Und führe uns nicht in Versuchung - diese Zeile aus dem "Vater unser" dürfte zahlreichen Anlegern in den vergangenen vier Wochen durch den Kopf gegangen sein, die die rasante Kursentwicklung amerikanischer Finanzinstitute verfolgten. So legten die Aktien der beiden Hypothekenfinanzierer
Freddie Mac und
Fannie Mae ebenso wie der Kurs des einst weltgrößten Versicherers
AIG und des ehemaligen Bankriesen
Citigroup um mehr als hundert Prozent zu. Kein Indiz für deren wirtschaftliche Gesundung, sondern vielmehr ein Beleg für die Rückkehr der Zocker und Spekulanten.
Sie pushen solche zertrümmerten Papiere gern mit positiven Kommentaren und verdienen daran viel Geld. Wohl auch, weil der traumhafte Kursanstieg zahlreiche unbedarfte Anleger anlockt. Denn Hand aufs Herz: Wer von uns möchte nicht gerne den schnellen Euro verdienen. Ein Kursverdoppler innerhalb von vier Wochen weckt bei manchem die Gier. Allerdings können Sie dann ebenso gut in die Spielbank gehen. Dort sind die Chancen auf 100 Prozent Gewinn deutlich höher, allerdings mit dem Risiko den Einsatz sofort komplett zu verlieren. Bei heißen Spekulationen droht diese Gefahr auch, aber meist dauert es länger.
Mit sinnvollem Investieren hat die Zockerei auf halbtote Aktien nichts zu tun. So muss denn auch die Begründung herhalten, die Aktien seien optisch günstig. Fundamental sind sie es jedenfalls nicht. Die Schulden beim amerikanischen Staat sind so hoch, dass Aktionäre bei Freddie Mac, Fannie Mae und AIG auch in den kommenden Jahren nicht mit Gewinnausschüttungen rechnen können. Woher die Kursfantasie bei diesen Zombie-Investments kommen soll, erschließt sich nicht. Deshalb sollten Anleger der Versuchung widerstehen, hier in der Hoffnung auf schnellen Profit einzusteigen. Sonst könnte wie einst im Paradies ein böses Erwachen folgen.
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