Weil er sich von seiner Frau daheim die Haare stutzen lässt, galt Walter Riester manchem im Bundestag als knauseriger Klischee-Schwabe. Vielleicht war es ihm deswegen wichtig, nach dem ausgiebigen Gespräch beim Frühstück in einem Frankfurter Café die gesamte Rechnung zu begleichen und zum Abschied zu sagen: "Sehen Sie, ich bin doch nicht so sparsam, wie Sie denken."
Herr Riester, Sie sagen oft: Gerade Berufsanfänger sollten riestern. Haben Sie als Lehrling an die Rente gedacht?
Als meine Lehre zum Fliesenleger 1957 anfing, war ich 13 Jahre alt – da war Rente noch kein Thema für mich. Damals lebte ein Mensch nach Renteneintritt noch etwa zehn Jahre. Heute werden 21 Jahre prognostiziert. Deswegen ist es saudumm zu sagen: Es lohnt sich nicht, in die Rentenversicherung einzuzahlen. Aber das Problem ist, dass sparen für die Rente immer mit aktuellen Konsumwünschen konkurriert.
Wofür haben Sie als Azubi gespart?
Als ich meine Lehre 1960 abgeschlossen hatte, habe ich mir ein Kleinkraftrad gekauft. Kein Moped, denn es hatte einen Kickstarter! Das war eine ganz heiße Maschine. Das Modell hieß Victoria Avanti K. Ich habe es noch gut in Erinnerung, weil es was ganz Tolles war: Ferrari-Rot, und ein Teil des Tanks war verchromt. Die Maschine durfte eigentlich nicht so schnell laufen, wie ich es dann hinbekommen hatte.
Wie schnell fuhr sie denn in der Spitze?
Jetzt nach Jahren kann man das sagen: 95 Stundenkilometer (lacht). Die Höchstgeschwindigkeit lag normalerweise bei 55. Das war also gigantisch. Da habe ich fast draufgelegen, bei der Geschwindigkeit.
Weniger schnell verstehen viele Leute die Riester-Rente im Detail. Woran liegt das?
Einer der Gründe ist: Es gibt wirklich wenige Bereiche, in denen Menschen so wenig informiert sind wie bei Altersvorsorge und Finanzanlagen. Das ist in einfachen Bildern ganz schnell erklärt. Man muss sich nur zwei Fragen stellen: Wie viele Männer verschlingen verschlingen mit hohem Genuss Motorsportmagazine? Und wer davon liest auch Finanzzeitschriften?
Haben Sie denn eine Riester-Rente?
Als Minister war ich nicht rentenversicherungspflichtig und konnte deswegen keine abschließen. Zudem war ich 58, als das Gesetz durchging: Da bekommt man keine Angebote mehr. Wenn ich als 30-Jähriger die Wahl gehabt hätte, hätte ich einen Riester- Fondssparplan abgeschlossen.
Warum hätten Sie ausgerechnet die spekulativste Riester-Variante gewählt?
Ich begreife diese Anlage anders. Wenn der entscheidende Punkt ist, ob ich zum richtigen Zeitpunkt kaufe oder verkaufe, dann möchte ich meine Rente nicht damit verbinden. Aber wenn ich eine jahrzehntelange Laufzeit habe, dann sagen alle Erfahrungen bisher: Die überdurchschnittlich hohe Renditeentwicklung, die wir bisher in der Wirtschaft haben, glättet diese Schwankungen.
Dann haben Sie Ihren beiden Söhnen bestimmt zu einem Riester-Fondssparen geraten ...
Sie leben beide nicht in Deutschland und können deswegen nicht riestern. Einer ist in Österreich, der andere arbeitet als Softwareentwickler in Manila. Meine Enkelin hat als Einzige in meiner Familie einen Riester-Sparplan. Sie ist fast so alt wie die Riester-Rente: zehn Jahre.
Aber in diesem Alter kann doch niemand eine Riester-Rente abschließen – selbst wenn er mit Nachnamen Riester heißt ...
Das stimmt. Ich habe einen Sparvertrag für sie abgeschlossen, bei dem sie sich im Alter von 20 Jahren entscheiden muss, ob sie das Kapital in eine Riester-Rente einbringen möchte. Von der Volksfürsorge Baden-Württemberg habe ich deswegen extra eine gold umrandete Urkunde anfertigen lassen: Darauf steht "Erste Riester-Rente für Kira Riester". Am Anfang habe ich monatlich 50 Euro eingezahlt. Weil ich eine Dynamik vereinbart habe, sind es jetzt schon 80.






















