Wenn sich die Staatenlenker der 20 mächtigsten Industrie- und Schwellenländer in Pittsburgh treffen, gehen die EU-Vertreter mit einer klaren Forderung in die Debatte: Ihr Ziel ist eine Begrenzung der Vorstandsgehälter. "Bonuszahlungen für Manager sind als Folge der Finanzkrise in der öffentlichen Diskussion stark in Verruf geraten. Dabei sind Anreizsysteme wichtige Instrumente zur Motivation von Managern und Arbeitnehmern", sagt dagegen Ernst Fehr, Professor an der Universität Zürich. "Das Problem ist aber, dass Anreizsysteme oft schlecht konzipiert sind."
Ein transparenteres Verfahren bietet die Bonusindexstudie des Finanzresearch-Unternehmens Obermatt aus der Schweiz, die Capital vorab vorliegt. Sie misst die Managementleistung relativ zu den wichtigsten Wettbewerbern. Ausschlagebend ist die Finanzgröße Ebitda, die kaum durch buchhalterische Tricks beeinflusst werden kann. "Der Bonusindex ist fair für Manager, aber auch fair für Aktionäre," so Obermatt-Geschäftsführer Hermann Stern, "denn er honoriert nur die wahre operative Leistung - unabhängig von externen Faktoren, wie beispielsweise dem Verlauf der Konjunktur oder der Veränderung von Rohstoffpreisen."
Die Ergebnisse für das erste Halbjahr fallen allerdings durchwachsen aus: Lediglich einem guten Drittel der untersuchten hundert Unternehmen aus dem HDax ist es gelungen, ihre globalen Wettbewerber zu übertreffen. "Die Vorstände haben im ersten Krisenhalbjahr 2009 mehrheitlich schlechter gearbeitet als der internationale Durchschnitt und demzufolge auch unterdurchschnittliche variable Lohnbestandteile verdient", sagt Stern. Der Experte stieg bei der Analyse tief ein und verglich bei den Großkonzernen auch einzelne Geschäftsfelder.
Volkswagen überraschend stark
Am besten im Krisenhalbjahr geschlagen hat sich das Geschäftssegment "Elevators" von
ThyssenKrupp, gefolgt von der
K+S-Sparte SALT und der
Siemens-Division "Energy". Gut halten konnten sich auch die Hightechunternehmen
Centrotherm,
QSC,
Roth & Rau,
Aixtron,
IDS Scheer,
Conergy und
Solarworld. Auch bei den Industrieunternehmen gibt es Vorstände, die ihre Wettbewerber deutlich hinter sich gelassen haben:
Aurubis,
Vossloh,
Siemens und
MAN.
Überraschend stark ist auch die Position von
Volkswagen: Der Automobilhersteller hat im komplizierten Marktumfeld 63 Prozent seiner Wettbewerber getoppt. "An diesem Beispiel zeigt sich wieder einmal deutlich, dass es auch in sehr schwierigen Märkten Outperformer gibt, die angemessen vergütet werden sollten", sagt Stern. Dem steht ein enttäuschendes Ergebnis von BMW, Continental und Daimler gegenüber. Auch die Vorstände von Bayer und BASF haben im ersten Halbjahr 2009 unterdurchschnittlich gearbeitet.
Aktionäre sollten sich die Ergebnisse genau anschauen: Unternehmen, die 2008 in der Studie gut abschnitten, überzeugten im ersten Halbjahr 2009 an der Börse. Von den fünf besten Unternehmen des vergangenen Jahres - K+S, MAN, Centrotherm, SMA und EADS (siehe "Börse Online" 35/09) - schafften es immerhin drei den HDax klar zu schlagen, der es auf ein Plus von 0,5 Prozent brachte. MAN, SAM und Centrotherm gewannen zwischen 13 und 54 Prozent hinzu, K+S und EADS traten auf der Stelle und schnitten so zumindest nicht schlechter ab als die Benchmark.
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