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26.01.2012
Christian Kahler, Chefstratege bei der DZ Bank
Christian Kahler, Chefstratege bei der DZ Bank
Foto: DZ Bank

DZ-Chefstratege Kahler im Interview

"Wir lassen die Finger vom Automobilsektor"

DZ-Stratege Christian Kahler über die Monotonie von Seitwärtsbewegungen, plötzliche Symmetriebrüche und Tabubranchen.

Christian Kahler arbeitet als Chefstratege Aktien bei der DZ Bank. Zudem leitet er seit Anfang des Jahres das neue Team Asset Allocation & Investmentstrategie. Der studierte Betriebswirt analysierte zuletzt die langen Seitwärtsbewegungen an der Börse in den vergangenen Jahrzehnten und leitete daraus seine Anlagestrategie ab.

Sie haben sich den S&P 500 in den vergangenen 141 Jahren angeschaut und festgestellt, dass der Index in diesem Zeitraum 80 Jahre lang seitwärts lief. Seit dem Jahr 2000 befinden sich die Aktienmärkte wieder in einer solchen Phase. Wie lang müssen wir denn dieses Mal auf nachhaltig steigende Kurse warten?

Wir gehen davon aus, dass diese Phase noch Jahre anhalten wird. Durch die Schuldenkrise müssen viele Länder in Europa ihre Ausgaben zügeln. Einige wie Spanien und Italien kommen um eine Umstrukturierung nicht herum. Die Höchststände beim DAX von 8151 Punkten werden wir so schnell nicht wiedersehen. Das bedeutet allerdings nicht das Ende der Wertpapieranlage.

Das hört sich aber ganz danach an. Schließlich steckt Anlegern noch der Schock des Absturzes nach der Jahrtausendwende in den Knochen.

Das ist richtig. Doch bieten solche Märkte auch Chancen für Anleger. Innerhalb der letzten Seitwärtsbewegung gab es insgesamt fünf Auf- und Abwärtsphasen. Diese wird es auch in den kommenden Jahren geben. Diese Schwankungen gilt es auszunutzen. Anleger sollten sich davon lösen, einen kompletten Index zu kaufen oder zu lange an ihren Titeln festzuhalten.

Sondern?

Vielmehr sollten sie darauf achten, tiefe Kurse für Käufe zu nutzen. Defensive Unternehmen mit einer hohen Dividendenrendite, die solide finanziert sind, sollten zu den Gewinnern zählen. Investoren finden diese nicht nur vor der Haustür, globale Titanen rücken in den Fokus. Einige Titel sind momentan so günstig bewertet wie seit Anfang der 80er-Jahre nicht. Mit Unternehmen wie Microsoft, Johnson & Johnson oder auch RWE sollten Anleger künftig eine höhere Rendite erzielen als mit zyklischen Werten. Coca-Cola steigert Jahr für Jahr den inneren Wert. Auch bei diesem Titel sollten Anleger eine Kursschwäche nutzen. Die Konzentration auf konservative Werte mit einem niedrigen Bewertungsniveau schützt vor Fehleinschätzungen und dient dem Kapitalerhalt.

Welche Branchen sollten Anleger meiden?

Wir lassen die Finger vom Automobilsektor, der Chemiebranche und Banktiteln.

Tech-Aktien wie Google, Apple oder Amazon gehörten zuletzt zu den Top-Performern – trotz ihrer horrenden Bewertung. Wird das so weitergehen?

Wir gehen sogar davon aus, dass die Kurse noch steigen, allerdings nur solange die Unternehmen den hohen Marktanforderungen standhalten. Verlieren sie ihren Wettbewerbsvorsprung, ist die Fallhöhe deutlich größer.

Müssen Anleger, die ihr Geld nicht in die Hände von Bankberatern legen wollen, sich noch mehr mit den Märkten auseinandersetzen?

Die Buy-and-Hold-Strategie funktioniert nur noch bei tiefen Einstiegskursen und langfristig intaktem Geschäftsmodell. Zudem sollten Anleger bei Stop-Loss-Kursen wegen der hohen Schwankungen einen größeren Abstand berücksichtigen.

Ihre Ziele für den DAX 2012?

Wir gehen davon aus, dass das Barometer zum Halbjahr bei 6250 Punkten steht. Zum Jahresende sollte es dann bis auf 6600 Punkte klettern.


© 2012 boerseonline

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 Quelle: vwd netsolutions GmbH
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Quelle: FMH-Finanzberatung
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