20.10.2009
Genossenschaftsbanken sollen laut Verdi mit einem Malus-System arbeiten.
Genossenschaftsbanken sollen laut Verdi mit einem Malus-System arbeiten.
Foto: Fotolia
Investor-Artikel

Finanzberatung

Verdi prangert Verkaufsdruck an

von Markus Hinterberger

Auf einer Internetseite haben Arbeitnehmervertreter Erfahrungsberichte von Bankmitarbeitern anonym gesammelt. Weit weg vom Investmentbanking und satten Boni zeichnen diese Stellungnahmen ein Schreckensbild - nicht zuletzt auch für Bankkunden.

"Wie bei einer Drückerkolonne geht es bei vielen Banken zu", sagt Uwe Foullong, Vorstand der Dienstleistungsgewerkschaft, "Wenn Schläge erlaubt wären, dann bekämen wir sie von den Vorgesetzten", zitiert er die Aussage eines Bankangestellten.

In der Tat haben Banken spätestens seit der Lehman-Pleite ein Vertrauensproblem. Im Privatkundengeschäft wendet sich die gehobene Klientel ab und sucht ihr Heil bei kleinen Privatbanken und freien Vermögensverwaltern. Kleinsparer setzen vermehrt auf Klassiker wie Festgeld oder Tagesgeld, also Produkte, die ohne große Beratung abgeschlossen werden können. Zwar geloben Bankvorstände Besserung und propagieren eine Rückbesinnung auf die Werte des ehrbaren Bankiers, doch aus Gewerkschaftssicht ist das Augenwischerei. Durch die Entlassungen habe der Verkaufsdruck eher noch zugenommen, sagt Foullong. Und mit dem Bankmitarbeiter bleibe auch der Kunde auf der Strecke.

Der Gewerkschafter sieht die Privatbanken als Trendsetter eines Produktverkaufs, der die kundengerechte Beratung ersetzt habe. Bei Deutscher Bank, Dresdner Bank und anderen Großbanken habe nach 2002 der Vertriebsdruck kräftig zugenommen. Die Sparkassen stünden erst am Anfang einer solchen Entwicklung.

Als Musterschüler der großen Privatbanken erweisen sich laut Foullong hingegen die Genossenschaftsbanken. "Hier wird mit einem Malus-System gearbeitet." Im Klartext: Mitarbeiter von Volks- und Raiffeisenbanken, die ihr Verkaufssoll nicht erfüllen, müssen mit Gehaltseinbußen rechnen. Der Genossenschaftsbankenverband BVR verneint, dass es solch eine Praxis gibt. Die Aussagen von Verdi würden den "am Geschäftsmodell ausgerichteten Führungsund Zielsystemen unserer Bankengruppe nicht gerecht", sagt ein Sprecher. Bei Zielvorgaben würden "regelmäßig Kundenpotenziale und Kundenbedarfe berücksichtigt".


Quelle: ftd
© 2009 capital.de

Was die Leser sagen

www.provisionsverbot.de
21.10.2009 | 13:57
Verbot für Provisionen und versteckte Gebühren für mehr Kundenfreundlichkeit!

Der Staat muss dem Verkaufsdruck entgegenwirken und den Kunden wieder in den Mittelpunkt stellen. Ein Provisionsverbot für Banker würde für mehr Transparenz und Fairness in der Beratung sorgen! Jede Stimme für das Verbot zählt:
www.provisionsverbot.de

(Kommentare 1-1 von 1)

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Quelle: FMH-Finanzberatung