04.09.2009
 CAPITAL-SERIE Der Börsenkommentar

Das Thema der Woche an den Finanzmärkten aus dem Blickwinkel der capital.de-Redaktion.


Paul Prandl, Stv. Chefredakteur Capital
Paul Prandl, Stv. Chefredakteur Capital
Foto: Frank Reinhold

Börsenkommentar

Spielball der Spekulanten

von Paul Prandl

Am 15. September jährt sich die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. In ihrer Folge stürzten die Aktien amerikanischer Banken und Versicherer wie Citigroup, Fannie Mae und Freddie Mac sowie AIG brutal ab. Milliardenschwere Staatshilfe rettete die Unternehmen vor dem Untergang. Jetzt legen ihre Kurse wieder fulminant zu – und locken unbedarfte Anleger an.

Und führe uns nicht in Versuchung - diese Zeile aus dem "Vater unser" dürfte zahlreichen Anlegern in den vergangenen vier Wochen durch den Kopf gegangen sein, die die rasante Kursentwicklung amerikanischer Finanzinstitute verfolgten. So legten die Aktien der beiden Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae ebenso wie der Kurs des einst weltgrößten Versicherers AIG und des ehemaligen Bankriesen Citigroup um mehr als hundert Prozent zu. Kein Indiz für deren wirtschaftliche Gesundung, sondern vielmehr ein Beleg für die Rückkehr der Zocker und Spekulanten.

Sie pushen solche zertrümmerten Papiere gern mit positiven Kommentaren und verdienen daran viel Geld. Wohl auch, weil der traumhafte Kursanstieg zahlreiche unbedarfte Anleger anlockt. Denn Hand aufs Herz: Wer von uns möchte nicht gerne den schnellen Euro verdienen. Ein Kursverdoppler innerhalb von vier Wochen weckt bei manchem die Gier. Allerdings können Sie dann ebenso gut in die Spielbank gehen. Dort sind die Chancen auf 100 Prozent Gewinn deutlich höher, allerdings mit dem Risiko den Einsatz sofort komplett zu verlieren. Bei heißen Spekulationen droht diese Gefahr auch, aber meist dauert es länger.

Mit sinnvollem Investieren hat die Zockerei auf halbtote Aktien nichts zu tun. So muss denn auch die Begründung herhalten, die Aktien seien optisch günstig. Fundamental sind sie es jedenfalls nicht. Die Schulden beim amerikanischen Staat sind so hoch, dass Aktionäre bei Freddie Mac, Fannie Mae und AIG auch in den kommenden Jahren nicht mit Gewinnausschüttungen rechnen können. Woher die Kursfantasie bei diesen Zombie-Investments kommen soll, erschließt sich nicht. Deshalb sollten Anleger der Versuchung widerstehen, hier in der Hoffnung auf schnellen Profit einzusteigen. Sonst könnte wie einst im Paradies ein böses Erwachen folgen.


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