Auch wenn sich Aktionäre dieser Forderung kaum anschließen dürften, fragen sich viele derzeit, inwieweit hohe Boni für Firmenchefs nach dem Katastrophenjahr 2008 gerechtfertigt sind. Mehr Transparenz bringt die aktuelle Bonusindex-Studie des Schweizer Finanzresearch-Unternehmens Obermatt, die Capital vorab vorliegt. "Der Bonusindex misst die Managementleistung relativ zu den wichtigsten Wettbewerbern", erklärt Obermatt-Geschäftsführer Hermann Stern.
Ausschlaggebend ist dabei die Finanzkennzahl Ebitda, die kaum durch buchhalterische Tricks beeinflusst werden kann und dank ihrer Nähe zum Cashflow auch bei Investoren beliebt ist. Ergebnis: 69 HDax-Vorstände haben sich 2008 trotz der Finanzkrise einen überdurchschnittlichen Bonus verdient. Die besten Resultate erzielten K+S und MAN, die Alternative-Energien-Unternehmen Centrotherm und SMA sowie der Flugzeugbauer EADS. Bei seiner Analyse stieg Stern tief in die Bilanzen ein – und verglich auch einzelne Geschäftsfelder. Insgesamt auf Rang eins liegt die Division Potash & Magnesium von K+S, die 97 Prozent der Wett-bewerber schlagen konnte. "Dieses ausgezeichnete Ergebnis hängt mit dem Engpass im Düngemittelmarkt zusammen, der zu einer Verdoppelung des Absatzpreises führte und damit primärer Gewinntreiber der K+S war", so Stern.
Centrotherm, SMA und auch die Alternative-Energien-Sparte von MAN profitierten dagegen von der Bundesförderung und konnten so ihre internationalen Wettbewerber hinter sich lassen. "Bei EADS war das gute Resultat auf die hohe Stückzahl von 483 ausgelieferten Flugzeugen zurückzuführen – und damit das Ergebnis einer starken Forschungs- und Entwicklungspolitik", so der Studienautor. Ähnlich gut schnitten die Technologiewerte Manz Automation, Roth & Rau, Aixtron, Phoenix Solar, Rofin-Sinar und Qiagen ab.
Wer keinen Bonus verdient hätte
Doch wo viel Licht ist, ist auch Schatten: 59 Vorstände hätten einen unterdurchschnittlichen und 22 Unternehmen gar keinen Bonus verdient – "zum Beispiel Daimler und BMW, die im Gegensatz zum Konkurrenten Volkswagen zu den 25 Prozent der schlechtesten Marktteilnehmer gehören", sagt Stern. In diese Kategorie fallen auch Südzucker, Celesio und Premiere.
Immerhin: Im Vergleich mit den oft gelobten konservativen Schweizer Unternehmen brauchen sich die deutschen Konzerne nicht zu verstecken. Der durchschnittliche Bonusmultiplikator lag mit 0,96 deutlich über dem entsprechenden Wert von 0,87 der Schweizer SMI- und SPI-Unternehmen. Sterns Fazit: "Die HDax-Unternehmen haben sich in der Krise gut geschlagen."
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