Ob Banker für ihre jüngsten Leistungen einen Bonus verdient haben, darüber lässt sich derzeit wohl kaum streiten. Nicht jedoch, ob auch die Führungskräfte anderer Wirtschaftszweige keine oder niedrige Bonuszahlungen erhalten sollten. Denn knapp die Hälfte der H-Dax-Unternehmen, also die Firmen aus Dax, M-Dax und Tec-Dax, hat besser gearbeitet als ihre internationalen Wettbewerber. Dies ist das Resultat einer Analyse des Schweizer Finanzresearch-Unternehmens Obermatt, die Capital Investor vorliegt.
Die Rangliste basiert auf dem Ebit-Gewinnwachstum der Unternehmen im Vergleich zu ihren globalen Wettbewerbern, dem Ergebnis vor Steuern und Zinsen. Maßgeblich war die Halbjahres-Gewinnentwicklung der 92 größten H-Dax-Unternehmen. Ausgeklammert wurden Biotechfirmen und Finanzinstitute wegen der beschränkten Vergleichbarkeit. Vorteil der Methode: Unabhängig vom Aktienkurs und der Konjunkturlage wird auf Basis bewährter Kennzahlen ermittelt, wie gut eine Geschäftsleitung gearbeitet hat. "An der Entwicklung der Volkswagen-Aktie in den letzten Oktobertagen sieht man, wie unzuverlässig der Aktienkurs für eine Leistungsbeurteilung ist. Er ist zwar das ultimativ richtige Kriterium für Wertsteigerung, aber für die jährliche Bonusfestlegung in der Praxis denkbar ungeeignet", erklärt Obermatt-Geschäftsführer Hermann Stern.
Für das erste Halbjahr 2008 zeigt die Rangliste, dass die Strategie der deutschen Regierung, alternative Energien zu fördern, der Branche einen Schub verliehen hat: Sämtliche Unternehmen aus den Bereichen Solar und Windenergie befinden sich unter den operativen Gewinnern oder zumindest im Marktmittel. Eine bemerkenswerte Leistung verzeichneten die Solarkonzerne Centrotherm und Ersol, die ein dreistelliges operatives Ebit-Alpha erreichten. Das bedeutet, dass ihr Gewinnwachstum mehr als 100 Prozent besser war als das der internationalen Wettbewerber. "Schaffen es diese Unternehmen, ihre Spitzenposition auch im erwarteten konjunkturellen Abschwung zu halten, müsste dies auch von den Investoren honoriert werden", sagt Stern. "Schließlich ist die operative Gewinnhöhe der wesentliche Treiber für den Unternehmenswert."
Auch über alle Branchen hinweg schnitten die deutschen Unternehmen positiv ab. Zu den besten Branchen zählt etwa der Maschinenbau: Gildemeister ließ 83,5 Prozent seiner internationalen Wettbewerber hinter sich. Bei den Automobilfirmen sieht das Bild allerdings deutlich trüber aus. "BMW gehört sowohl als Konzern als auch in den beiden beurteilten Geschäftsfeldern Motorräder sowie Automobile global zu den Schlusslichtern", erklärt Stern. Dafür erzielte Volkswagen eine erfreuliche operative Ebit-Überrendite von 17,1 Prozent.
Leiden mussten in diesem Jahr die deutschen Hightech-Firmen. Die Softwareunternehmen konnten mit ihren internationalen Wettbewerbern nicht mithalten. Auch die Telekom-Unternehmen schnitten operativ schlechter ab als ihre Konkurrenten.
Interessant ist auch der Vergleich einzelner Segmente: Da die Rangliste des Ebit-Alphas ausschließlich mit Daten aus der Erfolgsrechnung arbeitet, lässt sich die Beurteilung auch auf Geschäftseinheiten ausdehnen. So lässt sich zum Beispiel erkennen, dass der gute 19. Rang der BASF primär auf die erfolgreichen Geschäftsbereiche Performance Products und Agricultural Solutions zurückzuführen ist. Die BASF-Bereiche Chemicals, Plastics und Oil & Gas hingegen gehören zu den operativen Verlierern. "Nicht alle Führungskräfte bei BASF haben also einen Bonus wirklich verdient", betont Stern. Continental hingegen hat nur einen Verlierer, die Tires Division, die Deutsche Telekom nur einen operativen Gewinner, nämlich T-Mobile. Bei BMW gehören alle Geschäftsbereiche zu den operativen Verlierern.
Der vollständige Bericht enthält auch die Ranglisten für Umsatzwachstum und Kapitaleffizienz und kann kostenlos auf www.obermatt.com heruntergeladen werden.
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