CAPITAL-SERIE Altersvorsorge

Wie viel Riester, Rürup und sonstige Rücklagen nach der Krise sein müssen, erfahren Sie in der großen Capital-Serie.


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Foto: Carsten Tiemessen

Private Altersvorsorge

Börseneinstieg für Anfänger

Wer als Rentner seinen finanziellen Spielraum behalten will, darf sich nicht nur auf den Staat verlassen. Sondern sollte sich auch an die Börse trauen. Teil V der Serie zur privaten Altersvorsorge zeigt wie es geht.

"Ich stecke bis zur Halskrause in Aktien." Wer das sagt, war Banker. CEO-Banker, um genau zu sein. Riester, Rürup, Gesetzesrente? "Pah. 3,4 Prozent Rendite? Nicht mit mir." Während sich seine Sales-Force mit steuersubventionierten Altersvorsorgepolicen beim Kunden abstrampelt, setzt der CEO auf Große-Kasse-Machen. Banker halt.



Aber: Der Mann liegt mit seiner Strategie nicht falsch. Trotz Börsencrash und Achterbahnfahrten an den Kapitalmärkten mit Verlustpotenzialen von 60, 70 oder mehr Prozent. Nach dem Flächenbrand ging es immer wieder weiter.

Nur oft ohne den Normalanleger. "Verluste wiegen emotional doppelt so schwer wie Gewinne", sagt Rüdiger von Nitzsch von der RWTH Aachen. Sein Fachgebiet: Entscheidungsforschung und Finanzdienstleistungen. Ein Crash am Aktienmarkt "brenne" sich ins Anlegergedächtnis ein.

Nach dem Kursverfall des Jahres 2008 mit Einbrüchen von rund 40 Prozent im Dax oder 34 Prozent im Dow Jones wollen nur 18 Prozent der Deutschen bei Vermögensaufbau und Altersvorsorge künftig noch auf Aktienfonds setzen. Das ergab die jüngste Infratest-Umfrage.

So lief es schon vor ein paar Jahren: Aus Angst vor dem Risiko zogen sich viele nach dem Crash in den Jahren 2000 bis 2003 dauerhaft vom Aktienmarkt zu-rück – und verpassten so die folgende fünfjährige Erholung mit einem Dax-Anstieg von mehr als 250 Prozent.

Pech. "Wer auf die Gewinnchancen an der Börse verzichtet, erhöht das Risiko der Altersarmut", warnt Martin Weber, Finanzprofessor der Uni Mannheim. Nur Aktieninvestments versprechen die Extrarendite, die nötig sein wird, um im Alter einen hohen Lebensstandard zu halten. Eine 100-Prozent-Garantie dafür gibt es nicht. Aber wer ohnehin konservativ mit gesetzlicher Rente, betrieblicher Altersvorsorge und Förderrenten wie Riester vorsorgt und noch viel Zeit hat, sein Vermögen aufzubauen, sollte das Risiko eingehen.

Als Leitfaden können vier Regeln gelten: Vorsorge mit Aktien braucht einen langen Zeithorizont. 15 Jahre sind die Untergrenze. Daher heißt es, früh anfangen und dann regelmäßig, am besten monatlich, sparen. Ebenso wichtig ist das richtige Timing, neben dem möglichst frühen Einstieg muss der Ausstieg sorgfältig vorbereitet werden. Zudem muss der Aktienmix breit sein, er sollte alle Regionen, Branchen und Größenklassen umfassen.

Regel Nummer eins: Je länger die Zeiträume, desto vorteilhafter die Anlage in Aktien. Laut Statistik liegt die Wahrscheinlichkeit, mit Aktien bei nur einem Jahr Haltedauer Verluste zu machen, bei immerhin 26 Prozent. Für Anlagezeiträume ab 15 Jahren tendiert die Wahrscheinlichkeit jedoch gegen null, wie Zahlen für den US-Markt belegen: In jedem beliebig gegriffenen 15-Jahres-Zeitraum zwischen 1926 und Ende 2008 haben Aktieninhaber Gewinne erzielt. Über den gesamten – mit 82 Jahren zugegeben äußerst langen – Zeitraum waren am Aktienmarkt 9,6 Prozent pro Jahr zu verdienen. Aus 1000 Dollar, investiert in US-Papiere, wären trotz des MegaCrashs von 1929, vieler Dürrejahre und der Baisse nach der Jahrtausendwende Ende 2008 mehr als zwei Millionen Dollar geworden. Am Geldmarkt investiert, wären gerade einmal 20.000 Dollar herausgekommen.

Auch der älteste deutsche Aktienfonds Fondak hat zwar in den vergangenen zehn Jahren nur eine durchschnittliche Jahresperformance von gut vier Prozent erzielt. Seit der Auflage im Jahr 1950 liegt das jährliche Plus aber bei hohen 10,5 Prozent.

Doch in der Krise schauen Anleger kaum auf derart lange Zeiträume. Sie sehen zudem, dass mit der Finanzkrise alte Weisheiten ungültig werden. "Timing ist unwichtig", erklärte einst Börsenlegende André Kostolany. In Zeiten stark schwankender Märkte gilt das nur bedingt. Wer etwa im März 2003 auf dem absoluten Tief bei einem Dax-Stand von 2200 einstieg, hat sechseinhalb Jahre später – trotz des Einbruchs 2008 – immer noch ein Plus von 150 Prozent. Wer dagegen drei Jahre zuvor im März 2000 bei rund 8000 Punkten investierte, sitzt aktuell immer noch auf 30 Prozent Verlust.


von Heinz-Peter Arndt und Birgit Wetjen




 
 
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Quelle: FMH-Finanzberatung