03.11.2009
Finanzvertriebe wie MLP profitieren vom Vertrauensverlust der Banken.
Finanzvertriebe wie MLP profitieren vom Vertrauensverlust der Banken.
Foto: dpa
Investor-Artikel

Altersvorsorge

Trittbrettfahrer der Krise

von Markus Hinterberger

Die Diskussion um gute und schlechte Berater hat Finanzvermittlern wie AWD, MLP und DVAG Aufwind verschafft. Die Kunden wenden sich von Banken ab. Verbraucherschützer warnen vor den vermeintlich unabhängigen Vermittlern.

Das schlechte Image der Banken schlägt auch auf die Altersvorsorgesparten der Geldhäuser durch: Laut einer Studie der Management Beratung Towers Perrin ist der Anteil der Banken am Versicherungsgeschäft kleiner geworden. Nur noch 27 Prozent des Neugeschäfts bei Lebensversicherungen laufen über Kreditinstitute. 2007 liefen noch 28 Prozent.

Auch das Geschäft der eigenen Vertreter der Versicherungen geht weiterhin zurück. Sie liegen ebenfalls knapp unter 30 Prozent. Kurz vor der Jahrtausendwende waren sie noch unangefochtene Marktführer mit als beinahe die Hälfte aller Policen über die Vertreter lief. Den ersten Dämpfer erlitten die Vertreter durch die ab 2000 aufkommenden Allfinanzkonzerne wie Allianz und ING.

Nachdem diese Idee begraben wurde, entwickeln sich nun Finanzvertriebe wie AWD, MLP und DVAG zu einer mächtigen Konkurrenz. Sie kommen, ähnlich den Banken und Versicherungen auf 28 Prozent Marktanteil am Neugeschäft.

Für Niels Nauhauser ist der Fall klar. "Die Finanzvermittler wuchern gerne mit dem Pfund der Unabhängigkeit", sagt der Finanzexperte von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Das Problem sei, dass diese Vertriebe auf Provisionsbasis arbeiteten, was die Qualität der Beratung beeinträchtigen kann. "Die Kunden haben es hier mit motivierten Vermittlern zu tun, die nach Abschlüssen bezahlt werden, mit guter Beratung hat dies allerdings wenig zu tun", so Nauhauser.

Verbraucherschützer wie er machen sich seit einiger Zeit für Honorarberatung stark, bei der der Kunde für die Beratung und nicht für das Produkt zahlt. Inzwischen bekommen Honorarberater eine immer größere Lobby. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner will dieses provisionsfreie Modell fördern und stößt damit auf breite Zustimmung innerhalb der Politik.

Das Ministerium will jedoch auch die Finanzkompetenz der Bürger fördern. Das erscheint dringend nötig, denn die Quote derer, die ihre Lebensversicherung bei einer Direktversicherung im Internet ohne Beratung abschließen ist mit 4,4 Prozent nach 4,9 Prozent in 2007 weiterhin auf niedrigem Niveau.


Quelle: boerseonline
© 2009 capital.de

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Quelle: FMH-Finanzberatung