliebte monatliche Zahlweise, daneben die dynamische Gestaltung der Beiträge sowie die vom Versicherer standardmäßig gern mitverkauften unnötigen On-Top-Leistungen wie etwa der Unfalltod-Zusatzschutz. Mindestens einer dieser drei Punkte findet sich in den meisten der gut 50 Millionen klassischen Lebensversicherungsverträge. Zusammen schmälern sie den Ertrag gewaltig, um gut einen halben Renditepunkt. Bei einer Sparsumme von 2400 Euro jährlich verdampfen binnen drei Jahrzehnten 12.000 bis 15.000 Euro.

Nur wer sich auskennt oder einen Stapel Papierkram akribisch durchackert, hat da noch eine Chance. Alle anderen zahlen drauf. Die gute Nachricht: Das Geld lässt sich auch bei laufenden Verträgen retten. Wer seinen Beitrag konsequent jährlich zahlt, den Unfalltod-Zusatz streicht und die Dynamik am Ende der Laufzeit kündigt, holt mehr aus seiner Police raus. Aber leicht machen einem die Versicherer das nicht.

Der Fall der verdeckten Aufpreise für monatliche Beitragszahlungen rief den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) auf den Plan. Er klagte gegen die HUK-Coburg. Der Vorwurf: Der Versicherer gebe bei klassischen Riester-Renten nicht den wahren Preis an. Die Forderung: Die HUK müsse den effektiven Jahreszins offenlegen, um die tatsächlichen Kosten für den Kunden verständlich und vor allem vergleichbar zu machen.

Zwar wies die HUK-Coburg damals – wie in der Branche üblich – einen Ratenzuschlag von fünf Prozent auf den Jahresbeitrag aus. Grund: Der Beitrag für Policen ist zum Jahresbeginn fällig. Wer ihn monatlich abstottert, zahlt für die gestundeten Beträge sowie für zusätzliche Verwaltungskosten mehr. So weit, so korrekt. Nur: Während fünf Prozent Aufpreis noch manierlich klingen, berappt der Kunde für die monatliche Überweisung in Wahrheit einen effektiven Jahreszins von 11,35 Prozent. Diese Größe beziffert den Schuldzins, vergleichbar etwa mit den Kosten für einen Dispokredit.

Das ist teuer. Dennoch erfreut sich der optisch niedrige Monatsbeitrag großer Beliebtheit. So bedienen branchenweit geschätzt drei Viertel der Kunden ihre Lebensversicherung monatlich, selbst bei der Cosmosdirekt mit preissensibler Klientel sind es rund 55 Prozent. "Wäre den Leuten klar, was das effektiv bedeutet, würden weniger diese Variante wählen", sagt Wolfgang Schuster, Buchautor und finanzmathematischer Berater in Berlin. Sein Tipp: Gerade Gutverdiener mit genügend Liquidität sollten jährlich zahlen. Selbst per Ratenkredit lässt sich der Jahresbeitrag derzeit günstiger finanzieren als über monatliche Zahlungsweise.

Den Versicherungskonzernen ist offenbar nicht daran gelegen, das publik zu machen. Peter Schwark, Geschäftsführer beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), beharrt darauf, der Zuschlag sei unter anderem durch höheren Verwaltungsaufwand und entgangene Zinsen "ökonomisch gerechtfertigt". Über die damit verbundenen Kosten informieren die Lebensversicherer offenbar selbst jene Kunden kaum, die den Jahresbeitrag ohne Weiteres auf einen Schlag aufbringen könnten.

Die Verluste der Versicherten sind beträchtlich. Private Lebensversicherungen mit Ablaufrenditen von vier oder fünf Prozent verlieren durch die monatliche Zahlweise bei Laufzeiten von 30 Jahren oft 0,2 Renditepunkte. Noch stärker trifft es kurze Zwölfjahresverträge: Dort beläuft sich der Verlust sogar auf 0,4 bis 0,5 Renditepunkte, errechnete Mathematiker Schuster. Zum Vergleich: Die Versicherten büßen auf diesem Weg mehr ein, als sie bei Allianz, Generali oder R+V aktuell durch die für 2010 gekürzten Überschüsse verlieren.

Und das ohne Not. Wer seinen Vertrag optimieren will, kann die Zahlweise nachträglich auf jährlich umstellen. Ein Brief an den Versicherer genügt, um die Rendite aufzubessern. "Das lohnt immer", ermuntert Schuster. Kunden, die den höheren Betrag nicht aus laufenden Einkünften finanzieren können, sollten überlegen, Sonderzahlungen wie Boni, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld dafür zu verwenden.


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Quelle: FMH-Finanzberatung